Solar-Ausbau, HĂ€lfte

Solar-Ausbau bis 2030: Die HĂ€lfte ist geschafft

04.07.2025 - 11:44:22

Millionen Anlagen auf DĂ€chern und Feldern produzieren Sonnenstrom fĂŒr Verbraucher. Doch das Wachstum verliert an Schwung und am Markt dominiert China, wĂ€hrend hiesige Firmen in die Pleite rutschen.

  • Solarparks wie dieser in der NĂ€he der Autobahn 95 in Bayern machen knapp ein Drittel der in Deutschland installierten Leistung aus. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

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  • Solaranlagen auf DĂ€chern, GebĂ€uden und an Fassaden machen den Großteil der installierten Leistung aus. (Archivbild) - Foto: David Inderlied/dpa

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Solarparks wie dieser in der NĂ€he der Autobahn 95 in Bayern machen knapp ein Drittel der in Deutschland installierten Leistung aus. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpaSolaranlagen auf DĂ€chern, GebĂ€uden und an Fassaden machen den Großteil der installierten Leistung aus. (Archivbild) - Foto: David Inderlied/dpa

Die erste HÀlfte ist geschafft, die zweite könnte schwer werden: Der im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegte Ausbau der Solarenergie liegt zwar gut im Plan, doch ob der Boom anhÀlt, ist noch nicht ausgemacht, warnt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Ihm zufolge sind inzwischen etwa 107,5 Gigawatt an Leistung installiert, bis 2030 sollen es 215 Gigawatt werden. 

Bei Privathaushalten und Unternehmen wird Strom aus Sonnenenergie vom eigenen Dach immer beliebter - etwa fĂŒr den tĂ€glichen Bedarf beim Kochen, Waschen und Heizen oder das Laden von Elektroautos. Die mittlerweile knapp 5,3 Millionen Photovoltaikanlagen auf DĂ€chern, Balkonen, FreiflĂ€chen ĂŒber ParkplĂ€tzen und teilweise sogar auf GewĂ€ssern decken nach EinschĂ€tzung des Verbands aktuell rund 15 Prozent des deutschen Strombedarfs. 

Rekord bei der Stromeinspeisung

2024 wurden laut Statistischem Bundesamt mit dem Betrieb von Photovoltaikanlagen rund 59,5 Millionen Megawattstunden Strom ins Netz eingespeist. Das waren damals 13,8 Prozent der inlÀndischen Stromproduktion - ein Rekord. Die Zahl wÀchst von Jahr zu Jahr: 2023 hatte Photovoltaik noch 12 Prozent an der gesamten Stromeinspeisung ausgemacht. Balkonkraftwerke sind dabei nicht eingerechnet, bei der Stromeinspeisung spielen sie allerdings ohnehin nur eine winzige Rolle. 

«In den letzten 25 Jahren hat sich die Photovoltaik von einer teuren Satellitentechnik zur preiswertesten Stromerzeugungsform auf Erden entwickelt», sagt BSW-Solar-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Carsten Körnig. Doch trotz der aktuellen Erfolgsmeldung ist er besorgt: Zuletzt habe sich der Ausbau der Solarstromerzeugung verlangsamt. Daher sieht sein Verband das Ziel fĂŒr 2030 gefĂ€hrdet und warnt davor, das Tempo zu drosseln.

Ausbau stockt - «Kein SelbstlÀufer»

«Der Strombedarf wĂ€chst und die Solarisierung von DĂ€chern, Fassaden und FreiflĂ€chen darf nicht nachlassen. Die HĂ€lfte des Weges ist geschafft, doch die nĂ€chste Etappe ist kein SelbstlĂ€ufer», sagt Körnig. In seinen Augen fĂŒhrt an einem stĂ€rkeren Ausbau von Photovoltaik und Speichern kein Weg vorbei. «Die aktuelle Hitzewelle und zunehmende KlimafolgeschĂ€den verdeutlichen dies schmerzhaft.»

Insbesondere der Ausbau von Speichern steht fĂŒr den Verband im Vordergrund, «um das volle Photovoltaik-Potenzial systemdienlich zu entfalten». Derzeit seien in Deutschland rund zwei Millionen Batteriespeicher mit einer GesamtkapazitĂ€t von rund 20 Gigawattstunden in Betrieb. Bis 2030 brauche es jedoch eine SpeicherkapazitĂ€t von rund 100 bis 150 Gigawattstunden. Um hier voranzukommen, mĂŒsse die im Koalitionsvertrag vorgesehene baurechtliche Privilegierung von Batterienspeichern schnell kommen. 

Die meisten Anlagen kommen aus China

Wichtigstes Herkunftsland fĂŒr Photovoltaikanlagen in Deutschland bleibt unangefochten China: Fast 86 Prozent der nach Deutschland importierten Anlagen kamen laut Statistischem Bundesamt 2024 aus der Volksrepublik, die mit preiswerten Modellen den Weltmarkt dominiert.

Der Importwert von Photovoltaikanlagen war mehr als dreimal so hoch wie die Exporte aus Deutschland, die im vergangenen Jahr um mehr als die HÀlfte auf 510 Millionen Euro einbrachen und meist in europÀische NachbarlÀnder gingen.

Deutsche Solarindustrie unter Druck

Die Produktion von Solarmodulen in Deutschland sank ebenfalls stark. 2024 fiel sie um gut 56 Prozent auf gut 1,5 Millionen. Im ersten Quartal setzte sich der AbwĂ€rtstrend in Ă€hnlich rasantem Tempo fort. Die hiesige Produktion tut sich seit lĂ€ngerem schwer, unter anderem wegen der Konkurrenz aus China. Erst in jĂŒngerer Vergangenheit haben beispielsweise die deutschen Töchter des Schweizer Solarherstellers Meyer Burger Insolvenz beantragt. 

Laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur fĂ€llt der Großteil der Anlagen und auch der installierten Leistung in Deutschland in den Bereich bauliche Anlagen auf oder an DĂ€chern GebĂ€uden und Fassaden. Hier sind 4,2 Millionen Anlagen mit rund 71 Gigawatt als in Betrieb gemeldet. Dahinter folgen - nach Leistung bemessen - FreiflĂ€chenanlagen. Von ihnen gibt es zwar nur knapp 20.000, sie kommen aber auf fast 33 Gigawatt. Die bei Verbrauchern immer beliebteren Balkonkraftwerke sind mit gut einer Million zwar sehr viel hĂ€ufiger, weil sie aber sehr viel schwĂ€cher sind, kommen sie aufsummiert nur auf eine Leistung von knapp einem Gigawatt.

@ dpa.de