Metall-Tarifrunde, Metall

Metall-Tarifrunde: IG Metall schlägt Lösungskorridor für Investitionen vor

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der befristete Vorschlag verknüpft betriebliche Zukunftsinvestitionen mit Zusagen zu Standorten, Beschäftigung und Ausbildung.
Weite, moderne Industriehalle mit schweren Maschinen und einfallendem Tageslicht ohne Personen oder Schriftzüge. Illustration mit AI erstellt.

In der dritten Verhandlungsrunde für die Metall- und Elektroindustrie in Ludwigsburg hat die IG Metall einen neuen Lösungsvorschlag präsentiert. Die Gewerkschaft brachte eine zeitlich befristete tarifliche Regelung ins Spiel, die betriebliche Investitionen in Zukunftsprodukte mit verbindlichen Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung verknüpft.

Das Instrument soll ausschließlich in klar abgegrenzten Fällen zum Einsatz kommen. Die Tarifgespräche im Südwesten betreffen rund 900.000 Beschäftigte in Baden-Württemberg und besitzen Signalwirkung für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche in 15 Tarifregionen.

Bedingungen für den vorgeschlagenen Lösungskorridor

Das Konzept sieht einen sogenannten Lösungskorridor vor: Mögliche Beiträge der Belegschaft sollen an verbindliche Beschäftigungszusagen der Arbeitgeber gekoppelt werden.

Eine zentrale Bedingung der Gewerkschaft lautet, dass die betrieblichen Investitionen höher ausfallen müssen als die finanziellen Beiträge der Beschäftigten. Der Korridor soll zudem nur Betrieben offenstehen, die vor wichtigen Investitionsentscheidungen stehen, nicht jedoch Unternehmen mit gescheiterten Geschäftsmodellen.

Die baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch erklärte, es brauche einen Hebel, um Investitionen am Standort zu halten. Arbeitgeberseitig reagierte Südwestmetall-Chef Peter Sebastian Krause verhalten. Er bezeichnete den gewerkschaftlichen Vorstoß zwar als interessant, betonte jedoch gleichzeitig, dass die Vorstellungen beim Gesamtpaket weiterhin sehr weit voneinander entfernt lägen.

Die IG Metall verlangt bis kommenden Montag Antworten der Arbeitgeberseite auf ihren Vorstoß, bevor die Verhandlungen anschließend in Düsseldorf fortgeführt werden sollen.

Weit auseinanderliegende Forderungen der Tarifparteien

In den Verhandlungen prallen unterschiedliche Positionen aufeinander. Die IG Metall fordert eine Entgelterhöhung von 5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten, ergänzt um Regelungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie eine Gewinnbeteiligung.

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Die IG Metall hat in der dritten Runde einen zeitlich befristeten Lösungskorridor vorgeschlagen, der Investitionen an verbindliche Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung knüpfen soll — die Arbeitgeberseite nennt ihn interessant, sieht das Gesamtpaket aber noch weit entfernt. Wer als HR-Leiter oder Betriebsrat jetzt verhandlungsfähig sein will, braucht die Bedingungen dieses Instruments schwarz auf weiß, bevor die Gespräche in Düsseldorf weitergehen. Kostenlosen Leitfaden zum Lösungskorridor anfordern

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte das Angebot der Gegenseite im Vorfeld der dritten Runde als Zumutung kritisiert und Nachbesserungen sowie verbindliche Zusagen zur Zukunftssicherung verlangt. Am 5. November 2026 verwies die Gewerkschaft darauf, dass das Angebot der Unternehmen auf das Jahr gerechnet lediglich 0,6 Prozent bei 3 Prozent Inflation entspreche.

Die Arbeitgeber bieten bislang eine Einmalzahlung im Juli 2027 an, die nach Angaben der Gewerkschaft je nach Ertragslage zwischen 500 und 850 Euro beziehungsweise regional zwischen 555 und rund 800 Euro betragen soll und an eine gute Geschäftslage gebunden ist.

Erst ab Juli 2028 ist laut dem Angebot eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent vorgesehen, bei einer Gesamtlaufzeit bis Ende 2028. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander nannte eine Forderung von 5 Prozent für zwölf Monate unverantwortlich. Er verwies darauf, dass seit 2019 in der Metall- und Elektroindustrie bereits 350.000 Arbeitsplätze verloren gegangen seien und in den kommenden zwei bis drei Jahren weitere 300.000 bedroht seien. Nach einer internen Betriebsräteumfrage der IG Metall waren zuletzt hingegen 62 Prozent der befragten Betriebe gut bis sehr gut ausgelastet.

Anhaltende Warnstreiks erhöhen den Einigungsdruck

Begleitet werden die Gespräche von fortlaufenden Arbeitsniederlegungen. Seit dem Ende der Friedenspflicht um Mitternacht am Samstag, dem 31. Oktober 2026, hatten sich in den ersten vier Tagen 191.000 Beschäftigte aus fast 1.000 Betrieben an Warnstreiks beteiligt; bis zum Wochenende waren Aktionen in über 2.000 Betrieben geplant.

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Seit dem Ende der Friedenspflicht haben sich nach Gewerkschaftsangaben 191.000 Beschäftigte aus fast 1.000 Betrieben an Warnstreiks beteiligt, Aktionen in über 2.000 Betrieben waren bis zum Wochenende geplant — für Betriebsabläufe und Planung ein handfestes Risiko. Dieser Szenario-Plan zeigt, wie Sie Ausfallrisiken frühzeitig kalkulieren und Beschäftigungszusagen absichern, bevor der Druck auf die Betriebe weiter steigt. Warnstreik-Szenario-Plan jetzt abrufen

Allein an einem Mittwoch legten mehr als 100.000 Beschäftigte in 460 Betrieben die Arbeit nieder. In Regensburg versammelten sich zudem 3.400 Auszubildende zu einer Kundgebung.

Die Gewerkschaft vereinbarte eine Fortführung der Warnstreiks bis Montagmittag. Bezirksleiter Jan Otto kündigte an, den Druck aufrechtzuerhalten, bis ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber vorliege. Parallel zu den Gesprächen im Südwesten steht die dritte Verhandlungsrunde in der Tarifregion Berlin/Brandenburg am Freitag an, während die Verhandlungen in Sachsen am Montag folgen.

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