Kupferpreise steigen auf 13.000 Euro je Tonne
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKupferhandel und globale Verarbeitung
- Die Londoner Metallbörse verlangt fĂŒr eine Tonne Kupfer inzwischen ungefĂ€hr 13.000 Euro.
- Chile liefert annÀhernd ein Viertel des weltweit geförderten Kupfererzes.
- China verarbeitet mehr als die HĂ€lfte des weltweit produzierten Rohkupfers.
Kupfer wird zum Engpass der Elektrifizierung
Die Kupferpreise steigen und steigen: An der Londoner Metallbörse kostet eine Tonne nach starken Schwankungen inzwischen ungefÀhr 13.000 Euro. Seit Jahresbeginn hat sich das Metall damit um mehr als 20 Prozent verteuert, wÀhrend Diebe Kupfer aus Solarparks, LadesÀulen und leerstehenden HÀusern stehlen.
Leiter fĂŒr Strom und WĂ€rme
Kupfer ist formbar und korrosionsbestÀndig; nur Silber leitet Strom und WÀrme noch besser. Weil Silber jedoch vielfach teurer ist, wird Kupfer in Generatoren, Stromleitungen, Elektroautos, Batterien, Windturbinen und Solarzellen eingesetzt.
Auch der Bau benötigt das Metall fĂŒr Wasserrohre, Dachrinnen und Schindeln. Die Nachfrage dĂŒrfte weiter wachsen: Die Internationale Energieagentur rechnet in einem mittleren Szenario bis 2040 mit einem Anstieg um ein Viertel, wĂ€hrend S&P Global sogar eine Zunahme um die HĂ€lfte erwartet.
Elektroautos und Netze treiben Bedarf
Ein Elektroauto enthÀlt bis zu viermal so viel Kupfer wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. ZusÀtzlich steigt der Bedarf durch den Ausbau der Stromnetze, den die IEA insbesondere in China als wichtigen Treiber nennt, sowie durch neue Rechenzentren mit hohem Stromverbrauch.
VersorgungslĂŒcke bis 2035 möglich
Ob die Bergbauproduktion mithalten kann, ist nach EinschĂ€tzung der IEA nicht gesichert. Möglich sei bis 2035 eine VersorgungslĂŒcke von 25 Prozent.
Der durchschnittliche Erzgehalt in Minen ist nach Angaben des Bergbauunternehmens BHP seit 1991 um 40 Prozent gesunken. Der Bau neuer Bergwerke ist teuer und dauert mehrere Jahre.
Förderung konzentriert sich auf wenige LÀnder
Die wichtigsten HerkunftslÀnder des Kupfererzes sind Chile, die Demokratische Republik Kongo und Peru. China folgt auf Platz vier; auf Chile entfÀllt annÀhernd ein Viertel der Förderung.
Mehr als die HĂ€lfte des produzierten Rohkupfers wird nach Angaben der Internationalen Kupferstudiengruppe in chinesischen HĂŒtten verarbeitet. Zu den gröĂten KupferhĂŒtten zĂ€hlt auch die Anlage des Hamburger Unternehmens Aurubis.
VorrÀte reichen, Ausbau bleibt schwierig
Von einem baldigen Ende der KupfervorrÀte ist nicht auszugehen. Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten schÀtzt die weltweit als Reserve abbaubare Menge auf 980 Millionen Tonnen; zusÀtzlich ist mehr als doppelt so viel Kupfer identifiziert.
Kupfer lÀsst sich ohne QualitÀtsverlust beliebig oft recyceln. Die Weltbank rechnet in ihrem am Mittwoch erschienenen Rohstoffmarktbericht zwar mit sinkenden Preisen in den kommenden zwei Jahren, erwartet sie aber weiterhin nahe den Rekordhöhen.
Auswirkungen auf Bau und Stromkosten
Hohe Kupferpreise treffen vor allem Bereiche, die groĂe Mengen des Metalls benötigen, etwa den Bau. Der Netzausbau kann zudem die Netzentgelte beeinflussen, die Bestandteil des Strompreises sind.
Bei ElektrogerĂ€ten und Fahrzeugen dĂŒrfte der Kupferanteil an den Gesamtkosten dagegen meist vergleichsweise gering bleiben. FĂŒr Anleger bieten ETC, einzelne Unternehmen und Themenfonds Möglichkeiten, auf die Preisentwicklung zu setzen; RohstoffmĂ€rkte bleiben jedoch volatil.
Der Kupfermarkt steht zwischen wachsender strategischer Bedeutung und begrenzter kurzfristiger ReaktionsfĂ€higkeit. Kupfer wird fĂŒr Stromnetze, erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren benötigt. Damit hĂ€ngt die Nachfrage nicht nur von einzelnen Industriezweigen ab, sondern von mehreren groĂen Investitions- und Infrastrukturprojekten gleichzeitig.
Die von der Internationalen Energieagentur erwartete mögliche VersorgungslĂŒcke bis 2035 verweist auf ein strukturelles Problem: Neue Bergwerke lassen sich nicht kurzfristig errichten. Sinkende Erzgehalte, hohe Investitionskosten, lange Genehmigungsverfahren und Betriebsstörungen können das Angebot zusĂ€tzlich bremsen. Zugleich konzentriert sich die Förderung auf wenige LĂ€nder, wĂ€hrend China bei Schmelzen und Raffination eine herausragende Rolle spielt.
Recycling und Preise als Gegengewicht
Die absehbare Knappheit bedeutet nicht, dass die weltweiten KupfervorrĂ€te unmittelbar erschöpft wĂ€ren. Neben neuen Minen kann Recycling das Angebot erweitern, weil Kupfer ohne QualitĂ€tsverlust wiederverwendbar ist. Höhere Preise schaffen zudem Anreize fĂŒr mehr Recycling und effizienteren Materialeinsatz, verteuern aber Projekte, die selbst den Ausbau der Elektrifizierung vorantreiben sollen.
FĂŒr Verbraucher dĂŒrften die Auswirkungen je nach Produkt unterschiedlich ausfallen. Im Bau und bei groĂen Netzinvestitionen kann Kupfer die Kosten spĂŒrbarer beeinflussen; bei ElektrogerĂ€ten und Fahrzeugen bleibt sein Anteil an den Gesamtkosten meist begrenzt. FĂŒr Anleger bleibt der Markt wegen seiner starken AbhĂ€ngigkeit von Konjunktur, Industrieproduktion und Angebotsstörungen schwankungsanfĂ€llig.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: âRohstoffe: Warum die Kupferpreise Rekordhöhen erreichenâ (28.10.2026)
Der Beitrag bestÀtigt die Rekordpreise und stellt die wachsende Nachfrage durch Elektrifizierung und Netzausbau in den Mittelpunkt. Als zentrale offene Frage gilt auch dort, ob die Minenproduktion mit dem erwarteten Bedarf Schritt halten kann.
ntv: âKupfer: Ist der Boom schon im Kurs?â (28.10.2026)
Der Beitrag hebt neben dem Nachfrageboom die AttraktivitĂ€t des Metalls fĂŒr Diebe hervor. Anders als der Stern-Beitrag setzt er damit einen stĂ€rkeren Akzent auf die unmittelbaren Folgen der hohen Preise und auf die Frage, ob der Aufschwung bereits eingepreist ist.
Beide BeitrĂ€ge verbinden den Preisanstieg mit der zunehmenden Bedeutung von Kupfer fĂŒr die Elektrifizierung. Unterschiede liegen vor allem beim Schwerpunkt zwischen langfristiger VersorgungslĂŒcke und kurzfristiger Markt- sowie KriminalitĂ€tsentwicklung.
