Mercedes-Benz: Transformationsbaustein für 90.000 Mitarbeiter auf 2027 verschoben
29.06.2026 - 07:39:15 | boerse-global.de
Eine tarifliche Sonderzahlung wird verschoben, die Arbeitszeit steht zur Debatte.
Transformationsbaustein kommt erst 2027
Mercedes-Benz hat die Auszahlung des sogenannten Transformationsbausteins vertagt. Die Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts war ursprünglich für Juli 2026 geplant – jetzt soll sie erst im Jahr 2027 fließen. Betroffen sind rund 90.000 Mitarbeiter in Deutschland.
Der Vorstand begründet den Schritt mit zunehmenden Einschränkungen beim Freihandel und der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Intern wird zudem über eine Verlängerung der Arbeitszeit diskutiert. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller fordert eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich.
CEO Ola Källenius und Personalvorständin Renata Seeger betonen die Notwendigkeit, interne Prozesse zu beschleunigen. Der Gesamtbetriebsrat unter Ergun Lümali kritisiert das Vorgehen als einseitige Entscheidung der Unternehmensführung.
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Gewinneinbruch und China-Schwäche
Die Sparmaßnahmen haben einen handfesten Hintergrund: Die Geschäftszahlen sind eingebrochen. Das Konzernergebnis sank 2025 von 10,4 Milliarden auf 5,3 Milliarden Euro – ein Minus von fast 50 Prozent. Der operative Gewinn fiel um 57 Prozent auf 5,82 Milliarden Euro, die Umsatzrendite in der Pkw-Sparte lag bei mageren 5 Prozent.
Der Trend setzt sich fort. Im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis um weitere 17,2 Prozent. Besonders der wichtige chinesische Markt bereitet Kopfzerbrechen: Der Absatz ging dort um 27 Prozent zurück.
Das Sparprogramm „Next Level Performance" sieht vor, die jährlichen Kosten bis 2027 um mehrere Milliarden Euro zu drücken. Geprüft wird auch die Verlagerung von Verwaltungs- und Produktionskapazitäten ins Ausland.
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Krise in der gesamten Branche
Die Maßnahmen fallen in eine schwierige Zeit für die deutsche Autoindustrie. Während Mercedes-Benz am Wochenende das 100-jährige Bestehen der Marke feiert, kämpfen die Wettbewerber mit ähnlichen Problemen.
Volkswagen plant laut Medienberichten den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit und erwägt die Schließung von vier Werken. BMW hat seine Margenprognose auf 1 bis 3 Prozent gesenkt. Porsche verlagert die Cayenne-Produktion nach Leipzig – aber nur gegen Lohnzugeständnisse der Belegschaft.
Experten weisen darauf hin: Mercedes-Benz ist zwar im Luxussegment positioniert, muss aber weiterhin die Herausforderungen eines Volumenherstellers bewältigen. Die Strategiekorrektur war überfällig.
