Madrid: 87-jährige Maricarmen Abascal stirbt zwei Wochen nach Zwangsräumung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 23:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Wochen nach ihrer Zwangsräumung ist die 87-jährige Maricarmen Abascal im Hospital Gregorio Marañón in Madrid gestorben. Wie der Mieterverband Sindicato de Inquilinas mitteilte, erlag die Seniorin den Folgen ihres geschwächten Zustands. Sie war unmittelbar nach dem Polizeieinsatz am 23. September 2026 wegen schwerer Erschöpfung in die Klinik eingeliefert worden und befand sich seither in stationärer Behandlung.
Der Fall hatte landesweit Bestürzung und heftige Proteste ausgelöst. Abascal hatte über 70 Jahre lang in ihrer Wohnung im Madrider Distrikt Retiro gelebt. Im Jahr 1956 war sie als 17-Jährige gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder in das Gebäude in der Calle Alcalde Sainz de Baranda gezogen.
Ihr Vater hatte damals einen Mietvertrag unter dem früheren Modell der sogenannten Renta antigua abgeschlossen. Nach seinem Tod im Jahr 1960 ging der Vertrag zunächst auf die Mutter über und wurde im Jahr 2005 auf Abascal übertragen.
Streit um Altvertrag und rechtliche Grenzen
Die rechtliche Auseinandersetzung begann, nachdem die Immobilie im Jahr 2018 an die Investmentgesellschaft Urbagestión Desarrollo e Inversión SL übergegangen war. Die Seniorin zahlte zuletzt rund 570 Euro Monatsmiete.
Das Unternehmen forderte jedoch je nach Angabe 1.650 Euro oder 2.650 Euro monatlich beziehungsweise einen Kaufpreis von 247.000 Euro. Abascal bezog eine monatliche Rente von rund 1.300 bis 1.450 Euro bei Wohnkosten von rund 500 Euro im Monat. Sie wies einen anerkannten Behinderungsgrad von 50 Prozent sowie Mobilitätseinschränkungen auf.
Das spanische Mietrecht aus dem Jahr 1994 begrenzt Vertragsübernahmen grundsätzlich auf zwei Generationen und sieht Ausnahmen nur bei einem Behinderungsgrad von mehr als 65 Prozent vor. Nach mehreren Instanzen wies der Tribunal Supremo die letzte Beschwerde der Mieterin ab.
Der Fall einer 87-jährigen Mieterin in Madrid, die zwei Wochen nach ihrer Zwangsräumung starb, hat eine Debatte über Altmietverträge und Mieterrechte ausgelöst, die auch Investoren betrifft. Wer in Spanien in Bestandswohnungen investiert, sollte die Rechtslage bei Renta antigua und die politischen Risiken kennen, bevor er kauft oder räumt. Kostenlosen Leitfaden zu Renta antigua und Mieterrechten anfordern
Der Konflikt um den Auszug zog sich seit 2020 hin und mündete am 23. September 2026 im vierten Räumungsversuch. Bei dem von Zwischenfällen begleiteten Einsatz der Policía Nacional verließ Abascal das Gebäude auf einer Trage, nachdem Nachbarn sie am Vorabend im Rollstuhl vor rund 500 Demonstrierenden sechs Stockwerke hinuntergetragen hatten.
Politische Reaktionen und Streit um Wohnungsdekrete
Zwar einigte sich das Unternehmen am 28. September 2026 in einer Mediation bei der städtischen Wohnungsgesellschaft EMVS mit Abascals Anwältin Beatriz Duro auf eine Rückkehr zu einer an ihr Einkommen angepassten Miete von rund 435 Euro monatlich. Der Verband Sindicato de Inquilinas bezeichnete die Einigung als historisch, aber verspätet.
Abascal konnte den Vertrag vor ihrem Tod nicht mehr unterzeichnen. Nach Angaben der EMVS entfällt die Vereinbarung damit, und die Eigentümerin kann wieder frei über die Wohnung verfügen. Die Seniorin hinterlässt keine Kinder oder Partner; sie wurde zuletzt von ihrem Cousin Vicente und dessen Frau unterstützt.
Nach der Räumung protestierten in Madrid über 10.000 Menschen unter dem Slogan gegen weitere Zwangsräumungen, begleitet von Kundgebungen in Barcelona, Valencia und Sevilla sowie einem Protestcamp an der Puerta del Sol. Nach Angaben des Immobilienportals Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien binnen zehn Jahren fast verdoppelt.
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Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach der Familie sein Beileid aus, während Gesundheitsministerin Mónica García den gesellschaftlichen Widerhall des Falls hervorhob. Zwei Regierungsdekrete zum Mieterschutz mit einem Räumungsmoratorium bis 2030 waren am 2. Oktober 2026 im Parlament gescheitert, woraufhin Sánchez vorgezogene Neuwahlen für den 29. November ankündigte.
Nach einem erneuten Kabinettsbeschluss sollen die Maßnahmen am 16. Oktober in der Diputación Permanente beraten werden. Die Gewerkschaften UGT und CCOO riefen für den 11. November zu einem 24-stündigen Generalstreik auf.
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