Metall-Tarifrunde: IG Metall fordert fünf Prozent mehr für 3,7 Millionen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Metall- und Elektroindustrie beginnen am 7. Oktober 2026 die Verhandlungen für einen neuen Flächentarifvertrag. Der Auftakt erfolgt zeitgleich in den Tarifbezirken Südwest im baden-württembergischen Ludwigsburg und Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.
Von den Gesprächen sind bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigte in Schlüsselbranchen wie dem Automobilbau, dem Maschinenbau, der Elektrotechnik sowie der Rüstungsindustrie betroffen. Während Hersteller wie Audi, BMW und Mercedes-Benz unter den Flächentarif fallen, verhandelt Volkswagen über einen eigenständigen Haustarifvertrag.
Forderungen nach mehr Entgelt und Standortsicherung
Die Gewerkschaft IG Metall zieht mit einer zentralen Entgeltforderung von fünf Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten in die Tarifgespräche. Daneben verlangt die Arbeitnehmervertretung höhere Ausbildungsvergütungen, eine Besserstellung der unteren Entgeltgruppen, tarifliche Regelungen zur Gewinnbeteiligung in florierenden Betrieben sowie Maßnahmen zur Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten.
Die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, forderte im Vorfeld Angebote mit Substanz zur Stärkung von Kaufkraft und Beschäftigung und wandte sich gegen eine von ihr kritisierte Angstrhetorik.
Tarifvorständin Nadine Boguslawski pochte auf spürbare Kaufkraftgewinne, gerechte Erfolgsanteile und verlässliche Zukunftspläne. Für Baden-Württemberg hatte die dortige Bezirkskommission unter Bezirksleiterin Barbara Resch die Forderung bereits am 22. September formuliert.
Der nordrhein-westfälische Verhandlungsführer Knut Giesler bezeichnete die fünf Prozent als maßvoll und betonte, dass die Kampfbereitschaft in den Betrieben deutlich höher liege als in früheren Jahren, während die Fristen für mögliche Eskalationsszenarien verkürzt worden seien.
Arbeitgeberseite pocht auf Kostensenkungen
Die Arbeitgeberverbände weisen die gewerkschaftlichen Forderungen entschieden zurück. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter erklärte, dass kein Verteilungsspielraum bestehe, und forderte stattdessen eine Senkung der Belastungen. Dabei verwies er auf den Abbau von rund 350.000 Stellen in der Branche seit dem Jahr 2019.
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Ähnlich positionierten sich die regionalen Verbände. Für Südwestmetall erklärte Chef Peter Krause, die Kosten müssten gesenkt werden; die Forderung liege fernab der Realität der meisten Mitgliedsbetriebe. Hauptgeschäftsführer Oliver Barta bezeichnete die Vorstellungen als realitätsfremd und völlig überzogen, da zwei Drittel der Beschäftigten im Südwesten in schrumpfenden Bereichen arbeiteten.
Joachim Schulz warnte für den Verband vor Produktionsverlagerungen ins Ausland und kündigte einen verschärften Kurs an. Auch Lisa-Maria Allramseder von der Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau, die rund 230 Firmen mit etwa 46.000 Beschäftigten vertritt, sowie Arndt G. Kirchhoff als Präsident der NRW-Metallarbeitgeber warnten vor einem verschärften Personalabbau.
Vertreter von Mercedes-Benz brachten zudem eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Gespräch, während die IG Metall eine Debatte über die 35-Stunden-Woche ablehnt.
Angespannte Branchenlage und weitere Verhandlungstermine
Die Verhandlungen finden vor einem schwierigen wirtschaftlichen Hintergrund statt. Bei großen Zulieferern wie Bosch, ZF und Continental laufen Stellenstreichungen oder wurden bereits umgesetzt, während kleinere Betriebe von Insolvenzen betroffen sind.
Im Juli 2026 zählte die Branche 914.000 Beschäftigte, was rund 95.000 Personen unter dem Höchststand von 2019 liegt; durchschnittlich gingen zuletzt 10.000 Arbeitsplätze pro Monat verloren. Laut Umfragen unter den Metallarbeitgebern schrieben bundesweit 25 Prozent der Unternehmen für 2025 rote Zahlen, weitere 21 Prozent erreichte höchstens eine Nettoumsatzrendite von zwei Prozent.
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Als Hauptbelastungen nannten die Firmen Arbeitskosten, Bürokratie und mangelnde planungspolitische Sicherheit. Gleichzeitig hob die LBBW ihre baden-württembergische Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,4 Prozent an.
Nach dem Auftakt am 7. Oktober schließen sich weitere regionale Verhandlungen an. Am 8. Oktober starten die Gespräche in Bayern, an der Küste, in Osnabrück-Emsland, in Sachsen-Anhalt sowie in Niedersachsen unter Verhandlungsführer Thorsten Gröger.
Am 9. Oktober folgt die Mittelgruppe, am 12. Oktober Thüringen und Berlin-Brandenburg sowie am 14. Oktober Sachsen. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober 2026 zusammen mit dem Auslaufen der aktuellen Verträge; ab dem 1. November sind Warnstreiks zulässig.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „3,7 Millionen Beschäftigte - Inflation und Autokrise: Metall-Tarifrunde wird kompliziert - Wirtschaft“
