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Netflix geht gegen Account-Trittbrettfahrer vor

24.05.2023 - 02:50:06

Lange tolerierte Netflix das Teilen von Passwörtern zwischen Nutzern - doch das ist jetzt vorbei. Auch in Deutschland lĂ€uft fĂŒr Account-Trittbrettfahrer die Uhr ab. Bald sind 4,99 Euro pro Monat fĂ€llig.

FĂŒr Netflix-Nutzer in Deutschland, die einen Account ĂŒber einen Haushalt hinaus teilen, wird es ernst. Der Streaming-Riese wies seine Kunden am Dienstag darauf hin, dass er dafĂŒr bald zusĂ€tzliches Geld verlangen wird. FĂŒr eine Person, die nicht mit dem zahlenden Account-Inhaber unter einem Dach wohnt, sollen 4,99 Euro im Monat fĂ€llig werden. Netflix erhofft sich davon höhere Einnahmen.

Laut Netflix sollen Nutzer aus einem Haushalt auf den gemeinsamen Account weiter problemlos unterwegs oder auf Reisen zugreifen können. Als einen «Netflix-Haushalt» bezeichnet der Dienst eine Ansammlung von GerĂ€ten, die dort ins Internet gehen, wo man sich meist Netflix ansehe. Wird ĂŒber ein TV-GerĂ€t geschaut, ordnet Netflix alle GerĂ€te an derselben Internet-Verbindung automatisch einem Haushalt zu. Der gemeinsame Internet-Anschluss scheint damit ein zentrales Merkmal zu sein. Netflix erfasse IP-Adressen, aber kein GPS-Daten, hieß es.

Warnung vor Account-Sperre

Wie schnell Netflix nun durchgreifen wird, blieb zunÀchst offen. Entdeckte Nutzer mit einem fremden Account sollen zunÀchst gewarnt werden, dass ihr Zugang bald gesperrt wird.

Im 17,99 Euro teuren Premium-Account können Kunden fĂŒr bis zu zwei «Extra-Mitglieder» bezahlen. Im Standard-Account, der 12,99 Euro im Monat kostet, ist nur ein zusĂ€tzlicher Platz vorgesehen. Beim Basis-Account fĂŒr 7,99 Euro geht das gar nicht. Mit 4,99 Euro ist eine Erweiterung in Deutschland genauso teuer wie das gĂŒnstigste Netflix-Abo, bei dem der Dienst mit Werbeanzeigen genutzt werden kann. Weiteres Detail: Der Zusatz-Account kann nur im Land des zahlenden Account-Nutzers aktiviert werden.

Das US-Unternehmen geht davon aus, dass in rund 100 Millionen Haushalten der Service mit Login-Daten anderer genutzt wird. Das ist gemessen an den 232,5 Millionen zahlenden Kunden im vergangenen Quartal ein hoher Anteil. Oft nutzen zum Beispiel Kinder den Account der Eltern weiter, wenn sie ausziehen - oder Freunde teilen sich einen Zugang, um Geld zu sparen. Netflix investiert jedes Jahr Milliarden in zum Teil exklusiv bei dem Dienst verfĂŒgbare Videoinhalte.

ProfitabilitÀt im Fokus

Netflix hatte das Teilen von Zugangsdaten lange toleriert. Inzwischen gibt es im Videostreaming-GeschĂ€ft aber generell einen verstĂ€rkten Fokus auf ProfitabilitĂ€t, nachdem die vielen Anbieter jahrelang auf der Jagd nach höheren Nutzerzahlen waren. Keiner der Konkurrenten geht allerdings so konsequent wie jetzt Netflix gegen das Teilen von Accounts vor. Die Netflix-Aktie schloss nach der AnkĂŒndigung mit einem Minus von knapp zwei Prozent.

Netflix rechnet damit, dass die Nutzerzahl mit dem Vorgehen gegen Trittbrettfahrer zunĂ€chst sinkt. In Kanada etwa gebe es inzwischen aber mehr zahlende Nutzer und höhere Einnahmen als vorher, betonte der Dienst jĂŒngst. Dadurch habe man sich bestĂ€tigt gefĂŒhlt. Zur Entwicklung in anderen LĂ€ndern Ă€ußerte sich Netflix bisher nicht. Am Dienstag wurde auch der Start des Vorgehens im wichtigen US-Markt angekĂŒndigt. Dort werden pro Extra-Mitglieder 7,99 Dollar fĂ€llig.

Das Vorgehen gegen das Teilen von Accounts war schon lĂ€nger angekĂŒndigt, und Netflix testete es vor dem nun bekanntgegebenen breiten Start in mehreren LĂ€ndern. In Europa waren es Portugal und Spanien.

@ dpa.de