Minijob-Reform: Rentenkommission fordert Abschaffung für Millionen
22.06.2026 - 06:09:51 | boerse-global.de
Künftig sollen nur noch Schüler, Studenten und Rentner geringfügig beschäftigt sein dürfen. Die Pläne lösen heftige Debatten aus.
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„Teilzeitfalle“ als Hauptargument
Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, unterstützt die Einschränkung. Ihr Vorschlag: Minijobs nur für Schüler, Studenten und Rentner beibehalten. Der Grund: Das aktuelle Modell verhindere den Aufbau eigener Rentenansprüche. Besonders Zweitverdienende steckten in der „Teilzeitfalle“ fest – der Übergang in sozialversicherungspflichtige Jobs werde erschwert.
Auch der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, begrüßte die Pläne am Sonntag. Er sieht darin eine Chance für die Bundesregierung. Neben der Minijob-Reform diskutiert die Kommission eine kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild. Auch die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung steht auf dem Plan.
Ökonomen warnen vor Schwarzarbeit
Kritik kommt von Ökonomen. Friedrich Schneider warnt vor einem massiven Anstieg der Schattenwirtschaft. Seine Prognose: Die Schwarzarbeit könnte 2027 um mindestens 25 Milliarden Euro zulegen.
Schneider erinnert an die Einführung der Minijobs im Jahr 2003. Diese habe die Schwarzarbeit um 20 bis 23 Milliarden Euro gesenkt. Aktuell liegt das Volumen der Schattenwirtschaft bei rund 500 Milliarden Euro pro Jahr. Eine Einschränkung legaler Beschäftigung würde den Trend umkehren.
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Handel fürchtet Arbeitsplatzverlust
Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt Alarm. Rund 800.000 Minijobber arbeiten im Einzelhandel. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth spricht von einer „Abschaffung durch die Hintertür“. Bei Umsetzung der Pläne drohe ein erheblicher Verlust an Arbeitsplätzen.
Konkret sieht die Kommission vor, die Sozialabgaben für Arbeitgeber von 31 auf über 38 Prozent anzuheben – und das bis 2027. Die bisherige Opt-out-Möglichkeit von der Rentenversicherungspflicht soll entfallen. Stattdessen gilt eine generelle Pflicht. Aktuell liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro pro Monat.
Witwenrente und sinkendes Niveau
Die Reform umfasst rund 30 Einzelvorschläge. Die offizielle Präsentation ist für Dienstag geplant. Neben Minijobs sind auch Einschnitte bei der Witwenrente vorgesehen. Zwar steigen die Renten zum 1. Juli um 4,24 Prozent. Doch ein neuer Rentenzuschlag soll künftig voll auf die Witwenrente angerechnet werden. Der neue Einkommensfreibetrag liegt bei 1.122,53 Euro netto.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher kritisiert: Den Vorschlägen fehle der Mut gegen Altersarmut. Gewerkschaften wie Verdi warnen vor einem sinkenden Rentenniveau ab 2031. Die Details der Kommission werden mit Spannung erwartet.
