LNG-Terminal: Behörden genehmigen Chlorreinigung nach Ultraschall-Ausfall
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am zweiten Flüssigerdgas-Terminal in Wilhelmshaven dürfen die Rohrleitungen künftig mit Chlor gereinigt werden. Die zuständigen Behörden, darunter das Umweltministerium in Hannover und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), erteilten eine entsprechende Genehmigung mit Wirkung ab dem 24. August 2026. Der Schritt erfolgte, nachdem ein zuvor vorgesehenes alternatives Ultraschallverfahren technisch versagt hatte.
Technischer Fehlschlag erzwingt Verfahrenswechsel
Ursprünglich sollte an der Anlage ein umweltschonenderes Ultraschallverfahren zum Einsatz kommen, um den Bewuchs in den Rohrleitungen zu verhindern. Die Umrüstung auf diese Technologie erwies sich jedoch als Fehlschlag, da das System technisch nicht die erforderliche Leistung erbrachte.
Für die Bundesrepublik Deutschland war der gescheiterte Versuch zudem mit finanziellen Belastungen verbunden: Die Umrüstung auf das Ultraschallverfahren verursachte Mehrkosten im niedrigen einstelligen Millionenbereich.
Durch den Ausfall der Ultraschalltechnik sahen sich das Land Niedersachsen und das Umweltministerium Hannover veranlasst, in Abstimmung mit der Betreibergesellschaft Deutsche Energy Terminal (DET) die Rückkehr zur chemischen Reinigung freizugeben.
Hohe Einleitmengen in die Jade genehmigt
Auf Grundlage der behördlichen Erlaubnis darf die Betreibergesellschaft DET die Leitungen nun wieder mit Chlor behandeln. Die Genehmigung gestattet es, aus dem Terminalschiff „Excelsior“ jährlich rund 170 Millionen Kubikmeter chlorhaltiges Prozesswasser in das Küstengewässer der Jade einzuleiten.
Die Genehmigung zur Chlorreinigung am zweiten LNG-Terminal Wilhelmshaven zeigt, wie schnell ein geplantes Alternativverfahren zum Kostenrisiko wird: Die Ultraschall-Umrüstung verursachte Mehrkosten im niedrigen einstelligen Millionenbereich, bevor die Behörden die Rückkehr zur chemischen Reinigung freigaben. Wer Biozid-Einleitungen genehmigen lassen muss, braucht einen belastbaren Fahrplan für Nachweise, Alternativprüfung und Umweltauflagen. Kostenlosen Compliance-Leitfaden für Biozid-Genehmigungen anfordern
Die chemische Reinigung dient dazu, Rohre und Wärmetauscher frei von biologischem Bewuchs wie Muscheln oder Seepocken zu halten, der den Betrieb der schwimmenden Regasifizierungseinheit beeinträchtigen könnte.
Umweltbedenken und juristischer Hintergrund
Gegen den Einsatz von Bioziden an den LNG-Terminals gibt es seit Längerem Widerstand von Umweltverbänden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte die vom NLWKN erteilte Genehmigung für die Chlorreinigung deutlich. Die Organisation äußerte erhebliche Sorgen vor Umweltschäden und nachteiligen Folgen für das Ökosystem der Jade durch das eingeleitete Chlorwasser.
Umweltverbände kritisieren die erteilte Chlor-Genehmigung für die Jade seit Langem — und das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage gegen das Terminal bereits 2024 abgewiesen. Für Betreiber heißt das: Der Betrieb läuft weiter, doch der juristische Druck bleibt. Wer seine Einleitmengen und Umweltauflagen heute dokumentiert, ist auf die nächste Prüfungswelle vorbereitet. Compliance-Audit Umweltauflagen jetzt anfordern
Juristisch war das Vorhaben bereits Gegenstand gerichtlicher Prüfungen: Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Jahr 2024 eine Klage der Deutschen Umwelthilfe im Zusammenhang mit dem Terminal abgewiesen. Mit der nun erteilten Erlaubnis zur Einleitung des chlorhaltigen Prozesswassers kann der Betreiber die Anlage trotz der anhaltenden Bedenken von Umweltschützern weiter betreiben.
