ROUNDUP, Trump

Trump erhöht Druck auf Gaza-UnterhÀndler

08.01.2025 - 07:05:02

Mit drastischen Worten hat der designierte US-PrĂ€sident Donald Trump kurz vor seiner AmtseinfĂŒhrung den Druck auf die UnterhĂ€ndler bei den laufenden GesprĂ€chen ĂŒber die Freilassung der Geiseln in Gaza erhöht.

"Im Nahen Osten wird die Hölle losbrechen, und das wird nicht gut fĂŒr die Hamas sein, und es wird - offen gesagt - fĂŒr niemanden gut sein", wenn die Geiseln nicht bis zu seiner AmtseinfĂŒhrung am 20. Januar zurĂŒck seien, sagte er in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Was er damit konkret meint, sagte Trump wie auch schon bei einer Ă€hnlichen Äußerung Anfang Dezember nicht.

Sein Kandidat fĂŒr das Amt des Nahost-Beauftragten, Steve Witkoff, kĂŒndigte an, heute zu der laufenden Verhandlungsrunde in Katar ĂŒber eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln zuzustoßen. Witkoff Ă€ußerte sich optimistisch, dass in der Hauptstadt Doha eine Einigung zwischen Israel und der Hamas vor dem 20. Januar erreicht werden könne. "Nun, ich denke, wir machen große Fortschritte, und ich möchte nicht zu viel verraten, denn ich denke, sie leisten in Doha wirklich gute Arbeit", sagte Witkoff in Trumps Anwesenheit. Seit dem Wochenende halten sich Delegationen aus Israel und der Hamas in Katar auf.

Lenkt die Hamas ein?

Er sei zuversichtlich, dass es zu Trumps AmtseinfĂŒhrung "einige gute Dinge im Namen des PrĂ€sidenten" zu verkĂŒnden geben werde, sagte Witkoff. Trumps Team ist zwar nicht offiziell an den Verhandlungen beteiligt, arbeitet aber mit der scheidenden Regierung von US-PrĂ€sident Joe Biden zusammen. So reiste Witkoff bereits mehrmals in die Region. Zeichen der Hoffnung bei den indirekten GesprĂ€chen unter Vermittlung der USA, Ägyptens und Katars gab es schon oft, sie waren jedoch jedes Mal enttĂ€uscht worden. Ein Kompromiss ist schwierig, weil sich Israel und die Hamas gegenseitig vernichten wollen.

In seinen Äußerungen vor Journalisten deutete Trump in seinem Anwesen Mar-a-Lago laut der "New York Times" an, dass seine Drohungen gegen die Hamas die islamistische Terrorgruppe zum Einlenken bewegen wĂŒrden. Experten tĂ€ten sich jedoch schwer, die Bedeutung von Trumps Drohungen zu verstehen, hieß es. "Ich habe keine Ahnung, und er auch nicht", zitierte die Zeitung Daniel C. Kurtzer, US-Botschafter in Israel wĂ€hrend der Regierung von George W. Bush.

Zweifel an Trumps Drohungen

Seit Beginn des Gaza-Krieges vor 15 Monaten habe Israels MilitĂ€r die Hamas als organisierte Kampftruppe nahezu zerstört. Es sei unklar, was eine weitere Eskalation der Angriffe noch bewirken könnte, schrieb die Zeitung. "Ich sehe kein Szenario, in dem US-StreitkrĂ€fte zum Einsatz kĂ€men; auf jeden Fall wissen wir nicht besser als die Israelis, was die Hamas in die Knie zwingen wĂŒrde", wurde Kurtzer zitiert. "Getöse ist die schlechteste Form der Politik", sagte er.

Die US-Nachrichtenseite "Axios" zitierte derweil einen Vertreter der Hamas, wonach die Islamistenorganisation und ihre AnhĂ€nger in Gaza keine Angst vor Trumps Drohungen hĂ€tten, "weil sie in Gaza bereits in der Hölle leben". Er glaube nicht, dass bis zum 20. Januar eine Einigung erzielt werden könne. Ein anderer Hamas-Vertreter habe zudem gegenĂŒber einem arabischen TV-Sender die Position der Hamas bekrĂ€ftigt, dass jedes Abkommen ein Ende des Krieges in Gaza und einen vollstĂ€ndigen RĂŒckzug Israels aus Gaza beinhalten mĂŒsse.

Israels PrÀsident spricht von riesiger Tragödie

Israels StaatsprĂ€sident Izchak Herzog rief die UnterhĂ€ndler in Katar bei einem Treffen mit internationalen Krisenbeauftragten in Jerusalem dazu auf, "so weit wie möglich voranzuschreiten und diese riesige Tragödie zu beenden". Die Vertreter der USA, Großbritanniens, Kanadas, Deutschlands und Österreichs waren nach amtlichen Angaben eigens fĂŒr ein Treffen mit dem fĂŒr Geiseln und Vermisste zustĂ€ndigen Brigadegeneral Gal Hirsch angereist. FĂŒr Deutschland war Jens Jokisch dabei, Krisenbeauftragter des AuswĂ€rtigen Amtes.

Mitglieder der Hamas und anderer extremistischer Gruppen hatten am 7. Oktober 2023 in Israel rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere verschleppt. Dies war der Auslöser des Gaza-Krieges. Nach mehr als einem Jahr werden nach israelischen Angaben noch 100 Geiseln von der Hamas in Gaza festgehalten - darunter auch Leichen. Unter den Geiseln sind mehrere Menschen, die neben der israelischen auch etwa die deutsche oder die US-amerikanische StaatsbĂŒrgerschaft haben. Die Hamas will auch tote Geiseln nutzen, um palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in Israels GefĂ€ngnissen freizupressen.

@ dpa.de

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