Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission plant Abschaffung für 6,8 Mio.

23.06.2026 - 00:48:32 | boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt die Abschaffung der Steuerfreiheit für Minijobs und ein höheres Renteneintrittsalter.

Rentenkommission: Minijob-Reform und neue Rentenpläne vorgestellt
Minijob-Reform - Hände halten einen Taschenrechner, im Hintergrund unscharfe deutsche Geldscheine und Münzen, die finanzielle Reformen symbolisieren. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Rentenkommission der Bundesregierung hat heute ihre Empfehlungen für eine Neuausrichtung der Altersvorsorge vorgelegt. Zentraler Punkt: die weitgehende Abschaffung der Sozialabgaben- und Steuerbefreiung für Minijobs.

Anzeige

Minijobber einstellen und keinen rechtssicheren Vertrag zur Hand? Das kann teuer werden. Diese kostenlose Mustervorlage schützt Arbeitgeber vor rechtlichen Fallstricken – sofort zum Download. Arbeitsvertrag für Minijobber in wenigen Minuten fertig – kostenlos und rechtssicher

Das 33 Punkte umfassende Papier übergaben die Experten an Kanzler Olaf Scholz und Arbeitsministerin Bärbel Bas. Der Sonderstatus für geringfügige Beschäftigungen soll künftig fast ausschließlich auf Schüler begrenzt werden.

Harte Einschnitte für Millionen Beschäftigte

Betroffen wären rund 6,8 Millionen Minijobber. Auch die etwa 6,2 Millionen Midijob-Beschäftigten mit Einkommen bis 2.000 Euro müssten mit Änderungen bei den Beitragsrabatten rechnen.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat die Folgen durchgerechnet: Bei einer Umwandlung eines voll ausgeschöpften Minijobs in ein reguläres Verhältnis könnten Arbeitnehmer monatlich bis zu 130 Euro weniger Netto haben. Rund vier Millionen der sieben Millionen geringfügig Beschäftigten müssten mit unmittelbaren Einkommenseinbußen rechnen.

Das Bundessozialministerium beziffert die derzeitigen Einnahmeausfälle durch die Privilegierung auf mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr.

Wirtschaft schlägt Alarm

Der Handelsverband Deutschland (HDE) bezeichnete den Vorstoß als gefährlichen Irrweg. Im Einzelhandel sind rund 800.000 Minijobber tätig – Hunderttausende Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel.

Anzeige

Die geplante Reform der Minijobs stellt Arbeitgeber vor neue Herausforderungen bei der Abrechnung und rechtlichen Gestaltung. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, worauf Sie bei geringfügig Beschäftigten unbedingt achten müssen, um Nachforderungen zu vermeiden. Minijobber legal und sicher abrechnen: Kostenlosen Ratgeber sichern

Auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) betonte die Unverzichtbarkeit dieser Beschäftigungsform. Ende 2025 waren in der Branche over 870.000 geringfügig Beschäftigte registriert.

Ökonom Friedrich Schneider prognostiziert zudem Ausweichreaktionen: Das Volumen der Schwarzarbeit könnte bis 2027 um mindestens 25 Milliarden Euro steigen.

Gewerkschaften unterstützen Reform

Während Arbeitgeberverbände protestieren, begrüßt Verdi die Pläne. „Minijobs führen in der aktuellen Form oft in die Altersarmut", sagte Verdi-Chef Frank Werneke.

Rentensystem wird grundlegend umgebaut

Das Reformpaket enthält weitere tiefgreifende Maßnahmen. Das Rentenniveau soll ab 2040 bei 50 Prozent stabilisiert werden.

Rentenalter: Ab 2032 soll das Eintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Zielmarken sind 67,5 Jahre im Jahr 2041 und 68 Jahre bis 2051.

Rente mit 63: Die Möglichkeit einer abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren soll gestrichen werden.

Kapitaldeckung: Ab 2028 ist eine beitragsfinanzierte Kapitalsäule geplant. Zunächst soll ein Prozent des Bruttolohns in Aktien angelegt werden, später zwei Prozent.

Erweiterter Kreis: Künftig sollen auch Selbstständige, Abgeordnete und Vorstände in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Reaktionen: Von Lob bis scharfer Kritik

Die Senioren-Union und die Junge Union lobten die Vorschläge als notwendige Schritte zur Generationengerechtigkeit. Die Jusos und die IG Metall sprachen dagegen von realitätsfernen Plänen und faktischen Rentenkürzungen.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher bewertete die Reformvorschläge als teilweise zu vorsichtig. Die langfristigen Finanzierungsprobleme des Systems ließen sich damit nicht vollständig lösen.

de | wirtschaft | 69606590 |