M+E Tarifrunde 2026: Streit um 35-Stunden-Woche eskaliert
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Vorbereitungen auf die Tarifrunde 2026 in der Metall- und Elektroindustrie gewinnen an Kontur. Die Arbeitgeberverbände bayme vbm haben über das ServiceCenter Tarif die Zeitschiene für die betrieblichen Akteure aktualisiert. Während die formalen Eckpunkte für den Herbst 2026 feststehen, zeichnet sich bereits jetzt eine intensive Auseinandersetzung über die Flexibilisierung der Arbeitszeit und die Zukunft der 35-Stunden-Woche ab.
Zeitplan für Forderungen und Verhandlungen fixiert
Der Fahrplan für die kommenden Monate sieht vor, dass die IG Metall ihre konkreten Forderungen für die M+E Tarifrunde im September 2026 bekannt geben wird. Die offiziellen Verhandlungen zwischen den Tarifparteien sollen im Oktober 2026 beginnen. Zur Vorbereitung auf die regionalen Besonderheiten und den Austausch mit den Mitgliedsunternehmen hat der Verband bayme vbm zudem bereits Termine für das vierte Quartal avisiert. So ist für den 30. November 2026 eine Regionalversammlung in Unterfranken geplant.
Bereits in den vergangenen Wochen wurden wichtige regulatorische und informative Grundlagen bereitgestellt. Dazu gehört die Veröffentlichung des Verzeichnisses allgemeinverbindlicher Tarifverträge durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit Stand vom 1. Juli 2026 sowie Informationen zur siebten Verordnung über die Lohnuntergrenze in der Arbeitnehmerüberlassung.
Druck auf die 35-Stunden-Woche nimmt zu
Ein zentraler Konfliktpunkt der kommenden Verhandlungen dürfte die Arbeitszeitgestaltung sein. Nach Angaben der IG Metall gab es im Jahr 2025 allein in Baden-Württemberg 300 Abweichungen vom geltenden Tarifvertrag – dies entspricht einer Steigerung um 50 Fälle im Vergleich zum Vorjahr 2024. Die Gewerkschaft befürchtet angesichts dieser Entwicklung einen zunehmenden Angriff auf die 35-Stunden-Woche.
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Namhafte Unternehmen der Branche drängen bereits auf längere Arbeitszeiten oder nutzen Ausnahmeregelungen. So fordert Mercedes eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und begründet dies mit einer mangelnden Auslastung der Werke. Beim Schienenfahrzeughersteller Stadler in Berlin wurde eine befristete Erhöhung auf 40 Stunden vereinbart; eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche ist dort erst für die 2030er Jahre vorgesehen. Auch bei Aumovio wurde die wöchentliche Arbeitszeit an den Standorten Ingolstadt und Villingen-Schwenningen von 35 auf 38 Stunden angehoben.
Betriebliche Restrukturierungen und Standortsicherung
Die wirtschaftliche Anspannung in der Branche spiegelt sich auch in unterschiedlichen Vereinbarungen zur Standortsicherung wider. Beim Automobilzulieferer Mahle zeigen sich dabei deutliche regionale Unterschiede:
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Am Standort Stuttgart konnten sich die Betriebspartner auf eine Senkung von Einmalzahlungen und eine Verschiebung der Entgelterhöhung einigen. Im Gegenzug wurde ein Kündigungsschutz bis zum Jahr 2029 vereinbart. Für das Werk in Neustadt hingegen wurde die Schließung beschlossen. Die dort betroffenen 400 Mitarbeiter stehen vor einem Standort-Aus, da die Produktion in die Slowakei verlagert werden soll.
Erweiterung der Verbandsaktivitäten
Parallel zur Tarifpolitik passen die Arbeitgeberverbände ihr Portfolio an die veränderte weltpolitische Lage an. Seit dem 6. Juli 2026 führt bayme vbm das neue Geschäftsfeld Verteidigungswirtschaft, um den spezifischen Anforderungen dieser Sparte gerecht zu werden.
Zudem stehen im Herbst weitere Fachveranstaltungen auf der Agenda, darunter ein Kongress zur Digitalisierung im Steuerwesen am 6. Oktober 2026 sowie das Forum Ausbildung in Schwaben am 8. Oktober 2026. Diese Termine unterstreichen die Bemühungen der Branche, neben den tariflichen Kernfragen auch strukturelle Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und die digitale Transformation zu adressieren.
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