Merz und Macron zelebrieren deutsch-französische Achse
29.08.2025 - 13:24:27(mehr Details)
TOULON (dpa-AFX) - Deutschland und Frankreich wollen die europĂ€ische WettbewerbsfĂ€higkeit vor allem durch einen konsequenten BĂŒrokratieabbau und die StĂ€rkung des Binnenmarkts voranbringen. Bei einem Treffen beider Regierungen im sĂŒdfranzösischen Toulon soll am Nachmittag ein wirtschaftspolitisches Papier verabschiedet werden, mit dem auch Differenzen etwa in der Energiepolitik ausgerĂ€umt und die Zusammenarbeit in Feldern wie der Digitalisierung gestĂ€rkt werden soll.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der französische PrÀsident Emmanuel Macron hatten das Treffen am Donnerstag bei einem Abendessen in der Sommerresidenz des Staatschefs, einer mittelalterlichen Festung auf einer Halbinsel im Mittelmeer, vorbereitet. Von den deutschen Kanzlern wurden dort bisher nur Helmut Kohl von Francois Mitterand (1985) und Angela Merkel von Macron (2020) empfangen.
Beziehungen "in einem exzellenten Zustand"
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich seien nach jahrelanger Flaute "momentan in einem exzellenten Zustand", hieĂ es anschlieĂend von deutscher Seite. "Das ist auch wirklich, was Europa braucht und was Europa wahrnimmt." Merz hatte bereits am Donnerstag von einer deutsch-französischen "Achse" gesprochen, die dazu beitragen könne, dass Europa wieder zu einem "Machtfaktor" werde.
Macron versteht sich mit Merz deutlich besser als mit dessen VorgĂ€nger Olaf Scholz, zu dem das VerhĂ€ltnis bis zuletzt unterkĂŒhlt blieb. Inhaltliche Differenzen konnten Merz und Macron bisher aber kaum ausrĂ€umen. Das soll sich nun Ă€ndern. Der deutsch-französische Ministerrat zur Wirtschafts- und Sicherheitspolitik im Fort du Cap Brun aus dem 19. Jahrhundert ĂŒber der CĂŽte d'Azur soll den Anfang machen. Dazu soll ein 26-seitiges Wirtschaftspapier mit AktionsplĂ€nen zu acht Themenbereichen verabschiedet werden.
Halbes Kabinett in Toulon
Ăberschattet wird das Treffen allerdings von einer tiefen politischen Krise in Frankreich. An dem Ministerrat nimmt Merz' halbes Kabinett teil. Unter anderem sind Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) dabei.
Sie treffen auf eine französische Regierung, die vielleicht bald nicht mehr im Amt ist. Frankreichs Premierminister François Bayrou wird am 8. September die Vertrauensfrage stellen. Es wird erwartet, dass er sie verliert und die Regierung fÀllt, Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen. Auch wenn es dabei nicht um das PrÀsidentenamt geht, wird Macron durch die Krise politisch geschwÀcht.
DĂ€mpfer bei der Sicherheitspolitik
In der Sicherheitspolitik gab es bereits vor dem Treffen einen DĂ€mpfer. Die angestrebte Einigung auf das Luftkampfsystem FCAS scheiterte. Neue Zielmarke ist nun der Jahreswechsel. In Paris ist von "vorĂŒbergehenden Schwierigkeiten" die Rede, die ĂŒberwunden werden mĂŒssten. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will die beteiligten LĂ€nder nun im Oktober zur KlĂ€rung nach Berlin einladen.

