Metall- und Elektroindustrie, IG Metall

Metall-Tarifrunde: IG Metall weist Angebot zurück, Warnstreiks drohen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Gewerkschaft kritisiert eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine dauerhafte Erhöhung erst ab 2028 als unzureichend. Nach dem Ende der Friedenspflicht könnten Beschäftigte ab Sonntag ihre Arbeit befristet niederlegen.

Tarifkommissionen vor der Entscheidung

  • Die Arbeitgeber boten die Einmalzahlung erstmals abgestimmt in fünf Tarifbezirken an.
  • Die IG Metall verlangt fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
  • In Nordrhein-Westfalen soll die Tarifkommission am Samstag über das weitere Vorgehen entscheiden.
  • Metaller wollen fünf Prozent mehr Geld (Foto aktuell). - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Die Autoindustrie ist ein Kern der Metall- und Elektroindustrie. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Trotz Industriekrise will die IG Metall höhere Entgelte durchsetzen. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa
Metaller wollen fünf Prozent mehr Geld (Foto aktuell).  - Bild: Marijan Murat/dpa Die Autoindustrie ist ein Kern der Metall- und Elektroindustrie. (Archivbild)  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Trotz Industriekrise will die IG Metall höhere Entgelte durchsetzen. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa

Tarifrunde der Metallindustrie vor Warnstreiks

Bei den regionalen Tarifverhandlungen für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall das erste Angebot der Arbeitgeber entschieden zurückgewiesen. Nach zwei Verhandlungsrunden zeichnen sich deshalb ab Sonntag, dem 1. November, Warnstreiks ab.

Gewerkschaft kritisiert Minus-Runde

Das Angebot setze zu spät ein, sei zu niedrig und habe eine zu lange Laufzeit, erklärte etwa der NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Die Offerte gleiche nach Einschätzung der Gewerkschaft nicht einmal ansatzweise die Preissteigerungen aus und führe faktisch zu weiteren Reallohnverlusten.

Die IG Metall fordert für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem verlangt sie Vereinbarungen zur Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen.

Warnstreiks ab Sonntag möglich

Mit dem Ende der Friedenspflicht sind Warnstreiks ab dem 1. November möglich. In Nordrhein-Westfalen soll die Tarifkommission am Samstag über das weitere Vorgehen entscheiden.

Auch im Südwesten kündigte die regionale IG Metall an, mit Warnstreiks den Druck in den Betrieben zu erhöhen. Die Arbeitgeber müssten ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen, erklärte Bezirksleiterin Barbara Resch.

Arbeitgeber bieten Einmalzahlung

Die Arbeitgeberverbände legten erstmals in fünf Tarifbezirken gleichzeitig ein abgestimmtes Angebot vor. Es sieht für Juli 2027 eine Einmalzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts vor.

Im Juli 2028 soll eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von 1,3 Prozent greifen. Die Einmalzahlung soll bei Unternehmen ausgesetzt werden können, die kaum noch Geld verdienen.

Streit über betriebliche Verhandlungen

Nach Angaben von Südwestmetall müssten in Baden-Württemberg 45 Prozent der Betriebe die Einmalzahlung nicht leisten, weil sie Verluste machten oder unter einer festgelegten Renditegrenze lägen. Die Gewerkschaft kritisiert diese Möglichkeit als Belastung für die Beschäftigten.

Die Arbeitgeber wollen zudem eine neue Verhandlungsmöglichkeit auf betrieblicher Ebene schaffen, wenn Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung gesichert werden müssten. Für solche Gespräche wären Betriebsräte und nicht mehr wie bisher die Gewerkschaft zuständig.

NRW-Bezirksleiter Giesler warnte, damit könnten Personalkosten reduziert werden. Die Beschäftigten müssten Investitionen in die Zukunft dann selbst bezahlen, kritisierte er.

Die Tarifrunde betrifft eine der größten Industriebranchen Deutschlands: Rund 3,7 Millionen Beschäftigte arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie. Dazu gehören unter anderem wichtige Bereiche der Autoindustrie, des Maschinenbaus, der Elektroindustrie und der Metallverarbeitung.

Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase, in der viele Unternehmen mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und dem Umbau zu klimafreundlicheren und digitaleren Produktionsverfahren kämpfen. Die Arbeitgeber wollen ihre Lohnofferte deshalb mit einer stärkeren Differenzierung nach der wirtschaftlichen Lage einzelner Betriebe verbinden. Für die Beschäftigten steht dagegen die Entwicklung ihrer verfügbaren Einkommen im Mittelpunkt.

Streit über Kaufkraft und Zukunftsinvestitionen

Der Abstand zwischen den Positionen ist groß: Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit, während die Arbeitgeber eine Einmalzahlung im Jahr 2027 und eine tabellenwirksame Erhöhung erst im Juli 2028 anbieten. Entscheidend für den weiteren Verlauf wird sein, ob die Tarifparteien bei Laufzeit, dauerhaften Entgelterhöhungen und betrieblichen Sonderregelungen zusammenfinden.

Mit dem Ende der Friedenspflicht können Warnstreiks den Druck in den Betrieben deutlich erhöhen. Sie dienen zunächst dazu, die Verhandlungen zu beschleunigen; eine längere Arbeitskampfrunde wäre erst nach weiteren Verfahrensschritten möglich. Für Unternehmen und Beschäftigte könnten sich die Folgen je nach Standort und Auftragslage unterschiedlich auswirken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Tarifrunde für Metall- und Elektroindustrie: Arbeitgeber bieten Einmalzahlung und 1,3 Prozent mehr Lohn an“ (27.10.2026)

Der Beitrag hebt die Eckpunkte des Arbeitgeberangebots hervor: eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 und 1,3 Prozent mehr Entgelt im Juli 2028. Damit bestätigt er die angebotenen Zahlen und setzt den Schwerpunkt auf die Struktur der Offerte.

Stern: „Tarifverhandlungen: Arbeitgeber bieten in Metall-Tarifrunde 1,3 Prozent an“ (27.10.2026)

Der Artikel ordnet das Angebot in die laufenden regionalen Tarifverhandlungen für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten ein. Anders als der n-tv-Beitrag stellt er die Tarifrunde und die Lohnerhöhung stärker in den Mittelpunkt; offen bleibt, ob die Gewerkschaft die Offerte akzeptiert.

Beide Beiträge stimmen bei den zentralen Angebotsdaten überein. Der Konflikt über Kaufkraft, Laufzeit und mögliche Warnstreiks bildet den entscheidenden nächsten Verhandlungsschritt.

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