Minijob-Kosten: Lohnsteuer steigt auf 5 Prozent ab Januar 2027
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 09:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hĂ€lt an Minijobs fest, will sie aber deutlich verteuern. Ein Expertenbericht fordert sogar die weitgehende Abschaffung der geringfĂŒgigen BeschĂ€ftigung.
Kommission will Minijobs abschaffen
Die Alterssicherungskommission legte am 23. Juni 2026 einen umfangreichen Bericht mit 33 ReformvorschlĂ€gen vor. Kernpunkt: Minijobs sollen ab 2027 weitgehend abgeschafft werden â nur fĂŒr SchĂŒler soll es Ausnahmen geben. Die Experten versprechen sich davon eine stĂ€rkere soziale Absicherung und den Ăbergang in regulĂ€re BeschĂ€ftigung.
Der Bericht enthĂ€lt weitere Einschnitte. So soll die Frist fĂŒr den Krankengeld-Antrag von zehn auf vier Wochen verkĂŒrzt werden. Bei der Erwerbsminderungsrente sollen kĂŒnftig die Vermittlungschancen der Betroffenen stĂ€rker gewichtet werden. Auch die Wiedereingliederungszeit nach Krankheit steht zur Debatte: sechs statt zwölf Monate.
Regierung setzt auf Erhalt mit höheren Kosten
Die Koalition schlĂ€gt einen anderen Kurs ein. Ihr âProgramm fĂŒr Aufschwung und BeschĂ€ftigung" vom Anfang Juli sieht vor, Minijobs zu erhalten â allerdings mit spĂŒrbaren Mehrbelastungen. Die Verdienstgrenze liegt weiterhin bei 603 Euro monatlich.
Ab Januar 2026 gilt eine neue Minijob-Grenze â sind Ihre VertrĂ€ge noch aktuell? Jetzt kostenlose Mustervorlage sichern und auf dem neuesten Stand bleiben. Jetzt kostenlose Mustervorlage sichern und auf dem neuesten Stand bleiben
Die pauschale Lohnsteuer fĂŒr Minijobs soll von zwei auf fĂŒnf Prozent steigen. Ab Januar 2027 kommen zudem höhere KrankenversicherungsbeitrĂ€ge auf die BeschĂ€ftigten zu: 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag. Als Ausgleich plant die Regierung höhere FreibetrĂ€ge: Der Arbeitnehmerpauschbetrag steigt um 200 Euro auf 1.430 Euro, auch Grund- und KinderfreibetrĂ€ge sollen wachsen.
Wirtschaft warnt vor ExistenzgefÀhrdung
Die Branchen reagieren alarmiert. Der Deutsche Hotel- und GaststĂ€ttenverband (Dehoga) nennt die PlĂ€ne existenzgefĂ€hrdend fĂŒr viele Betriebe. Rund 1,1 Millionen Minijobber arbeiten im Gastgewerbe â im Saarland ist etwa die HĂ€lfte des Personals geringfĂŒgig beschĂ€ftigt. Steigen die Kosten fĂŒr Arbeitgeber um bis zu 20 Prozent, drohe mehr Schwarzarbeit, warnt der Verband.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlÀgt in dieselbe Kerbe. Rund 800.000 Minijobber sind im Einzelhandel aktiv. Eine zusÀtzliche Beitragspflicht in der Pflegeversicherung treibe die Lohnnebenkosten weiter in die Höhe, kritisiert der Verband.
Wer Minijobber beschĂ€ftigt, muss angesichts steigender Lohnnebenkosten und neuer gesetzlicher Regelungen besonders genau abrechnen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Arbeitgeber geringfĂŒgig BeschĂ€ftigte rechtssicher verwalten und kostspielige Nachforderungen vermeiden. Kostenlosen Ratgeber zur Minijobber-Abrechnung herunterladen
Ost-LĂ€nder drohen mit Blockade
Ende Juli formiert sich Widerstand aus dem Osten. Die MinisterprĂ€sidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen lehnen Teile der Renten- und Pflegereform ab. Besonders die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren stöĂt auf Kritik â sie fordern HĂ€rtefallregelungen. In Ostdeutschland sei die gesetzliche Rente oft die einzige Altersabsicherung, Betriebsrenten seien selten. Ohne Anpassungen drohen die LĂ€nder, die Reformen im Bundesrat zu blockieren.
Konjunktur erholt sich nur langsam
Die Debatte lĂ€uft vor dem Hintergrund einer verhaltenen wirtschaftlichen Erholung. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal um 0,2 Prozent. FĂŒr 2026 erwarten Experten ein Plus von 0,5 Prozent, fĂŒr 2027 von 0,9 Prozent. Das Wirtschaftsministerium pocht deshalb auf sinkende Lohnnebenkosten und mehr FlexibilitĂ€t am Arbeitsmarkt â Forderungen, die angesichts der geplanten Abgabenerhöhungen wie Hohn wirken dĂŒrften.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Ănderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.
