Kupferpreise steigen auf 13.000 Euro je Tonne
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 12:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFörderlÀnder und Verarbeitung bestimmen den Markt
- Chile liefert annÀhernd ein Viertel des weltweit geförderten Kupfererzes.
- China verarbeitet mehr als die HĂ€lfte des produzierten Rohkupfers in seinen HĂŒttenwerken.
- Weltweit stehen laut US-Geologischem Dienst rund 980 Millionen Tonnen Kupferreserven zum Abbau bereit.
Die Kupferpreise steigen und steigen: An der Londoner Metallbörse kostet eine Tonne des Industriemetalls inzwischen nach starken Schwankungen ungefÀhr 13.000 Euro. Seit Jahresbeginn entspricht das einem Plus von mehr als 20 Prozent, zugleich locken die hohen Preise Diebe zu Solarparks, LadesÀulen und leerstehenden HÀusern.
Kupfer steckt in fast jeder Zukunftstechnik
Kupfer leitet Strom und WÀrme sehr gut, ist formbar und korrosionsbestÀndig. Deshalb steckt es in Generatoren, Stromleitungen, Elektroautos, Batterien, LadesÀulen, Windturbinen und Solaranlagen.
Auch der Bausektor nutzt das Metall fĂŒr Wasserrohre, Dachrinnen und Schindeln. In einem Elektroauto ist bis zu viermal so viel Kupfer verbaut wie in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.
Nachfrage wÀchst bis 2040
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden im vergangenen Jahr nahezu 28 Millionen Tonnen Kupfer nachgefragt. In einem mittleren Szenario erwartet die IEA bis 2040 einen Anstieg um ein Viertel, wÀhrend S&P Global mit einer Zunahme um die HÀlfte rechnet.
Ein wichtiger Treiber ist der Ausbau der Stromnetze, insbesondere in China. ZusÀtzlich benötigen neue Rechenzentren wegen ihres hohen Stromverbrauchs mehr NetzkapazitÀt und damit Kupfer.
VersorgungslĂŒcke bis 2035 möglich
Die IEA hĂ€lt eine 25-prozentige VersorgungslĂŒcke bis 2035 fĂŒr möglich. Der durchschnittliche Erzgehalt in Minen ist nach einer SchĂ€tzung von BHP seit 1991 um 40 Prozent gesunken, wĂ€hrend der Bau neuer Bergwerke teurer wird und mehrere Jahre dauert.
Die wichtigsten FörderlĂ€nder sind Chile, die Demokratische Republik Kongo und Peru. China liegt auf Platz vier; Chile steht fĂŒr annĂ€hernd ein Viertel des geförderten Erzes.
China dominiert die Verarbeitung
Mehr als die HĂ€lfte des produzierten Rohkupfers wird in chinesischen HĂŒtten verarbeitet. China fĂŒhrt auch bei der Raffination. Zu den gröĂten KupferhĂŒtten der Welt gehört die Anlage des Hamburger Unternehmens Aurubis.
FĂŒr die Verarbeitung wird Kupferkonzentrat geschmolzen und anschlieĂend raffiniert. Als Kathode gelangt das Produkt an die WeltmĂ€rkte; an der Londoner Metallbörse muss es einen Kupferanteil von 99,99 Prozent haben.
VorrÀte reichen, aber Abbau wird schwieriger
Die weltweiten KupfervorrÀte gehen nicht unmittelbar zur Neige. Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten schÀtzt die abbaubereiten Reserven auf 980 Millionen Tonnen; mehr als doppelt so viel sei bereits identifiziert.
Kupfer lÀsst sich ohne QualitÀtsverlust beliebig oft recyceln. Das kann den Bedarf an neuem Erz bremsen, beseitigt den Druck auf Bergbau und Verarbeitung angesichts der steigenden Nachfrage aber nicht.
Preise bleiben schwer vorherzusagen
Die Weltbank rechnete in ihrem im April veröffentlichten Rohstoffmarktbericht fĂŒr 2027 mit einem PreisrĂŒckgang um acht Prozent. Als einen Grund nannte sie die erwartete Produktionssteigerung der indonesischen Grasberg-Mine nach einem tödlichen Erdrutsch im Vorjahr.
Hohe Kupferpreise treffen vor allem Branchen, die groĂe Mengen benötigen, etwa den Bau. Bei Stromnetzen können sie in die Netzentgelte einflieĂen; bei ElektrogerĂ€ten und Fahrzeugen ist der Kupferanteil an den Gesamtkosten dagegen meist vergleichsweise gering.
Anlage bleibt mit Risiken verbunden
Anleger können ĂŒber ETC auf die Kupferpreisentwicklung setzen oder in einzelne Bergbauunternehmen und Themenfonds investieren. RohstoffmĂ€rkte gelten jedoch als volatil, sodass Preisprognosen und Anlageentscheidungen mit erheblichen Risiken verbunden sind.
Der Kupferpreis spiegelt einen strukturellen Zielkonflikt der Energiewende wider: Genau jene Bereiche, die den AusstoĂ von Treibhausgasen senken sollen, benötigen groĂe Mengen des Industriemetalls. Elektrofahrzeuge, Stromleitungen, Windkraftanlagen, Solartechnik und Rechenzentren erhöhen den Bedarf gleichzeitig.
Die Nachfrage wĂ€chst dabei schneller planbar als das Angebot. Neue Bergwerke lassen sich nicht kurzfristig erschlieĂen; Genehmigungen, Finanzierung, Infrastruktur und der Bau selbst können viele Jahre beanspruchen. Sinkende Erzgehalte erhöhen zusĂ€tzlich den Energie- und Kostenaufwand der Förderung. Eine mögliche VersorgungslĂŒcke wĂŒrde deshalb nicht bedeuten, dass Kupfer weltweit unmittelbar ausgeht, sondern dass zusĂ€tzliches Material zu höheren Preisen und unter gröĂerem Aufwand bereitgestellt werden mĂŒsste.
China prÀgt den Markt
China ist sowohl beim Ausbau von Stromnetzen als auch bei der Verarbeitung des Metalls ein zentraler Faktor. Die starke Konzentration der HĂŒtten- und RaffineriekapazitĂ€ten macht den Weltmarkt anfĂ€llig fĂŒr Produktionsstörungen, Handelskonflikte und VerĂ€nderungen der chinesischen Nachfrage. Zugleich bleibt der Bergbau geografisch auf wenige FörderlĂ€nder konzentriert.
FĂŒr Verbraucher dĂŒrften die Preiswirkungen vor allem indirekt sichtbar werden: ĂŒber Kosten fĂŒr Netzausbau, Bauprojekte und Infrastruktur. Bei einzelnen ElektrogerĂ€ten oder Fahrzeugen ist Kupfer zwar wichtig, macht aber meist nur einen begrenzten Teil der Gesamtkosten aus. Recycling kann den PrimĂ€rbedarf dĂ€mpfen, ersetzt neue Förderung wegen des wachsenden Gesamtverbrauchs jedoch nicht vollstĂ€ndig.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: âRohstoffe: Warum die Kupferpreise Rekordhöhen erreichenâ (28.10.2026)
Der Artikel bestĂ€tigt den Preisanstieg und rĂŒckt neben der wachsenden Nachfrage die mögliche VersorgungslĂŒcke bis 2035 in den Mittelpunkt. Anders als der n-tv-Beitrag behandelt er vor allem die Produktionsstruktur, HerkunftslĂ€nder und Recyclingperspektiven.
n-tv: âKupfer: Ist der Boom schon im Kurs?â (28.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den hohen Wert des Metalls und die AttraktivitĂ€t fĂŒr Diebe. Er setzt den Schwerpunkt auf die Frage, ob der Preisauftrieb anhalten kann oder bereits zu viel Zukunftserwartung eingepreist ist.
Einigkeit besteht beim starken Nachfrageimpuls durch Elektrifizierung und Infrastruktur. Unterschiede liegen im Schwerpunkt: WÀhrend stern die langfristige Versorgung betrachtet, ordnet n-tv stÀrker die Preis- und Anlageperspektive ein. Offen bleibt, wie schnell neue Förderung, Verarbeitung und Recycling auf den wachsenden Bedarf reagieren können.
