Lohntransparenz, Firmen

Lohntransparenz: 79% der Firmen ignorieren EU-Richtlinie noch

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 07:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die meisten deutschen Unternehmen sind auf die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie nicht vorbereitet. Nur jede fünfte Firma hat sich intensiv mit den neuen Vorschriften befasst.

EU-Entgelttransparenz: Deutsche Firmen ignorieren neue Gehaltsregeln
Ein Tablet mit abstrakten Gehaltsdiagrammen und Wachstumsstatistiken auf einem modernen Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenz-Richtlinie ist seit Juni 2026 abgelaufen – doch die meisten deutschen Firmen sind nicht vorbereitet. Eine aktuelle Erhebung zeigt: Viele Betriebe haben die neuen Vorschriften noch nicht einmal auf dem Schirm.

Kaum Vorbereitung, große Skepsis

Die Bundesrepublik hat die Umsetzungsfrist zum 7. Juni 2026 verpasst. Ein nationales Gesetz wird nun für Anfang 2027 erwartet. Die Richtlinie bringt weitreichende Änderungen: Gehaltsspannen in Stellenanzeigen werden Pflicht, die Frage nach dem bisherigen Gehalt ist künftig tabu. Beschäftigte erhalten zudem umfassende Auskunftsrechte über die Gehaltsstrukturen in ihrem Unternehmen.

Laut dem aktuellen GBP-Monitor von Juli 2026 hat sich bisher nur jedes fünfte Unternehmen intensiv mit der Richtlinie befasst. Die Umfrage, begleitet von Wissenschaftlern der Universität Mannheim, zeigt: 26,8 Prozent der Befragten haben noch nie von der Richtlinie gehört. Weitere 52,2 Prozent haben sich nicht konkret damit beschäftigt.

Bürokratieangst statt Chancen

Besonders kritisch sehen viele Betriebe den erwarteten Verwaltungsaufwand. Rund 37,1 Prozent der Unternehmen rechnen mit mehr Bürokratie. Das Vertrauen in das Kernziel der Richtlinie ist gering: Nur 3,1 Prozent glauben, dass die Transparenzvorgaben den Gender Pay Gap tatsächlich verringern. Gerade einmal 6,7 Prozent planen eine aktive Überprüfung ihrer Gehaltsstrukturen.

Besonders auffällig ist das im Sozial- und Gesundheitswesen. Dort liegt der unbereinigte Gender Pay Gap bei rund 18 Prozent – die Absicht zur Strukturprüfung mit 5 Prozent jedoch besonders niedrig.

Hohe Risiken für Arbeitgeber

Juristen warnen: Bei nachgewiesener Lohndiskriminierung haben Arbeitnehmer Anspruch auf Nachzahlungen. Diese können im Regelfall für drei Jahre geltend gemacht werden, in bestimmten Fällen sogar bis zu zehn Jahre rückwirkend.

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Ab Juni 2027 greifen erste Berichtspflichten. Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern müssen jährlich berichten, Betriebe ab 100 Beschäftigten alle drei Jahre. Zum Vergleich: In Italien, wo die Umsetzung bereits erfolgt ist, gibt laut Deloitte-Erhebungen jedes zweite Unternehmen die Gehaltsspanne direkt in der Stellenanzeige an.

Arbeitsmarkt kühlt sich ab

Der Druck zur Transparenz trifft auf einen veränderten Arbeitsmarkt. Daten des Indeed Hiring Lab zeigen: Im zweiten Quartal 2026 sank die Zahl der Stellenanzeigen um 3,9 Prozent zum Vorquartal. Das Nominallohnwachstum fiel von 3,4 Prozent im März auf 2,8 Prozent im Juni. Inflationsbereinigt bleibt ein Reallohnplus von lediglich 0,2 bis 0,4 Prozent.

Der Fachkräftemangel bleibt dennoch ein Preistreiber – vor allem in der IT-Branche. Personalberater von Robert Half zählen rund 140.000 unbesetzte Stellen. IT-Consultants und Cloud-Spezialisten erzielen Jahresgehälter von durchschnittlich über 106.000 Euro.

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Recruiting-Qualität wird zum Wettbewerbsfaktor

In diesem Umfeld gewinnen effiziente Rekrutierungsprozesse an Bedeutung. Eine Untersuchung der Candidate Journey unter 517 deutschen Unternehmen kürte die Klüh Service Management GmbH für den Zeitraum 2025/26 zum Gesamtsieger im Bereich Recruiting-Qualität.

Branchenvertreter planen für den 9. November 2026 einen Fachkräfte-Summit in Stuttgart. Dort sollen Zukunftsforscher über notwendige Kompetenzen in einer sich wandelnden Regulierungslandschaft sprechen.

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