Bahnbeauftragter will mehr Wettbewerb im Fernverkehr
16.10.2023 - 08:17:37Die Deutsche Bahn soll nach dem Willen des Bundes nach der Generalsanierung des Netzes mehr Konkurrenz im Fernverkehr bekommen. Das soll auch zu preiswerteren Fahrkarten fĂŒhren, wie der Bahnbeauftragte Michael Theurer (FDP) in der «Rheinischen Post» (Montag) deutlich machte. Mit seinen ICE- und Intercity-ZĂŒgen ist der Staatskonzern mit einem Marktanteil von 95 Prozent nahezu Monopolist im Fernverkehr; Konkurrenz gibt es vor allem durch Flixtrain. Von 2024 bis 2030 sollen die wichtigsten Korridore des Netzes generalsaniert werden.
Mehr Wettbewerb
Theurer sagte: «Im Fernverkehr wollen wir mit einem generalsanierten Netz und ausreichender KapazitĂ€t mehr Wettbewerb schaffen und dadurch fĂŒr gĂŒnstigere Tickets sorgen.» Der Blick in andere LĂ€nder wie Italien oder Spanien zeige, «dass Wettbewerb zu mehr QualitĂ€t und sinkenden Preisen fĂŒhrt». Der FDP-Politiker hob hervor, wĂ€hrend der Sanierung setzten die Beteiligten alles daran, einen attraktiven Schienenersatzverkehr anzubieten und damit die EinschrĂ€nkungen fĂŒr die Reisenden möglichst in Grenzen zu halten.
Die Generalsanierung betrifft 40 hochbelastete Strecken. Sie sollen jeweils fĂŒr rund fĂŒnf Monate komplett gesperrt und dann rundum saniert und ertĂŒchtigt werden. Knapp 40 Milliarden Euro zusĂ€tzlich will der Bund dafĂŒr zur VerfĂŒgung stellen.
Mehr ZuverlÀssigkeit
Die Arbeiten beginnen im nĂ€chsten Jahr auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Sie gehört zu den meistbefahrenen Strecken Europas. Die Bahn geht deshalb von spĂŒrbaren Verbesserungen bei der ZuverlĂ€ssigkeit nach Abschluss der dortigen Bauarbeiten aus.
Anders als im Fernverkehr hat die Bahn im Regional- und GĂŒterverkehr zahlreichen Wettbewerber. Im Regionalverkehr fahren sie nach Daten der Bundesnetzagentur ein Drittel des Angebots, im GĂŒterverkehr ist es mehr als die HĂ€lfte.
Ausreichend?
Erneute Kritik an den PlĂ€nen kam am Montag von den Konkurrenten der Deutschen Bahn: «Aus unserer Sicht ist die Generalsanierung lediglich eine Reaktion auf unterlassene Instandhaltung in der Vergangenheit», sagte Ludolf Kerkeling, Vorstandschef des Wettbewerberverbands Die GĂŒterbahnen, am Montag. «Jetzt stehen wir vor dem Scherbenhaufen unserer Infrastruktur und wir sehen das Gelingen des Themas Generalsanierung sehr kritisch.»
So fehle etwa ein langfristiges Konzept, mit dem sichergestellt sei, dass das Netz auch dauerhaft in gutem Zustand bleibe und die Probleme in zehn, zwanzig Jahren nicht wieder genauso gravierend seien wie heute.
Kritisch sehen die Wettbewerber zudem die Konzepte fĂŒr die Umleiterstrecken wĂ€hrend der mehrmonatigen Vollsperrungen. Etwa bei den Strecken Regensburg-Passau, Hannover-Hamburg sowie MĂŒnchen-Rosenheim-Salzburg sei nicht absehbar, wo Umleitungen fĂŒr den GĂŒterverkehr ĂŒberhaupt langgehen könnten, sagte Kerkeling.
Wettbewerberreport
Gemeinsam mit dem Schwesterverband Mofair veröffentlichen Die GĂŒterbahnen alle zwei Jahre ihren Wettbewerberreport zur Konkurrenzsituation auf dem Schienennetz. Auch sie kritisieren darin die Dominanz der Deutschen Bahn besonders im Fernverkehr. Allerdings sei die Lage durchaus differenziert. Es gebe eine Vielzahl von Kooperationen, die ein einheitliches Bild schwierig machten. «So
fÀhrt etwa das Mofair-Mitglied RDC den deutschen Teil des Nachtzugs zwischen Berlin und Stockholm, der insgesamt von den schwedischen
Staatsbahnen SJ vermarktet wird.» Die Nightjet-Verbindungen der Ăsterreichischen Bundesbahnen (ĂBB) wiederum werden von der Deutschen Bahn gefahren.


