Malerhandwerk, Ausbildungsvergütung

Malerhandwerk: Ausbildungsvergütung steigt ab August um 50 Euro

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 09:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tarifliche Ausbildungsvergütungen steigen 2025/26 um 3,9 Prozent, bleiben aber hinter dem Vorjahr zurück. Pflegeberufe zahlen am besten, viele Lehrstellen bleiben unbesetzt.

Ausbildungsvergütungen 2025/26: Plus von 3,9 Prozent, aber große Unterschiede
Ein Auszubildender bei der Arbeit mit einem Tablet in einer modernen Werkstatt, symbolisch für berufliche Bildung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die tariflichen Ausbildungsvergütungen in Deutschland verzeichnen für den Zeitraum 2025/26 ein durchschnittliches Plus von 3,9 Prozent. Damit schwächt sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr ab, in dem die Zuwächse noch bei 6,4 Prozent gelegen hatten. Nach einer aktuellen Analyse des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung liegen die Steigerungsraten der Auszubildenden damit jedoch weiterhin über denen der regulären Tarifbeschäftigten, für die im Jahr 2025 ein Plus von 2,6 Prozent und für 2026 schätzungsweise 3,1 Prozent erwartet wird.

Branchenvergleich: Erhebliche Disparitäten in der Bezahlung

Die Analyse verdeutlicht eine weite Spreizung der Vergütungssätze je nach Branche und Region. Die höchsten tariflichen Vergütungen im ersten Lehrjahr werden derzeit in den Pflegeberufen gezahlt. Im öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden erhalten Auszubildende in diesem Bereich 1.491 Euro, während es auf Länderebene 1.441 Euro sind. Ebenfalls an der Spitze stehen das Versicherungsgewerbe mit 1.455 Euro und das private Bankgewerbe mit 1.400 Euro pro Monat.

In der Industrie bewegen sich die Sätze im Mittelfeld. In der Metall- und Elektroindustrie erhalten Auszubildende im ersten Jahr je nach Region zwischen 1.272 Euro (Sachsen) und 1.304 Euro (Baden-Württemberg). In der Chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen beläuft sich die Vergütung auf 1.204 Euro. Am unteren Ende der Skala finden sich das Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen mit 785 Euro sowie die Landwirtschaft in derselben Region mit 890 Euro. Thorsten Schulten vom WSI wies darauf hin, dass nur noch wenige Branchen im ersten Lehrjahr unter der Marke von 1.000 Euro liegen und die meisten Tarife den Bafög-Höchstsatz übertreffen. Ohne Tarifbindung gilt häufig lediglich die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von 724 Euro.

Für spezifische Gewerke wurden kurzfristige Anpassungen vereinbart. So steigen im Malerhandwerk ab dem 1. August 2026 die monatlichen Bezüge um jeweils 50 Euro pro Ausbildungsjahr, womit im ersten Jahr 900 Euro erreicht werden. Auch im klinischen Bereich gibt es regionale Einigungen: In Krankenhäusern der GLG-Gruppe in Brandenburg erhalten rund 300 Auszubildende nach einer Tarifeinigung mit der Gewerkschaft Verdi ab sofort 175 Euro mehr pro Monat.

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Strukturwandel und unbesetzte Lehrstellen

Trotz steigender Vergütungen bleibt die Besetzung freier Stellen eine zentrale Herausforderung für die Wirtschaft. Laut der aktuellen Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 14.000 Unternehmen kann fast jede zweite Lehrstelle nicht besetzt werden. Besonders betroffen sind die Industrie (59 Prozent), der Verkehrssektor (55 Prozent) sowie Bau und Handel (je 53 Prozent). Als Hauptgrund nannten zwei Drittel der betroffenen Betriebe einen Mangel an geeigneten Bewerbern.

Die Unternehmen berichten verstärkt von Defiziten bei sozialen Kompetenzen und kognitiven Grundfertigkeiten. Vier von zehn Betrieben bemängeln Kenntnisse in Mathematik und Deutsch. In der Folge finanzieren drei Viertel der Unternehmen Nachhilfeangebote für ihre Auszubildenden. Parallel dazu ist ein Strukturwandel in der Ausbildungslandschaft erkennbar: Während der Anteil der Auszubildenden in Kleinstbetrieben mit bis zu neun Beschäftigten seit 2011 massiv von 20,6 Prozent auf zuletzt 13,4 Prozent sank, konzentriert sich die Ausbildung zunehmend auf Großbetriebe. Diese stellen inzwischen 32,2 Prozent der Ausbildungsplätze.

Hohe Abbruchquoten und regionale Trends

Ein weiteres Problem für den Arbeitsmarkt stellt die Vertragslösungsquote dar, die im Jahr 2025 mit 29,7 Prozent ein Rekordniveau erreichte. Ein Drittel dieser Lösungen erfolgt bereits während der Probezeit. Eine Expertin für Ausbildungstraining führt dies oft auf mangelnde Abstimmung der Erwartungen und Defizite in der zwischenmenschlichen Kommunikation zurück.

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Regional zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. In Niedersachsen konnten laut IHK-Angaben nur 53,4 Prozent der Betriebe alle Plätze besetzen. IHK-Hauptgeschäftsführerin Monika Scherf konstatierte, dass junge Menschen oft in einem zu engen regionalen und beruflichen Radius suchten. Im Gegensatz dazu verzeichnete das Handwerk in Ostbrandenburg einen Zuwachs an Neuverträgen. Handwerkspräsident Jörg Dittrich erklärte diese Entwicklung unter anderem mit einer gewissen Skepsis junger Menschen gegenüber Künstlicher Intelligenz, da handwerkliche Tätigkeiten wie die Montage von Wärmepumpen physisch vor Ort erbracht werden müssen und nicht automatisierbar seien.

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