Minijob-Debatte: Rentenkommission fordert Abschaffung des Sonderstatus
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 12:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Druck auf das Modell der geringfügigen Beschäftigung wächst. Eine Expertenkommission empfiehlt die Abschaffung des Sonderstatus – Branchenverbände laufen Sturm.
Rund 6,8 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in Minijobs. Besonders betroffen: der Einzelhandel mit 800.000 Stellen und die Gastronomie, wo über eine Million Beschäftigte geringfügig arbeiten – das ist mehr als die Hälfte des gesamten Personals.
Die aktuelle Verdienstgrenze liegt bei 603 Euro monatlich, nächstes Jahr soll sie auf 633 Euro steigen. Für viele ist das eine wichtige Einnahmequelle: 13 Prozent der 65- bis 74-Jährigen sind erwerbstätig, rund die Hälfte davon in Minijobs. Allein in Bayern zählt man 1,25 Millionen Minijobber.
Experten fordern radikalen Umbau
Die Rentenkommission schlägt vor, den Sonderstatus weitgehend aufzuheben. Ziel: Mehr Menschen in die gesetzliche Rentenversicherung zu bringen und Altersarmut zu verhindern. Nur Schüler sollen ausgenommen bleiben. Ein Experte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) regt zudem eine Bagatellgrenze von 250 Euro an – um Schwarzarbeit zu vermeiden.
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz hat eine komplette Abschaffung jedoch ausgeschlossen. Seit dem 1. Juli 2026 können Minijobber einmalig in die gesetzliche Rentenversicherung zurückkehren. Der flexible Charakter des Modells bleibt vorerst erhalten.
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Die FDP fordert sogar mehr: Die Verdienstgrenze soll sofort auf 650 Euro steigen, gekoppelt an eine automatische Inflationsanpassung. Eine endgültige Entscheidung über die langfristige Ausgestaltung wird für Herbst 2026 erwartet.
Einzelhandel unter Druck
Die Debatte trifft eine angeschlagene Branche. Eine aktuelle Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 600 Unternehmen zeigt: 42 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als schlecht, 69 Prozent melden sinkende Gewinne. Gründe sind gestiegene Kosten für Energie, Personal und Wareneinkauf.
Für 2026 prognostiziert der Verband zwar ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent auf rund 697,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig rechnet er aber mit 4.900 Geschäftsaufgaben. Erstmals würde die Zahl der Standorte in Deutschland unter 300.000 sinken.
Die Branche fordert daher nicht nur den Erhalt der Minijobs, sondern auch einen Deckel für Lohnnebenkosten bei 40 Prozent und eine Senkung der Stromsteuer.
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Steuerpläne sorgen für Unruhe
Kritik gibt es an geplanten steuerlichen Änderungen. Ab Anfang 2027 soll die Pauschalsteuer für Minijobs von zwei auf fünf Prozent steigen. Experten warnen: Eine Verteuerung oder gar Abschaffung würde die Nettoverdienste der Beschäftigten erheblich reduzieren. In Branchen mit akutem Personalmangel könnte das die Attraktivität dieser Stellen weiter schwächen.
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