Jeder dritte Wohnhaushalt bei Mietkosten ĂŒberfordert
29.06.2023 - 15:20:55In Deutschland ist etwa jeder dritte Miethaushalt einer Studie zufolge bei den Wohnkosten ĂŒberlastet. Mehr als drei Millionen Haushalte zahlen fĂŒr Kaltmiete und Heizkosten mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens, wie aus der vom Mieterbund am Donnerstag in Berlin vorgestellten Erhebung hervorgeht. Bei weiteren rund 4,3 Millionen Haushalten machten diese Kosten zwischen 30 und 40 Prozent des Einkommens aus. In der am geringsten verdienenden untersuchten Gruppe zahlten demnach sogar fast zwei Drittel der Befragten zum Teil deutlich mehr als 30 Prozent ihres Einkommens fĂŒr Miete und WĂ€rme.
Als ĂŒberlastet gelten Mieterinnen und Mieter, wenn sie mehr als 30 Prozent ihres Einkommens fĂŒr Wohnkosten ausgeben mĂŒssen. Der Mieterbund geht von insgesamt 21 Millionen Haushalten in Deutschland aus, in denen Menschen zur Miete leben.
Steigende Heizkosten treffen die Ărmeren stark
«Insbesondere die Belastung durch WĂ€rmekosten ist in den unteren Einkommensklassen besonders stark gestiegen», sagte Franz Michel, Leiter fĂŒr Wohnen und Mietenpolitik beim DMB. Der Anteil der WĂ€rmeausgaben am Nettoeinkommen hat sich der Studie zufolge in der untersten Einkommensgruppe zwischen 2021 und 2022 auf rund 8 Prozent nahezu verdoppelt. Hinzu kommt, dass Menschen mit niedrigerem Verdienst hĂ€ufiger in Wohnungen mit fossilen Heizsystemen leben. Sie waren im vergangenen Jahr deshalb hĂ€ufiger von steigenden Gaspreisen betroffen.
Die Untersuchung hat das Ăko-Institut im Auftrag des Mieterbunds durchgefĂŒhrt. Datengrundlage war die sogenannte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe aus dem Jahr 2018. Alle fĂŒnf Jahre befragt dabei das Statistische Bundesamt rund 60 000 Haushalte zu ihren Einkommens- und Verbrauchsmustern. Alle Daten wurden anhand verschiedener Indizes hochgerechnet auf die Jahre 2021 und 2022. Die Studie gilt als statistisch reprĂ€sentativ fĂŒr ganz Deutschland.
Demnach gibt es in Deutschland rund 21 Millionen Mieterhaushalte. Nahezu die HÀlfte von ihnen - rund zehn Millionen - zÀhlen der Studie zufolge zu den untersten drei von zehn untersuchten Einkommensklassen. Hier verdienen die Mieterinnen und Mieter im Durchschnitt zwischen 1190 und 2355 Euro netto. Je niedriger das Einkommen, umso Àlter sind die bewohnten GebÀude und umso schlechter sind sie energetisch saniert.
Sanierungen werden zur Herausforderung
«Bei diesen GebĂ€uden ist der Sanierungsbedarf am gröĂten, aber auch der Hebel, um Co2 einzusparen», sagte DMB-Bundesdirektorin Melanie Weber-Moritz, am Donnerstag. Warmmietenneutral mĂŒssten diese Sanierugen durchgefĂŒhrt werden, fordert der Verband. Modernisierungen dĂŒrfen demnach nicht dazu fĂŒhren, dass sich die Mietkosten fĂŒr Mieterinnen und Mieter nach einer Sanierung erhöhen.
Ein Steuerungsinstrument ist dabei aus Sicht des DMB die sogenannte Modernisierungsumlage. Sie sieht vor, dass Vermieter bis zu acht Prozent der Kosten fĂŒr Modernisierungen auf ihre Mieterinnen und Mieter umlegen können. Der DMB fordert unter anderem, dass dieser Anteil mindestens um die HĂ€lfte reduziert wird. Zudem soll es eine Kappungsgrenze von 1,50 Euro Mieterhöhung pro Quadratmeter geben.
Das neue GebĂ€udeenergiegesetz der Bundesregierung gehe dabei in eine richtige Richtung, sei aber nicht weitreichend genug, betonte Weber-Moritz. Das Gesetz sieht demnach eine weitere Modernisierungsumlage vor, die sich nur auf den Heizungstausch bezieht. Sie liegt bei 10 Prozent der Kosten, gibt aber eine Kappungsgrenze von 50 Cent pro Quadratmeter vor, die maximal umgelegt werden dĂŒrfen. «Immerhin wird es an der Stelle nicht zu einer Verschlechterung fĂŒr die Mieter kommen», sagt Weber-Moritz.
Vermieter:Â Der Sozialstaat muss einspringen
Aus Sicht der EigentĂŒmer sind MietrechtsĂ€nderungen indes nicht der richtige Weg, um die Belastungen fĂŒr Mieterinnen und Mieter einzudĂ€mmen. «Von hohen Wohnkosten sind bekanntermaĂen nur drei Gruppen belastet: Studierende, Rentner und Alleinerziehende», teilte der PrĂ€sident des EigentĂŒmerverbands Haus und Grund, Kai Warnecke, am Donnerstag mit. «Diese wirksam zu unterstĂŒtzen, ist Aufgabe des Sozialstaats â beispielsweise ĂŒber das Wohngeld.»


