Etwa die HÀlfte der BeschÀftigten mit Tarifvertrag
21.03.2025 - 08:59:38Knapp die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten in Deutschland arbeitet in einem Betrieb, in dem ein Branchen- oder Firmentarifvertrag gilt. Mit 49 Prozent aller BeschĂ€ftigten in einem tarifgebundenen Betrieb blieb die Tarifbindung im Jahr 2024 im Vergleich zu den Vorjahren konstant, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.Â
Allerdings war die Quote frĂŒher deutlich höher: Bis Mitte der 1990er Jahre wurden nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung etwa 85 Prozent aller BeschĂ€ftigten nach einem Tarifvertrag bezahlt, den Gewerkschaften und ArbeitgeberverbĂ€nde ausgehandelt hatten.
Tarifbindung in einigen Branchen deutlich unterdurchschnittlich
Je nach Branche gibt es auch in der jĂŒngsten amtlichen Statistik deutliche Unterschiede: Die höchsten Tarifbindungsquoten stellen die Wiesbadener Statistiker erneut mit 100 Prozent im Ăffentlichen Dienst, bei der Verteidigung und den Sozialversicherungen fest. Ăberdurchschnittlich ist der Wert auch in der Energieversorgung (84 Prozent), im Bereich Erziehung (80 Prozent) sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (72 Prozent).
Der Wirtschaftsbereich mit der geringsten Tarifbindung im Jahr 2024 war Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (11Â Prozent). Vergleichsweise geringe Quoten gab es auch in den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung (20Â Prozent), GrundstĂŒcks- und Wohnungswesen (22Â Prozent) sowie im Gastgewerbe (23Â Prozent).
Im Vergleich der BundeslÀnder war der Statistik zufolge im vergangenen Jahr die Tarifbindung in Bremen (56 Prozent) am höchsten. Die geringste Tarifbindung wies demnach das Land Sachsen (42 Prozent) aus.
«Schlechtere Arbeitsbedingungen ohne Tarifvertrag»
Dass in vielen Dienstleistungsbranchen wie Handel oder Gastgewerbe nur noch eine Minderheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Tarifvertrag profitieren, sieht WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten mit Sorge: «Ohne TarifvertrĂ€ge verdienen die BeschĂ€ftigten deutlich weniger, arbeiten erheblich lĂ€nger und haben insgesamt schlechtere Arbeitsbedingungen.»Â
Eine im April 2024 veröffentlichte WSI-Studie kam zu dem Schluss, dass VollzeitbeschĂ€ftigte in tariflosen Betrieben im Mittel wöchentlich 53 Minuten lĂ€nger arbeiten und trotzdem gut 10 Prozent weniger verdienen als BeschĂ€ftigte in Betrieben mit Tarifbindung. Von einer kĂŒnftigen Bundesregierung fordert WSI-Forscher Schulten gesetzliche Regelungen fĂŒr mehr Tarifbindung.


