Lohnlücke, Staat

Lohnlücke kostet Staat 9 Milliarden Euro jährlich

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 23:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die unbereinigte Lohnlücke von 16% kostet Frauen monatlich 366 Euro netto und entgeht dem Staat mit 9 Milliarden Euro an Einnahmen.

Gender Pay Gap: Lohnunterschiede belasten Staat und Gesellschaft
Zwei unterschiedlich hohe Balkendiagramme vor einem Hintergrund mit Finanzdokumenten, die den Gender Pay Gap symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders bitter: Selbst ein Jobwechsel bringt Frauen prozentual geringere Gehaltssteigerungen als Männern.

9 Milliarden Euro mehr für den Staat

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat heute neue Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie sehr die Einkommensschere der gesamten Gesellschaft schadet. Würde die unbereinigte Lohnlücke von rund 16 Prozent komplett verschwinden, hätten Frauen monatlich durchschnittlich 366 Euro netto mehr in der Tasche. Der Staat würde zusätzlich 9 Milliarden Euro an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen einnehmen.

Selbst bei der bereinigten Lücke von 10,2 Prozent wären es immerhin 221 Euro netto mehr pro Monat – und 5,4 Milliarden Euro mehr für den Staatshaushalt. ÖGB-Präsident Katzian betont: „Eine faire Bezahlung kommt nicht nur den Betroffenen zugute, sondern der gesamten Gesellschaft." Die Berechnungen basieren auf Daten des Mikrozensus 2024 für die Altersgruppe 20 bis 59 Jahre.

EU-Richtlinie: Frist abgelaufen, Umsetzung stockt

Eigentlich sollte die EU-Entgelttransparenzrichtlinie längst in nationales Recht gegossen sein. Die Frist lief am 7. Juni ab. Sozialministerin Schumann legte zwar einen Entwurf vor – doch der stößt auf heftigen Widerstand.

WKÖ-Generalsekretär Danninger kritisierte die Richtlinie heute als zu bürokratisch. Höhere Berichtspflichten schließen die Lohnschere nicht, sagt er. Stattdessen verweist er auf die hohe Kollektivvertragsabdeckung von 98 Prozent in Österreich. Sein Rezept: strukturelle Verbesserungen, vor allem beim Ausbau der Kinderbetreuung. Denn die wahren Ursachen des Gender Pay Gaps liegen in der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit.

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Arbeitsmarkt in Schieflage

Die neuesten AMS-Zahlen für Juni zeigen ein gespaltenes Bild. Insgesamt waren 368.948 Menschen arbeitslos oder in Schulung – ein Plus von 1,2 Prozent zum Vorjahr. Doch hinter dieser Zahl steckt eine alarmierende Entwicklung: Die Frauenarbeitslosigkeit stieg um 5,9 Prozent auf rund 139.000. Bei den Männern sank sie dagegen um 0,5 Prozent.

Gleichzeitig verändern sich die Prioritäten der Beschäftigten. Laut Randstad Employer Brand Research 2026 ist Arbeitsplatzsicherheit für 58 Prozent das wichtigste Kriterium. Das Gehalt rutschte mit 50 Prozent erstmals auf Platz vier. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt. Auf Plattformen wie kununu bleibt das Gehalt in Bewertungen weiterhin das dominierende Thema.

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Was die Politik plant

Ein Koalitionspapier vom 2. Juli sieht neue Anreize für Jobwechsel vor. Ab 1. Januar 2027 soll es einen gestaffelten Steuerbonus auf Abfindungen bei schnellen Wechseln geben. Zudem sollen Arbeitsverhältnisse ab einem Jahreseinkommen von 177.450 Euro leichter auflösbar sein.

Konkrete Anpassungen gibt es bereits:
- Pflegebereich: Der Mindestlohn steigt ab Juli – betroffen sind rund 1,3 Millionen Beschäftigte
- Quereinsteiger: IT-Projektmanager verdienen im Schnitt 70.900 Euro, technische Berater 62.400 Euro
- Allgemeiner Mindestlohn: Liegt bei 13,90 Euro brutto pro Stunde (etwa 1.850 Euro netto monatlich)

Doch trotz aller Maßnahmen bleibt ein Problem bestehen: Frauen sind 2,5-mal häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Die Lohnunterschiede während des Erwerbslebens wirken bis ins hohe Alter nach.

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