GESAMT-ROUNDUP: Herausforderungen fĂŒr Arbeitsmarkt bleiben
03.01.2025 - 13:19:50Sie blicke mit gemischten GefĂŒhlen auf 2025, sagte die Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles in NĂŒrnberg. GröĂte Herausforderungen seien die Konjunkturflaute und der Strukturwandel in der Industrie.
"In diesem Jahr drohen wir in Deutschland die Marke von drei Millionen Arbeitslosen zu ĂŒberschreiten", teilte ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger mit. Notwendig sei deshalb eine Wende in der Arbeitsmarktpolitik. "In der Grundsicherung brauchen wir mehr Fordern und die richtigen Anreize. Hohe Teilzeitquoten und teure FrĂŒhverrentungsanreize kann sich unser Land nicht leisten."
Winterpause auf dem Arbeitsmarkt
Im Dezember waren nach BA-Angaben 2,807 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job und damit 33.000 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Punkte auf 6 Prozent. Dass die Arbeitslosigkeit zum Jahresende zunimmt, ist ĂŒblich, weil befristete Stellen auslaufen, vor Weihnachten weniger neue ArbeitsvertrĂ€ge geschlossen werden und in witterungsabhĂ€ngigen Branchen wie dem Baugewerbe weniger zu tun ist.
Der Anstieg habe weitgehend saisonale Effekte, aber auch die schwache Wirtschaftslage habe sich ausgewirkt, sagte Nahles. Saisonbereinigt nahm die Zahl der Arbeitslosen im Dezember um 10.000 Menschen im Vergleich zum Vormonat zu. "Im gesamten Jahresverlauf ist die Arbeitslosigkeit gestiegen", erlÀuterte Nahles. Im Jahresdurchschnitt 2024 habe die Arbeitslosenquote bei 6 Prozent gelegen und damit höher als in den Vorjahren.
Arbeitslose haben es schwer
"Zurzeit ist die Möglichkeit fĂŒr Menschen, die arbeitslos sind, in Arbeit zu kommen, eher schlecht", sagte Nahles. "Da braucht es einfach eine konjunkturelle Belebung." Die Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften nimmt laut der BA seit der zweiten JahreshĂ€lfte 2022 spĂŒrbar ab. Im vergangenen Jahr wurden demnach in Summe 1,5 Millionen offene Stellen bei der Behörde gemeldet - so wenige wie noch nie in den vergangenen 25 Jahren.
Zugleich erreichte die Zahl der sozialversicherungspflichtig BeschÀftigten in Deutschland mit 35,23 Millionen im Oktober nach vorlÀufigen Hochrechnungen dem Bundesarbeitsministerium zufolge einen neuen Höchststand.
90.000 Stellen abgebaut
Dieser Zuwachs sei zuletzt allein auf Menschen aus Nicht-EU-LĂ€ndern zurĂŒckgegangen, betreffe vor allem die westdeutschen BundeslĂ€nder und sei stark branchenabhĂ€ngig, sagte Nahles. So steige im Gesundheitswesen, im Ăffentlichen Dienst und in Erziehungsberufen die BeschĂ€ftigung. Im verarbeitenden Gewerbe seien dagegen im vergangenen Jahr 90.000 Stellen abgebaut worden. "Das ist schon beachtlich", sagte Nahles.
Deutlich zugenommen hat im vergangenen Jahr auch die Kurzarbeit. Die aktuellsten Daten liegen laut der Bundesagentur fĂŒr Oktober vor. In diesem Monat zahlte sie fĂŒr 287.000 BeschĂ€ftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld, nach 225.000 im September und 165.000 im August. Vom 1. bis 26. Dezember gingen AntrĂ€ge fĂŒr 55.000 weitere BeschĂ€ftigte ein. Ob diese tatsĂ€chlich Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen, lĂ€sst sich aber nicht sicher sagen.
Nahles fordert weniger Pessimismus
Zum 1. Januar wurde die Bezugsdauer fĂŒr das Kurzarbeitergeld bis Jahresende auf bis zu 24 Monate verlĂ€ngert. Bisher waren es bis zu 12 Monate. Dem Bundesarbeitsministerium zufolge sollen Betriebe dadurch mehr Planungssicherheit erhalten, um BeschĂ€ftigte halten zu können. Nach einer ersten BA-SchĂ€tzung erhielten 2024 durchschnittlich rund 320.000 BeschĂ€ftigte Kurzarbeitergeld, nach 241.000 im Jahr 2023. Auch im laufenden Jahr sei mit einer etwas erhöhten Inanspruchnahme von Kurzarbeit zu rechnen, sagte Nahles.
Trotzdem mĂŒsse man realistisch statt pessimistisch auf den deutschen Arbeitsmarkt blicken, betonte sie. Im internationalen Vergleich sei dieser in einer soliden Verfassung. Unter den EU-LĂ€ndern habe Deutschland die viertniedrigste Quote bei der Erwerbslosigkeit, bei der ErwerbstĂ€tigenquote liege Deutschland in der EU auf dem sechsten Platz.

