Vogelgrippe, Deutschland

Vogelgrippe breitet sich aus – Stallpflicht greift

29.10.2025 - 15:26:27 | dpa.de

Mehr als 500.000 Tiere wurden bereits getötet, doch die Vogelgrippe breitet sich weiter aus. Wie reagieren Betriebe und Behörden auf die aktuellen AusbrĂŒche?

  • UnzĂ€hlige GĂ€nse und Enten mussten aufgrund des Vogelgrippe-Ausbruchs in Agrarbetrieben getötet werden.  (Archivbild) - Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
    UnzÀhlige GÀnse und Enten mussten aufgrund des Vogelgrippe-Ausbruchs in Agrarbetrieben getötet werden. (Archivbild) - Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
  • UnzĂ€hlige GĂ€nse und Enten mussten aufgrund des Vogelgrippe-Ausbruchs in Agrarbetrieben bereits getötet werden.  (Archivbild) - Foto: Christophe Gateau/dpa
    UnzÀhlige GÀnse und Enten mussten aufgrund des Vogelgrippe-Ausbruchs in Agrarbetrieben bereits getötet werden. (Archivbild) - Foto: Christophe Gateau/dpa
  • Die GeflĂŒgelpest versetzt Behörden und Landwirte in Alarmbereitschaft. (Archibbild) - Foto: Matthias Bein/dpa
    Die GeflĂŒgelpest versetzt Behörden und Landwirte in Alarmbereitschaft. (Archibbild) - Foto: Matthias Bein/dpa
  • Brandenburgs Agrarministerin Hanka MittelstĂ€dt und Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (beide SPD) sprechen von einer besorgniserregenden Situation. - Foto: Carsten Koall/dpa
    Brandenburgs Agrarministerin Hanka MittelstÀdt und Brandenburgs MinisterprÀsident Dietmar Woidke (beide SPD) sprechen von einer besorgniserregenden Situation. - Foto: Carsten Koall/dpa
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Die GeflĂŒgelpest greift in Deutschland auf immer mehr Agrarbetriebe ĂŒber und vielerorts gilt eine Stallpflicht fĂŒr Enten, GĂ€nse & Co. Als erstes Bundesland reagierte das Saarland mit der strikten Schutzmaßnahme, so dass Landwirte ihr GeflĂŒgel nicht mehr im Freien halten dĂŒrfen. Kurze Zeit darauf zog auch Hamburg nach.

Auch fast ĂŒberall in Brandenburg mĂŒssen die Tiere nach einer Anordnung der Landkreise in den Stall oder unter abgedeckte Schutzvorrichtungen. Oberstes Ziel: Das GeflĂŒgel soll so nicht in Kontakt mit Wildvögeln kommen. 

Die GeflĂŒgelbranche machte sich bereits vor Tagen fĂŒr ein bundesweites «Aufstallungsgebot» stark, das bislang nicht in Sicht ist. «Wir plĂ€dieren fĂŒr ein einheitliches, risikobasiertes Vorgehen, um die Tiergesundheit und die Versorgungssicherheit zu gewĂ€hrleisten. Abwarten ist keine Option», teilte der Zentralverband der Deutschen GeflĂŒgelwirtschaft auf Anfrage mit.

TĂ€glich neue Vogelgrippe-AusbrĂŒche in GeflĂŒgelbetrieben

Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald mitteilte, stieg die Zahl der seit Anfang September erfassten Vogelgrippe-AusbrĂŒche in kommerziellen GeflĂŒgelhaltungen bundesweit auf 35. TĂ€glich wĂŒrden neue FĂ€lle gemeldet, das Infektionsgeschehen sei weiterhin sehr dynamisch, sagte eine Sprecherin des Instituts fĂŒr Tiergesundheit. 

Besonders betroffen sind weiterhin Betriebe in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Zahl der vorsorglich getöteten Tiere liege bundesweit inzwischen deutlich ĂŒber 500.000. Um die Ausbreitung der GeflĂŒgelpest einzudĂ€mmen, werden HĂŒhner, Enten, GĂ€nse und Puten in den betroffenen Betrieben gekeult und entsorgt. 

In Brandenburg sind es bislang nach Ministeriumsangaben um die 155.000 getötete Tiere - so schlimm war das Ausmaß bislang nur im Jahr 2016/2017. Sieben Betriebe sind in dem Bundesland von einem Ausbruch der Tierseuche betroffen. Die Vogelgrippe, auch GeflĂŒgelpest genannt, ist eine hochansteckende und bei vielen Vogel- und GeflĂŒgelarten rasch tödlich verlaufende Infektionskrankheit. 

Saarland und Hamburg reagieren mit Stallpflicht

Nach Angaben des Loeffler-Instituts grassiert die GeflĂŒgelpest weiterhin auch unter Wildvögeln. Bei rund 160 eingesandten Tierkadavern sei im Labor das Virus H5N1 festgestellt worden. Die Zahl der verendeten Tiere sei um ein Vielfaches höher. Vor allem unter Kranichen hatte die Vogelgrippe ein Massensterben ausgelöst. Allein im Nordwesten Brandenburgs wurden laut Agrarministerium um die 2.000 Kadaver eingesammelt. 

Im kleinen Saarland gibt es derzeit einen bestĂ€tigten Fall eines Wildvogels, der an der H5N1-Variante des hochansteckenden GeflĂŒgelgrippe-Virus erkrankt ist. Hinzu kommen fĂŒnf weitere noch nicht bestĂ€tigte Nachweise. Dennoch verhĂ€ngte das Land eine allgemeine Stallpflicht. Bei VerstĂ¶ĂŸen können nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Bußgelder von bis zu 30.000 Euro verhĂ€ngt werden.

In Hamburg gilt wegen der GeflĂŒgelpest ab Freitag ebenfalls eine Stallpflicht, wie die Verbraucherschutzbehörde mitteilte. Die Hansestadt zĂ€hlt bisher drei festgestellte FĂ€lle von GeflĂŒgelpest bei Wildvögeln und 14 VerdachtsfĂ€lle bei Wildvögeln. 

Landwirt: «Sicher ist sicher»

Gerhard Lorson hat seinen Stall bereits zugemacht. «Sicher ist sicher», sagte der Halter von rund 15.000 HĂŒhnern im saarlĂ€ndischen Wadgassen-Differten. Keiner wolle, dass ein infizierter Kranich auf seinem GelĂ€nde lande - und man dann seine Tiere töten mĂŒsse. 

«Bei uns fliegen auch die Zugvögel drĂŒber und wenn man sie nachts hört, dann zuckt man schon zusammen», sagte Lorson. Normalerweise habe er rund 6.000 Tiere im Freilaufgehege. Sie könnten aber weiterhin in den «Wintergarten» im Stall - mit Dach und Zaun. «Da können sie genug bei frischer Luft rennen», sagte Lorson. 

Zur Stallpflicht gibt es aber auch kritischere Stimmen: «Eine Stallpflicht fĂŒr im Freiland lebende GĂ€nse und Enten ist sicherlich eine nachvollziehbare Maßnahme, aus Sicht des Tierschutzes jedoch problematisch einzustufen», sagte Landwirt Malte Voigts aus Brandenburg, der auf Freilandhaltung setzt. 

Brandenburg setzt bei Stallpflicht auf Entscheidung der Landkreise

Das Land Brandenburg setzt vorerst auf Freiwilligkeit der Landkreise und deren Risiko-EinschÀtzung - bislang haben 13 von 14 Kreise die Stallpflicht verhÀngt. In einem Landkreis war bisher kein Ausbruch festgestellt worden. Eine Stallpflicht-Anordnung des Landes bezeichnete die Agrarministerin Hanka MittelstÀdt als «nÀchste Eskalationsstufe». 

Landwirt klagt ĂŒber Ertragsausfall 

Der wirtschaftliche Schaden, der Agrarbetrieben durch die Tötung ihres GeflĂŒgels entsteht, lĂ€sst sich insgesamt nur schwer abschĂ€tzen. Ein Teil des Schadens ersetzt die Tierseuchenkasse. «Eine Existenzbedrohung fĂŒr Betriebe darf es nicht geben», mahnte Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD).

Landwirt Voigts aus Brandenburg nennt einen Ertragsausfall von etwa 730.000 Euro. Der Betrieb musste 5.000 GĂ€nse und 3.600 Enten töten lassen. Der Verlust sei auch durch die EntschĂ€digung nicht ganz wettzumachen, da der Hof spĂ€testens zum traditionellen Martinsgans-Essen bis ĂŒber Weihnachten vom GeschĂ€ft rund um das GeflĂŒgel geprĂ€gt sei. In einem anderen Landkreis in Brandenburg waren zwei Großbetriebe betroffen: Rund 130.000 Enten und MasthĂ€hnchen wurden gekeult. 

Kontroverse und auch VorwĂŒrfe an GeflĂŒgelwirtschaft 

Von Naturschutz-Organisationen werden nun auch VorwĂŒrfe an die GeflĂŒgelwirtschaft laut. Der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz (BUND) in Brandenburg schrieb in einer Mitteilung: «Nicht die Wildvögel sind die Ursache des verheerenden Ausbruchs der Vogelgrippe in Brandenburg, sondern die Massentierhaltung von GeflĂŒgel.» Mist und Kot der Tiere wĂŒrden unbehandelt auf Felder ausgebracht. Rastende Kraniche hielten sich zur Nahrungssuche auf diesen FlĂ€chen auf und infizierten andere Tiere, lautet ein Vorwurf. 

Der Zentralverband der Deutschen GeflĂŒgelwirtschaft teilte auf Anfrage mit: «Eine pauschale Schuldzuweisung an die Branche entbehrt jeder fachlichen Grundlage.» Die wissenschaftliche Datenlage sei eindeutig: Wildvögel, insbesondere Wasservögel, seien «das natĂŒrliche Reservoir» fĂŒr Vogelgrippe-Viren.

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