Lohnwachstum normalisiert sich: EZB erwartet 2,6% für 2026
17.06.2026 - 14:12:45 | boerse-global.de
Lag der Lohnanstieg 2024 noch bei 4,8 Prozent, meldet die Europäische Zentralbank für 2025 nur noch ein Plus von 3,0 Prozent. Die Zahlen bestätigen frühere Schätzungen aus dem Mai. Für Ökonomen ist das ein Zeichen der Stabilisierung.
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Die Lohnentwicklung gilt als entscheidender Treiber für die Inflation – besonders im Dienstleistungssektor.
Prognosen bis 2026
Für 2026 rechnet die EZB mit einem weiteren Rückgang auf 2,6 Prozent. Die detaillierte Auswertung zeigt unterschiedliche Dynamiken:
Bei den verhandelten Löhnen erwarten die Experten für 2025 ein Plus von 3,2 Prozent – unter Berücksichtigung geglätteter Einmalzahlungen. Für 2026 sinkt dieser Wert auf 2,3 Prozent. Ohne Glättung liegen die Erwartungen bei 3,0 Prozent für 2025 und 2,6 Prozent für das Folgejahr.
Die gesamte Vergütung je Arbeitnehmer im Euroraum soll 2026 um 3,2 Prozent steigen.
Regionale Unterschiede werden sichtbar
Eurostat legte am Dienstag Zahlen zu den stündlichen Arbeitskosten vor. Im ersten Quartal 2026 stiegen sie im Euroraum um 3,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum. In der gesamten EU fiel der Anstieg mit 3,6 Prozent etwas höher aus.
Die reinen Löhne und Gehälter legten im Euroraum um 3,4 Prozent zu, die Lohnnebenkosten um 2,9 Prozent.
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Besonders auffällig: Die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten sind enorm. Ungarn verzeichnete mit 16,4 Prozent den stärksten Zuwachs. Am unteren Ende liegen Malta mit 1,3 Prozent und Frankreich mit 1,8 Prozent.
EZB bleibt wachsam
Trotz der nachlassenden Dynamik hält die EZB an ihrer straffen Geldpolitik fest. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erklärte am Dienstag, die Notenbank werde weiterhin proaktiv gegen die Inflation vorgehen.
Der Leitzins liegt aktuell bei 2,25 Prozent. Die Inflationsrate betrug im Mai 3,2 Prozent – deutlich über dem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent.
Das Basisszenario der EZB sieht vor: Die Inflation sinkt 2026 auf 3,0 Prozent, 2027 auf 2,3 Prozent und erreicht 2028 schließlich 2,0 Prozent.
EZB-Ratsmitglied Gediminas Šimkus betonte am Mittwoch, er erwarte mindestens eine weitere Zinserhöhung. Die Energiepreise seien zwar nach einem US-Iran-Abkommen gefallen, lägen aber weiterhin über dem vorkriegsniveau.
Industrie leidet unter Lohnstückkosten
Besonders deutlich werden die Auswirkungen in spezifischen Branchen. Vertreter der österreichischen Papierverarbeiter (PROPAK) wiesen am Montag auf massive Standortnachteile hin.
Einer Studie von EcoAustria zufolge stiegen die Lohnstückkosten in diesem Sektor zwischen 2017 und 2025 um 37 Prozent. Der Durchschnitt im Euroraum lag bei 27 Prozent.
Die Produktivität stieg in Österreichs Papierindustrie im gleichen Zeitraum nur um 4 Prozent. Polen verzeichnete dagegen ein Plus von 25 Prozent.
Die Folge: Der Marktanteil der österreichischen Papierverarbeiter in Deutschland fiel von 10,3 Prozent (2017) auf 8 Prozent (2024). Für 2026 erwartet die Branche maximal flaches Wachstum.
