Mietwucher: 89 Prozent der Mieter fordern hÀrtere Strafen, zeigt Forsa-Umfrage
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 21:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei einem gemeinsamen Wohngipfel in Berlin haben der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Vormittag eine deutlich stÀrkere Regulierung des Mietmarktes verlangt. Beide Organisationen drÀngen angesichts steigender Wohnkosten auf einen bundesweiten Mietenstopp, eine Absenkung der Kappungsgrenze sowie ein Ende von MissbrÀuchen bei Indexmieten und MöblierungszuschlÀgen.
UnterstĂŒtzung fĂŒr Nachbesserungen beim Mieterschutz signalisierte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), die vor dem Treffen mit den VerbĂ€nden auch innerhalb der schwarz-roten Koalition auf rasche Einigungen drĂ€ngte.
Hubig erklĂ€rte, dass hohe Mieten zunehmend mehr Menschen belasteten und viele Haushalte von Wohnarmut betroffen seien. Sie hatte bereits im FrĂŒhjahr einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sich eng am Koalitionsvertrag orientiert.
WĂ€hrend bei der ersten Lesung im Juli Abgeordnete der Unionsfraktion Lockerungen zugunsten von Vermietern anmahnten, forderte die Ministerin nun eine gemeinsame Lösung. Nach Angaben des DMB wohnen 52,8 Prozent aller Haushalte in Deutschland zur Miete; etwa jeder dritte Mieterhaushalt gelte durch die Wohnkosten als ĂŒberlastet.
Umfrage belegt Unzufriedenheit und Sorgen vor Wucher
Den Forderungen verliehen die VerbĂ€nde mit einer Forsa-Umfrage unter 1.014 Mietern in GroĂstĂ€dten mit mehr als 100.000 Einwohnern Nachdruck, die zwischen dem 17. und 29. September 2026 erhoben wurde. Demnach sprechen sich 89 Prozent der befragten Mieter fĂŒr hĂ€rtere Strafen bei Mietwucher aus.
Diese Haltung findet sich quer durch die WĂ€hlerschaften von CDU/CSU mit 89 Prozent, der SPD mit 90 Prozent, den GrĂŒnen mit 89 Prozent sowie der Linken mit 97 Prozent. Zudem fordern 75 Prozent eine VerschĂ€rfung der bestehenden Mietpreisbremse, 67 Prozent eine gesetzliche Begrenzung von Mieterhöhungen und 65 Prozent einen Mietendeckel.
Ein Drittel der Befragten stuft die eigene Miete als zu hoch ein â bei den unter 30-JĂ€hrigen liegt dieser Anteil bei 44 Prozent, in der Gruppe zwischen 30 und 44 Jahren bei 38 Prozent. Rund 65 Prozent halten ihre Miete fĂŒr angemessen, vier Prozent fĂŒr zu niedrig.
Die Entwicklung belastet auch den Arbeitsmarkt: 59 Prozent der Befragten sehen Probleme bei der Personalsuche von Arbeitgebern, und jeder Achte gab an, wegen hoher Wohnkosten bereits eine Arbeitsstelle am jeweiligen Wohnort abgelehnt zu haben.
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Eigene Recherchen des Mieterbunds in Berlin deuten zudem darauf hin, dass rund 46 Prozent der inserierten Wohnungen ĂŒber der zulĂ€ssigen Miethöhe liegen; bei möblierten Wohnungen liege dieser Wert bei 69 Prozent.
Debatte im Bundestag ĂŒber MietrechtsĂ€nderungen
Im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages fand am 14. Oktober 2026 eine öffentliche Anhörung zum Regierungsentwurf zur Ănderung des Rechts der Wohn- und GeschĂ€ftsraummiete sowie zu Vorlagen der Opposition statt.
Der Entwurf sieht vor, Ausnahmen vom Mieterschutz bei Kurzzeitvermietungen kĂŒnftig auf MietverhĂ€ltnisse von bis zu sechs Monaten zu beschrĂ€nken, möblierte Wohnungen schĂ€rfer zu regulieren und jĂ€hrliche Erhöhungen bei Indexmieten in angespannten MĂ€rkten zu begrenzen.
Zudem soll die Schonfristzahlung bei Zahlungsverzug kĂŒnftig einmalig auch eine ordentliche KĂŒndigung heilen. Gleichzeitig ist eine Anhebung der Wertgrenze fĂŒr das vereinfachte Modernisierungsverfahren von 10.000 auf 20.000 Euro geplant.
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In der Anhörung begrĂŒĂte DMB-PrĂ€sidentin Melanie Weber-Moritz die PlĂ€ne grundsĂ€tzlich, forderte jedoch Nachbesserungen. Vertreter von Vermieter- und ImmobilienverbĂ€nden Ă€uĂerten hingegen deutliche Bedenken: Kai H. Warnecke vom EigentĂŒmerverband Haus & Grund lehnte den Entwurf ab, und auch der Immobilienverband IVD sah strukturelle Probleme als ungelöst an. Ein umfassender Mietenstopp gilt innerhalb der Koalition als nicht durchsetzbar.
Wachsender Druck durch steigende Mieten und Neubaubaisse
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund kontinuierlich steigender Preise statt. Daten des Kiel Instituts fĂŒr Weltwirtschaft (Greix) zeigen, dass die Angebotsmieten in 37 Regionen Deutschlands im dritten Quartal 2026 um 1,2 Prozent gegenĂŒber dem Vorquartal zulegten.
Unter den acht gröĂten StĂ€dten verzeichneten Berlin mit einem Plus von 2,1 Prozent und DĂŒsseldorf mit 2,0 Prozent die stĂ€rksten ZuwĂ€chse. MĂŒnchen bleibt mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 23,7 Euro pro Quadratmeter die teuerste GroĂstadt, gefolgt von Frankfurt und Hamburg.
Gleichzeitig bleibt der Wohnungsneubau weit hinter dem Bedarf von jĂ€hrlich mindestens 300.000 Einheiten zurĂŒck. Nach 206.600 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 werden Prognosen zufolge 2026 voraussichtlich nur 185.000 Wohnungen fertiggestellt, was einem 15-Jahres-Tief entspricht. Bundesweit fehlen nach SchĂ€tzungen mehr als eine Million Wohnungen.
