Arriva-Verkauf, Auslandstochter

Arriva-Verkauf offiziell: Bahn verĂ€ußert Auslandstochter

19.10.2023 - 10:11:37

Manche der roten Londoner Doppelstockbusse sollen kĂŒnftig kein Teil der Deutschen Bahn mehr sein. Der bundeseigene Konzern trennt sich von seiner in Europa tĂ€tigen Nahverkehrstochter.

Die Deutsche Bahn verkauft ihre Auslandstochter Arriva. Alle verbliebenen Teile des Unternehmens wĂŒrden vollstĂ€ndig an den US-Infrastruktur-Investor I Squared Capital verĂ€ußert, teilte die Bahn am Donnerstag in Berlin mit. Ein Kaufvertrag sei in der Nacht auf Donnerstag unterzeichnet worden. Die Transaktion soll im Laufe des Jahres 2024 abgeschlossen werden. Zuvor mĂŒssten noch der Konzernaufsichtsrat und der Bund als EigentĂŒmer dem Verkauf zustimmen. Arriva betreibt Busse und ZĂŒge in Großbritannien sowie in zehn weiteren europĂ€ischen MĂ€rkten.

Medienberichten zufolge zahlt der auf Infrastrukturprojekte spezialisierte Investor rund 1,6 Milliarden Euro fĂŒr Arriva. Die Bahn kommentierte den Betrag zunĂ€chst nicht. Sie hatte Arriva im Jahr 2010 inklusive Schulden fĂŒr rund 2,7 Milliarden Euro ĂŒbernommen.

Die Tochter ist nach wie vor mit rund einer Milliarde Euro verschuldet - Verpflichtungen, die nun auf den neuen EigentĂŒmer ĂŒbergehen. Zudem hĂ€tte die Bahn in den kommenden Jahren hohe Summen in die Elektrifizierung der Arriva-Busflotten sowie die generelle Sanierung des Unternehmens stecken mĂŒssen. Geld, das nun fĂŒr das KerngeschĂ€ft der Bahn verwendet werden soll.

«Das strategische Ziel der Deutschen Bahn ist es, Rekordinvestitionen in den umweltfreundlichen Schienenverkehr im deutschen KerngeschÀft zu tÀtigen», teilte Finanzvorstand Levin Holle mit. «Somit steht der unterzeichnete Kaufvertrag im Sinne der Starken Schiene.»

Betreiber der roten Doppelstockbusse

Arriva gehört unter anderem zu den Betreibern der roten Doppelstockbusse in Englands Hauptstadt London. Gekauft hatte die Bahn das Unternehmen unter dem damaligen Bahnchef RĂŒdiger Grube. Schon damals stieß die Transaktion auf breite Kritik: Der GrĂŒnen-Politiker Anton Hofreiter sprach 2010 von «GrĂ¶ĂŸenwahn».

Anstatt weiter ins Ausland zu expandieren, solle sich die Bahn lieber aufs Schienen-KerngeschÀft in Deutschland konzentrieren, lautete die bis heute andauernde Kritik. TatsÀchlich sucht der Konzern bereits seit Jahren nach Möglichkeiten, Arriva loszuwerden. Auch ein Börsengang stand zwischenzeitlich zur Disposition.

Sonderabschreibung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro

Kaufinteressenten waren allerdings rar gesĂ€t. Arriva galt lange als wenig attraktive Investition. Insbesondere wĂ€hrend der Corona-Pandemie hatte die Auslandstochter wirtschaftlich schwer gelitten. Eine Sonderabschreibung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2020 trug maßgeblich zu den PandemieschĂ€den des Gesamtkonzerns bei. Die Bahn tauschte daraufhin den damaligen Arriva-Chef Manfred Rudhard aus.

Seither hat sich die Tochter wieder einigermaßen erholt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres machte Arriva einen operativen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 43 Millionen Euro. Zuletzt richtete sich das Unternehmen stĂ€rker auf seine KernmĂ€rkte aus und trennte sich in den vergangenen Jahren bereits von AktivitĂ€ten unter anderem in Schweden, Portugal, DĂ€nemark, Serbien und Polen.

Arriva und Schenker stehen fĂŒr eine Zeit, in der die Bahn mit milliardenschweren ZukĂ€ufen unter Bahnchef Hartmut Mehdorn und seinem Nachfolger RĂŒdiger Grube versuchte, zum weltweiten Logistik- und Verkehrskonzern, einem Global Player, aufzusteigen.

@ dpa.de