Zahl, Ost-West-Pendler

Zahl der Ost-West-Pendler auf fast 450 000 gestiegen

20.05.2024 - 06:46:14

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit wÀchst die Zahl der Berufspendler von Ost nach West.

Fast 447 000 Menschen hatten im vergangenen Jahr ihren ersten Wohnsitz in den östlichen BundeslĂ€ndern und ihre Arbeit im Westen, rund 50 000 mehr als zehn Jahre vorher. Dies geht aus Zahlen der Bundesagentur fĂŒr Arbeit hervor, die der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte abgefragt hat. Auch in umgekehrter Richtung ist Zahl deutlich gestiegen: von knapp 118 000 im Jahr 2013 auf rund 235 000 zehn Jahre spĂ€ter.

"Die Zahl der Ost-West-Pendler ist auf einen neuen Rekordstand geklettert", sagte Korte und schloss daraus: "Immer mehr Menschen sind gezwungen weite und lange Fahrten auf sich zu nehmen, um zur Arbeit zu kommen." Damit entpuppten sich die Versprechen von blĂŒhenden Landschaften im Osten als Luftnummer, meinte der Linken-Abgeordnete mit Wahlkreis in Sachsen-Anhalt.

TatsĂ€chlich belegen Studien, dass insgesamt mehr BerufstĂ€tige pendeln. Das Bundesinstitut fĂŒr Bau-, Stadt- und Raumforschung gab die Zahl zum Stichtag 30. Juni 2022 mit 20,3 Millionen sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigte an und den Pendleranteil mit 60 Prozent. 7,1 Millionen fuhren mehr als 30 Kilometer, 3,9 Millionen sogar ĂŒber 50 Kilometer - in Zeiten des Homeoffice aber nicht unbedingt jeden Tag. Die Experten sagten damals, flexibleres Arbeiten mache kleinere StĂ€dte als Wohnorte attraktiver.

Linken-Politiker Korte verwies jedoch auf negative Folgen des Pendelns: "Die Zahlen zeigen, dass wir uns eher weiter von einer nötigen MobilitĂ€tswende entfernen, als ihr nĂ€her zu kommen." Das System der Pendlerpauschalen sei ungerecht, weil es Besserverdiener begĂŒnstige. "Anstelle der Pendlerpauschale brauchen wir ein einkommensunabhĂ€ngiges MobilitĂ€tsgeld, das als fester Betrag pro Kilometer Arbeitsweg fĂŒr alle Pendler gleich hoch ist", forderte Korte.

Zugleich brauche es einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in der FlÀche und Strukturförderung im Osten, "damit wir den Pendlerverkehr verringern und weg vom Auto hin zu Bussen, Bahn und Fahrrad bekommen", meinte der Bundestagsabgeordnete.

@ dpa.de