Lemken, Kurzarbeit

Lemken führt Kurzarbeit ab Juli ein: Agrarsektor unter Druck

29.06.2026 - 05:09:32 | boerse-global.de

Lemken reagiert auf Auftragsrückgang mit Kurzarbeit am Stammsitz. Die Krise im Landtechnikmarkt und globale Marktverschiebungen sind die Ursache.

Lemken führt Kurzarbeit ein: Reaktion auf Agrarkrise
Lemken - Eine große, moderne blaue Landmaschine steht ungenutzt auf einem Feld unter bewölktem Himmel, symbolisch für Kurzarbeit. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab dem 1. Juli 2026 gilt am Stammsitz in Alpen Kurzarbeit für den Großteil der Belegschaft.

Das Familienunternehmen hat die Maßnahme vorerst bis zum 31. Dezember 2026 befristet. Geplant ist eine Reduzierung der Arbeitszeit um einen Tag pro Woche. Ausgenommen sind der Standort Haren sowie die Bereiche Service und Ersatzteillogistik – sie bleiben uneingeschränkt erreichbar.

CFO Klaus Kuhl bezeichnete die Einführung der Kurzarbeit als notwendigen Schritt zur Stabilisierung des Unternehmens. Hauptgrund: die aktuelle Krise im Landtechnikmarkt, die zu einem deutlichen Auftragsrückgang geführt hat.

Weltweiter Traktorenmarkt entwickelt sich zweigeteilt

Die Entscheidung von Lemken fällt in eine Zeit mit sehr uneinheitlichen Marktentwicklungen. Laut Branchenverband FederUnacoma stieg der weltweite Absatz von Traktoren in den ersten vier Monaten 2026 zwar um 18 Prozent auf 512.000 Einheiten.

Getrieben wird dieses Wachstum jedoch fast ausschließlich von Indien. Dort legte der Markt um 33 Prozent auf 375.000 Einheiten zu. In anderen wichtigen Agrarmärkten sieht die Lage völlig anders aus: In den USA sank der Absatz um 9 Prozent, in Brasilien um 15 Prozent. Besonders hart traf es die Türkei mit einem Einbruch von 50 Prozent.

Auch in Europa zeigt sich ein gemischtes Bild. Während Großbritannien ein Plus von 25 Prozent verzeichnete, blieb der deutsche Markt mit einem leichten Rückgang von 0,7 Prozent nahezu stabil. In Polen ging der Absatz dagegen um 14,8 Prozent zurück.

Industriekrise belastet den Standort Deutschland

Die Schwierigkeiten bei Lemken sind kein Einzelfall. Neben der Landtechnikbranche vermelden auch andere Schlüsselsektoren erhebliche Sparmaßnahmen und Kapazitätsanpassungen.

Anzeige

Angesichts von Kurzarbeit und Umstrukturierungen in der Industrie rücken rechtssichere Arbeitsverträge wieder verstärkt in den Fokus von Unternehmen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie veraltete Klauseln erkennen und teure Bußgelder nach dem neuen Nachweisgesetz vermeiden. 19 rechtssichere Muster-Formulierungen jetzt kostenlos herunterladen

In der Automobilindustrie planen große Konzerne wie Volkswagen massive Einschnitte. Berichten zufolge steht der Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen im Raum – was auf scharfe Kritik von Kommunalpolitikern stieß. Auch Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs und verschob eine für Juli geplante tarifliche Sonderzahlung für rund 90.000 Mitarbeiter. Der operative Gewinn des Stuttgarter Konzerns war 2025 bereits um 57 Prozent eingebrochen.

Zusätzlich gerät die Konsumgüterbranche unter Druck. Der Polstermöbelhersteller Himolla musste kürzlich ein Schutzschirmverfahren beantragen. Grund: massive Auftrags- und Umsatzeinbrüche infolge der anhaltenden Konsumzurückhaltung.

Politik unter Zugzwang

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen wächst der Druck auf die Politik. Auf dem Deutschen Bauerntag in Freiburg verabschiedeten Vertreter der Landwirtschaft die „Freiburger Erklärung“. Darin fordern sie unter anderem ein eigenständiges EU-Agrarbudget von 500 Milliarden Euro sowie einen konsequenten Bürokratieabbau.

Anzeige

Wenn wirtschaftliche Krisen zu personellen Konsequenzen führen, ist die rechtssichere Beendigung von Arbeitsverhältnissen entscheidend für Personalabteilungen. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie Aufhebungsverträge ohne teure Formfehler und langwierige Gerichtsverfahren aufsetzen. Kostenloses E-Book mit Musterformulierungen sichern

Parallel drängen die Ministerpräsidenten der Bundesländer die Bundesregierung, bis zum 25. Juli Vorschläge für eine eigenständige Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027 vorlegen. Ziel: die Sicherung eines angemessenen Budgets und der Erhalt von Direktzahlungen. Nur so, so die Hoffnung, lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und ihrer Zulieferer langfristig sichern.

de | wirtschaft | 69649478 |