Menstruationsurlaub: Montenegro garantiert zwei Tage bezahlt pro Monat
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das montenegrinische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das Frauen bei starken Menstruationsbeschwerden zwei Tage bezahlten Urlaub pro Monat garantiert. Damit wird Montenegro nach Spanien der zweite europäische Staat mit einer solchen Regelung. Die Neuregelung ist Teil einer Debatte über Gesundheit am Arbeitsplatz und geschlechtsspezifische Benachteiligung.
Strenge Auflagen für die Freistellung
Die am 27. Juli beschlossene Gesetzesänderung gilt für Frauen mit diagnostizierter sekundärer Dysmenorrhoe – also Erkrankungen wie Endometriose, Myome oder Polypen. Die Abgeordnete Jevrosima Pejovi?, die die Initiative auf den Weg gebracht hatte, spricht von einem Ende der „stillen Diskriminierung“. Bisher hätten betroffene Frauen wegen krankheitsbedingter Ausfälle häufig Einkommensverluste hinnehmen müssen.
Die Inanspruchnahme ist an klare Vorgaben gebunden: Betroffene müssen eine fachärztliche Diagnose vorlegen. Dieses Attest ist jährlich bis zum 31. Dezember zu erneuern und dem Arbeitgeber bis zum 30. Januar des Folgejahres vorzulegen. Pejovi? betonte, dass es künftig unvorstellbar sein sollte, unter starken Schmerzen arbeiten zu müssen. Das Gesetz tritt nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.
Spanien als Vorbild
Innerhalb Europas gilt Spanien als Pionier. Seit 2023 haben Frauen dort das Recht, bei Vorlage eines Attests drei bis fünf Tage pro Monat fernzubleiben – bei 75 Prozent Lohnfortzahlung ab dem ersten Tag. Portugal plant eine ähnliche Regelung für 2025 mit bis zu drei Tagen Freistellung bei voller Lohnfortzahlung für Frauen mit Endometriose oder Adenomyose.
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International existieren solche Regelungen seit Jahrzehnten: Japan führte den Menstruationsurlaub 1947 ein, Indonesien 1948. Auch in Sambia haben Arbeitnehmerinnen Anspruch auf einen bezahlten freien Tag pro Monat. In Nachbarländern wie Serbien gibt es dagegen keine spezifischen Regelungen – Betroffene sind auf reguläre Krankschreibungen angewiesen.
Debatte in Deutschland
In Deutschland wird das Thema ebenfalls diskutiert, allerdings mit anderem Fokus. Geplant ist eine Krankschreibung ab dem ersten Tag der Beschwerden, jedoch ohne explizite gesetzliche Freistellung. Rund 15 Prozent der Frauen leiden an Endometriose – das unterstreicht die Relevanz arbeitsrechtlicher Anpassungen.
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Parallel dazu verhandeln deutsche Kommunen über die Versorgung mit Hygieneprodukten. Der Karlsruher Gemeinderat befasste sich am 28. Juli mit einem Antrag zur kostenfreien Bereitstellung von Menstruationsartikeln an Schulen. Die Verwaltung lehnte eine pauschale Budgetierung zunächst ab, stimmte aber einer Bedarfserhebung an weiterführenden Schulen zu. Bis Ende des Schuljahres 2026/27 sollen Best-Practice-Beispiele erarbeitet werden.
Die Diskussionen in Montenegro und Deutschland zeigen einen klaren Trend: Spezifische gesundheitliche Bedürfnisse von Frauen rücken stärker in den Fokus von Arbeits- und Bildungspolitik. Während Kritiker Verwaltungsaufwand und mögliche Benachteiligungen bei Einstellungen befürchten, sehen Befürworter ein notwendiges Minimum an Würde und Schutz vor finanziellen Einbußen durch chronische Erkrankungen.
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