Metall-Tarifrunde, Metall

Metall-Tarifrunde: IG Metall plant automatische Gehaltsaufschläge ab 4,6%

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IG Metall will das Tarifgeld an die Ertragslage koppeln. Bei Renditen ab 4,6 Prozent sollen Beschäftigte doppelte Sonderzahlungen erhalten.

IG Metall plant flexibles Tarifgeld: Mehr Lohn bei hoher Rendite
Arbeiter in einer modernen deutschen Industriehalle an einer Fertigungsstraße. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der bevorstehenden Tarifrunde für die rund 4 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektro-Industrie strebt die IG Metall ein neues Modell der Entgeltgestaltung an.

Wie am 20. August bekannt wurde, schlagen führende Vertreter der Gewerkschaft eine stärkere Flexibilisierung des sogenannten Tarifgeldes (T-Geld) vor. Dieses soll künftig enger an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Betriebe gekoppelt werden, um bei hoher Rentabilität automatische Gehaltsaufschläge zu ermöglichen.

Das Modell der flexiblen Sonderzahlungen

Der Vorschlag sieht vor, das T-Geld, das aktuell 18,4 Prozent eines monatlichen Einkommens ausmacht, bei einer hohen Umsatzrendite deutlich anzuheben.

Die Bezirksleiter der IG Metall aus Nordrhein-Westfalen und dem Küstenbezirk, Knut Giesler und Daniel Friedrich, regten an, die Sonderzahlung beispielsweise ab einer Umsatzrendite von 4,6 Prozent zu verdoppeln. Bei einem mittleren Monatseinkommen von 3.917 Euro würde dies für die Beschäftigten einen zusätzlichen Aufschlag von gut 700 Euro bedeuten.

Schätzungen der Gewerkschaft zufolge könnten rund 30 Prozent der Belegschaften von solchen automatischen Gehaltsaufschlägen profitieren. Ziel der IG Metall sei ein moderater, aber dennoch wirkungsvoller Tarifabschluss, der die unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen innerhalb der Branche berücksichtigt.

Wirtschaftlicher Druck in der Kernindustrie

Die Forderungen der Gewerkschaft stehen vor dem Hintergrund einer schwierigen konjunkturellen Lage in der Schlüsselindustrie. Seit dem Jahr 2019 hat die Branche fast 340.000 Arbeitsplätze verloren, während die Wertschöpfung im gleichen Zeitraum um 40 Milliarden Euro sank. Besonders deutlich zeigt sich die Krise in der Automobilindustrie: Mit 691.500 Beschäftigten wurde dort zuletzt der niedrigste Personalstand seit dem Jahr 2005 verzeichnet.

In diesem Umfeld lehnt die IG Metall Forderungen der Arbeitgeberseite nach einer Ausweitung der Arbeitszeit strikt ab. Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Giesler betonte, dass eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche kein geeignetes Mittel sei, um gegenüber hochsubventionierten Wettbewerbern aus China bestehen zu können.

Die Tarifvorständin der Gewerkschaft, Nadine Boguslawski, bezeichnete entsprechende Vorschläge aus den Führungsetagen der Autokonzerne als Ablenkungsmanöver von eigenem unternehmerischen Fehlverhalten.

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Konfliktfelder bei Volkswagen und Mercedes-Benz

Besonders intensiv gestalten sich die Auseinandersetzungen bei den großen Automobilherstellern. Bei Volkswagen verhandeln das Management und die Gewerkschaft bereits seit November 2025 über ein neues Entgeltsystem, das zum 1. Januar 2027 eingeführt werden soll.

Ziel des Unternehmens ist eine Senkung des Entgeltvolumens um 6 Prozent. Davon wären rund 100.000 Beschäftigte betroffen. Während die Struktur von 20 Entgeltstufen erhalten bleiben soll, wobei die oberste Stufe bei 7.709 Euro pro Monat liegt, ist ein langsamerer Aufstieg innerhalb des Systems vorgesehen.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte die Sparpläne von Volkswagen, die den Abbau von bis zu 50.000 Stellen und die Schließung von vier Werken umfassen könnten. Sie forderte eine grundlegende Überarbeitung der Pläne und schloss Werksschließungen kategorisch aus. Die von VW-Chef Oliver Blume angestrebte Umsatzrendite von 3,8 Prozent bezeichnete Benner als nicht ausreichend, hielt seine weiteren Ziele jedoch für unrealistisch.

Auch Mercedes-Benz verfolgt mit dem Programm „Next Level Performance“ einen strikten Sparkurs. Bis zum Jahr 2027 sollen 5 Milliarden Euro eingespart werden, davon 1 Milliarden Euro im Personalbereich. Das Konzernergebnis des Unternehmens sank im Jahr 2025 auf 5,33 Milliarden Euro, nachdem es im Vorjahr noch bei 10,4 Milliarden Euro gelegen hatte.

Das Management prüft derzeit die Streichung von Sonderzahlungen und diskutiert die Einführung einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Ein solches Modell würde eine Erhöhung der Arbeitszeit um 14,3 Prozent bedeuten, während die Vergütung pro Stunde rechnerisch um 12,5 Prozent sinken würde.

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Fahrplan für die kommenden Verhandlungen

Trotz des hohen Spardrucks konnten in Teilbereichen bereits Einigungen erzielt werden. So einigten sich Porsche und die IG Metall auf einen Abbau von 5.000 Stellen, wobei im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2035 vereinbart wurde. Bei Mercedes-Benz verließen durch ein Abfindungsprogramm zwischen April 2025 und März 2026 bereits 5.500 Mitarbeiter das Unternehmen; betriebsbedingte Kündigungen sind dort bis 2034 ausgeschlossen.

Die formale Beschlussfassung über die Forderungen der IG Metall für die anstehende Tarifrunde ist für den 22. September geplant. Die Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden sollen im Oktober beginnen. Die Friedenspflicht für die Branche endet schließlich am 31. Oktober.

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