USA, Angebot

USA machen EU neues Angebot im Zollkonflikt

27.06.2025 - 13:11:00 | dpa.de

Merz drĂ€ngt, BrĂŒssel prĂŒft: Die USA legen der EU ein neues Angebot im Handelsstreit vor. Alle Optionen bleiben auf dem Tisch, sagt die EU-KommissionsprĂ€sidentin - und bringt eine neue Idee ins Spiel.

  • US-PrĂ€sident Donald Trump will ab dem 9. Juli noch mehr Zölle in Kraft treten lassen, wenn die EU den USA in Handelsfragen nicht entgegenkommt.  - Foto: Jose Luis Magana/AP/dpa
    US-PrÀsident Donald Trump will ab dem 9. Juli noch mehr Zölle in Kraft treten lassen, wenn die EU den USA in Handelsfragen nicht entgegenkommt. - Foto: Jose Luis Magana/AP/dpa
  • Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) drĂ€ngt bei den Verhandlungen mit den USA auf Tempo. - Foto: Omar Havana/AP/dpa
    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) drÀngt bei den Verhandlungen mit den USA auf Tempo. - Foto: Omar Havana/AP/dpa
  • Die PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission, Ursula von der Leyen, betont, dass man bereit sei, die europĂ€ischen Interessen zu verteidigen.  - Foto: Omar Havana/AP/dpa
    Die PrÀsidentin der EuropÀischen Kommission, Ursula von der Leyen, betont, dass man bereit sei, die europÀischen Interessen zu verteidigen. - Foto: Omar Havana/AP/dpa
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Im Zollkonflikt mit der EU haben die USA ein neues Angebot vorgelegt. Die EU-Kommission bestĂ€tigte in der Nacht zum Freitag den Eingang eines entsprechenden US-Dokuments. Es werde nun geprĂŒft, sagte KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen nach einem EU-Gipfeltreffen in BrĂŒssel. 

«Wir sind zu einer Einigung bereit. Gleichzeitig bereiten wir uns auf die Möglichkeit vor, dass keine zufriedenstellende Einigung erzielt wird», sagte von der Leyen und fĂŒgte hinzu: «Alle Optionen bleiben auf dem Tisch.» Zum Inhalt des Dokuments wollten sich weder die KommissionsprĂ€sidentin noch EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa öffentlich Ă€ußern. 

Wie die Deutsche Presse-Agentur von anderen Gipfelteilnehmern erfuhr, ist es nach dem neuen US-Vorschlag fĂŒr eine Rahmenvereinbarung unwahrscheinlich, dass der von US-PrĂ€sident Donald Trump eingefĂŒhrte Basiszoll in Höhe von zehn Prozent auf fast alle Importe noch komplett wegverhandelt werden kann. Hoffnung gibt es demnach aber beispielsweise mit Blick auf zusĂ€tzlich in Kraft gesetzte US-Sonderzölle etwa auf Autoimporte. 

FĂŒr die EU dĂŒrfte sich damit in KĂŒrze die grundsĂ€tzliche Frage stellen, ob sie bereit ist, einen neuen Basiszoll zu akzeptieren, um eine weitere Eskalation des Handelsstreits zu verhindern. Alternativ könnte sie auf ihre Marktmacht setzen und versuchen, Trump mit Entschlossenheit und HĂ€rte zum Einlenken zu bringen. 

So betonte Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, dass es die EU schwach und naiv aussehen lassen könnte, wenn sie einen neuen Basiszoll ohne Ausgleichsmaßnahmen hinnehmen wĂŒrde. Neue Belastungen fĂŒr EU-Hersteller mĂŒssten im Zweifelsfall gleiche Belastungen fĂŒr US-Hersteller zur Folge haben, sagte er. 

Merz will lieber schnelle und einfache Lösung 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schloss hingegen begrenzte ZugestĂ€ndnisse nicht aus. «Lieber jetzt schnell und einfach, als langsam und hoch kompliziert», sagte er in Bezug auf die Verhandlungen mit den USA. Die von Trump eingefĂŒhrten Zölle gefĂ€hrdeten deutsche Unternehmen. Besonders fĂŒr die Automobilindustrie, die chemische Industrie, die pharmazeutische Industrie, den Maschinenbau und die Stahl- und Aluminiumbranche brauche es eine Lösung.

Trump droht mit weiteren Zöllen, falls Einigung ausbleibt 

Merz Ă€ußerte sich vor dem Hintergrund, dass Trump ab dem 9. Juli noch mehr Zölle in Kraft treten lassen will, wenn die EU den USA in Handelsfragen nicht entgegenkommt. Der Republikaner begrĂŒndet seinen Kurs vor allem damit, dass er angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren will. 

Zugleich sollen Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen großer Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren. Die EU-Kommission sieht die Zölle hingegen als nicht gerechtfertigt und unvereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) an. 

Von der Leyen: EU bereit fĂŒr Gegenmaßnahmen 

FĂŒr den Fall, dass es keine annehmbare Einigung mit den USA gibt, will die Behörde schnell Gegenzölle verhĂ€ngen. Von der Leyen betonte, dass man bereit sei, die europĂ€ischen Interessen falls nötig zu verteidigen und eine Liste mit «Ausgleichsmaßnahmen» besprochen habe. Merz Ă€ußerte UnterstĂŒtzung fĂŒr diesen Kurs. «Wenn es keine Vereinbarung ĂŒber die Zölle gibt, dann ist die EuropĂ€ische Union bereit und in der Lage, auch entsprechende eigene Maßnahmen zu ergreifen», sagte er. 

Einigung in den Verhandlungen zwischen China und den USA 

Im Konflikt zwischen China und den USA scheint indes ein Schritt zur Deeskalation gelungen zu sein. Nach Angaben beider LĂ€nder konnten sich die Verhandler auf ein Ende bestimmter HandelsbeschrĂ€nkungen einigen. Wie das Handelsministerium in Peking mitteilte, wird China AntrĂ€ge fĂŒr die Ausfuhr «kontrollierter GĂŒter» prĂŒfen und genehmigen, welche den Bestimmungen entsprechen. Die USA wĂŒrden im Gegenzug eine Reihe «restriktiver Maßnahmen» gegen China aufheben, hieß es weiter. 

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte zuvor eine unterzeichnete Vereinbarung mit China erwĂ€hnt - jedoch viele Fragen offengelassen. US-Handelsminister Howard Lutnick bestĂ€tige anschließend im Interview der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, dass der Deal mit China unterschrieben worden sei. 

Wegen Chinas ExportbeschrĂ€nkungen auf seltene Erden geriet zuletzt die Industrie außerhalb der Volksrepublik deutlich unter Druck. Auch in Deutschland sorgen sich Unternehmen etwa in der Automobilbranche oder im Maschinenbau ĂŒber den Nachschub der wichtigen Metalle, die etwa fĂŒr Sensoren oder in Elektromotoren verbaut werden. 

Wird die WTO langfristig ersetzt? 

Ausgelöst durch die drohenden Handelskriege gibt es in der EuropĂ€ischen Union eine neue Idee: ein Ersatz fĂŒr die inzwischen weitgehend handlungsunfĂ€hige Welthandelsorganisation (WTO). Von der Leyen brachte beim EU-Gipfel eine «Neugestaltung» der Organisation ins Spiel. 

Merz sprach sogar von einer «neuen Art von Handelsorganisation», die schrittweise ersetzen könnte, «was wir mit der WTO heute nicht mehr haben». Der CDU-Vorsitzende meint damit Mechanismen zur Beilegung von Handelsstreitigkeiten. Die EuropĂ€ische Kommission könnte solche Mechanismen fĂŒr neue Handelsabkommen der EU etablieren, sagte Merz. 

Die WTO wurde 1995 zum Abbau weltweiter Handelshemmnisse gegrĂŒndet. Sie leidet seit Jahren unter zunehmendem Protektionismus, veralteten Regeln und der Blockade seines Berufungsgremiums. Reformen scheiterten bislang an der Uneinigkeit der Mitglieder.

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