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Legisway Meetings: Wolters Kluwer digitalisiert deutsche Aufsichtsräte

07.05.2026 - 13:14:43 | boerse-global.de

Wolters Kluwer bringt mit Legisway Meetings eine KI-gestützte Plattform für Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen auf den deutschen Markt.

Legisway Meetings: Wolters Kluwer digitalisiert deutsche Aufsichtsräte - Foto: über boerse-global.de
Legisway Meetings: Wolters Kluwer digitalisiert deutsche Aufsichtsräte - Foto: über boerse-global.de

Der Informationsdienstleister Wolters Kluwer bringt mit Legisway Meetings eine spezialisierte Plattform auf den deutschen Markt, die auf die Sicherheits- und Compliance-Bedürfnisse von Führungsgremien zugeschnitten ist. Der Start erfolgt genau zu dem Zeitpunkt, an dem europäische Initiativen zur Vereinfachung der Unternehmensberichterstattung und ein Bürokratieabbau in Nordrhein-Westfalen neue Maßstäbe setzen.

Rechtsunsicherheit bremst Investitionen

Der Druck auf Führungskräfte wächst. Der Sustainable Economy Barometer 2026, für den zwischen März und April 2026 rund 2.500 Entscheidungsträger befragt wurden, zeigt ein düsteres Bild: Rund 72,5 Prozent der Befragten geben an, dass rechtliche Unsicherheiten derzeit notwendige Investitionen verzögern. Dabei sehen 65,1 Prozent Nachhaltigkeit als zentralen Erfolgsfaktor – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte im Vergleich zu 2023. Doch fast 42 Prozent räumen ein, die Klimarisiken für ihr Geschäftsmodell unterschätzt zu haben.

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Expert AI: Künstliche Intelligenz fürs Protokoll

Die neue Plattform Legisway Meetings zielt genau auf diese administrative Komplexität ab. Mit einer spezialisierten KI – Wolters Kluwer nennt sie Expert AI – erstellt das System automatisch Entwürfe für Sitzungsprotokolle und Zusammenfassungen. Das soll die Dokumentation für Vorstände, Aufsichtsräte und Sekretariate deutlich verschlanken, die oft unter hohem Zeitdruck mit sensiblen Informationen arbeiten müssen.

Datensicherheit bleibt für deutsche Führungsgremien das A und O. Der Anbieter bestätigt, dass die Plattform Enterprise-Security-Standards erfüllt. Sämtliche Daten werden auf europäischen Servern gehostet – eine klare Ansage zur Einhaltung der DSGVO. Die finanzielle Stabilität des Anbieters untermauert den Anspruch: Wolters Kluwer erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro, nach 5,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

EU schlankt Nachhaltigkeitsberichte drastisch

Die Digitalisierung der Gremienarbeit hängt eng mit der Reform der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung zusammen. Erst am 6. Mai 2026 leitete die EU-Kommission eine Konsultation zu den überarbeiteten European Sustainability Reporting Standards (ESRS) ein. Das Ziel: eine radikale Verschlankung.

Die Kommission will die Pflichtangaben um mehr als 60 Prozent reduzieren, die Gesamtzahl der Datenpunkte sogar um über 70 Prozent. Die Folge: Die Compliance-Kosten für einzelne Unternehmen sollen um mehr als 30 Prozent sinken. Die neuen Standards werden für das Geschäftsjahr 2027 verpflichtend, können aber freiwillig bereits 2026 angewendet werden. Die Konsultation läuft noch bis zum 3. Juni 2026.

Besonders wichtig für kleinere Firmen: Die EU führt einen freiwilligen Standard (VS) für Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern ein. Er fungiert als „Value Chain Cap" – große Konzerne, die der CSRD unterliegen, dürfen von ihren kleineren Partnern nur noch Daten verlangen, die dieser freiwillige Standard abdeckt. Das soll den gefürchteten „Trickle-Down"-Effekt bürokratischer Lasten auf den Mittelstand verhindern.

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NRW: Befreiungsschlag für die Wirtschaft

In Deutschland geht Nordrhein-Westfalen voran. Die Landesregierung hat Gesetzesentwürfe verabschiedet, wonach alle landesrechtlichen Berichts- und Dokumentationspflichten für Unternehmen zum 1. Januar 2027 ersatzlos entfallen – es sei denn, sie werden durch neue Rechtsverordnungen ausdrücklich wieder eingeführt. Die Beweislast wird umgekehrt: Die Behörden müssen künftig begründen, warum bestimmte Bürokratiehürden bestehen bleiben sollen.

Die Initiative sieht zudem vor, die E-Mail-Kommunikation als Standard für den Behördenkontakt zu etablieren und Förderprozesse zu automatisieren. Die IHK NRW begrüßt die Maßnahmen als längst überfälligen „Befreiungsschlag". Handwerksbetriebe könnten so Dutzende Stunden Verwaltungsarbeit pro Monat einsparen.

Weltweit gegenläufige Trends

Während Europa verschlankt, dereguliert die US-Börsenaufsicht SEC. Am 4. Mai 2026 leitete die SEC einen Vorschlag an das Weiße Haus weiter, um die Klimaberichtspflichten der Vorgängerregierung formell aufzuheben. Diese waren rechtlich angefochten und nie vollständig umgesetzt worden. Zudem erwägt die SEC unter ihrem seit April 2025 amtierenden Vorsitzenden Paul Atkins, börsennotierten Unternehmen zu erlauben, ihre Berichte künftig nur noch halbjährlich statt vierteljährlich einzureichen – ein Schritt zur Kostensenkung und Stärkung der US-Kapitalmärkte.

Der Weg zum papierlosen Aufsichtsrat

Der Trend zur digitalen Gremienarbeit erfasst nicht nur Großkonzerne. Die Volkswohnung Karlsruhe zeigt, wie es geht: Mit spezieller Sitzungsmanagement-Software und mobilen Apps können Aufsichtsräte ortsunabhängig arbeiten, digital abstimmen und auf sensible Dokumente in Echtzeit zugreifen.

Doch die Professionalisierung hat auch Schattenseiten. Eine Analyse der SMI-Unternehmen in der Schweiz zeigt, dass die Nutzung von Begriffen wie „Diversity" und „DEI" in Geschäftsberichten im Vergleich zum Vorjahr zweistellig zurückgegangen ist. Experten sehen darin weniger eine Abkehr von den Programmen, sondern eine Reaktion auf politischen Gegenwind in internationalen Märkten.

Die Dimension der globalen Nachhaltigkeitssteuerung ist gewaltig: Über 2,5 Billionen US-Dollar weltweiter Ausgaben werden inzwischen durch Nachhaltigkeits-Risikoanalysen gesteuert. Allein 2025 wurden mehr als 25.000 neue Unternehmen auf Nachhaltigkeitsrisiken geprüft, über 55.000 Firmen berichteten Treibhausgasdaten. Unternehmen, die wiederholt bewertet wurden, verbesserten ihre Nachhaltigkeits-Scores im Schnitt um 15 Punkte.

Ausblick: Was auf die Gremien zukommt

Die Fristen für neue Regulierungen rücken näher. Der Bundestag hielt am 6. Mai 2026 eine Anhörung zur Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ab, die voraussichtlich im August 2026 in Kraft tritt. Experten kritisierten den aktuellen Entwurf wegen hoher Erfüllungskosten und fehlender Anreize für Recycling.

Im Finanzsektor verabschiedete die Regierung Liechtensteins einen Bericht zum ESG-Rating-Implementierungsgesetz, das EU-weite Regelungen von Ende 2024 übernimmt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) wird zur primären Regulierungsbehörde für ESG-Ratings.

Die nächsten Meilensteine sind absehbar: Der ECON-Ausschuss des Europaparlaments stimmt voraussichtlich im Juli 2026 über den SFDR 2.0-Vorschlag ab. Das könnte die Taxonomie-Quoten erhöhen und spezifische Offenlegungsstrategien für Investmentprodukte vorschreiben. Eines ist klar: Auch wenn die Zahl der Pflichtdatenpunkte sinkt – die technologischen und strategischen Anforderungen an die Unternehmensführung werden weiter steigen.

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