Selenskyj wirbt in Davos um Hilfe - Die Nacht im Ăberblick
16.01.2024 - 06:35:00 | dpa.deDie Mehrheit der Staaten sehe Russlands Aggression als einen nicht provozierten und kriminellen Krieg, fĂŒr den das Land bestraft werden mĂŒsse, sagte Selenskyj am ersten Tag seines Besuches in der Schweiz. Der Staatschef will auch einen persönlichen Auftritt an diesem Dienstag in Davos dazu nutzen, den Westen in Zeiten bröckelnder UnterstĂŒtzung wachzurĂŒtteln, weiter Milliarden und Waffen bereitzustellen.
Selenskyj hatte bei einem Treffen mit der Schweizer PrĂ€sidentin Viola Amherd am Montag in Bern auch angekĂŒndigt, dass die beiden Staaten einen Friedensgipfel auf höchster Ebene organisieren wollen. Einen Termin fĂŒr das Treffen gab es zunĂ€chst noch nicht. Eine Einladung an Russland ist nicht geplant, wie Selenskyj durchblicken lieĂ. Eingeladen wĂŒrden alle LĂ€nder, die die territoriale IntegritĂ€t der Ukraine unterstĂŒtzen, sagte er. Russland hatte im Februar 2022 den Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet und im Osten und SĂŒden weite Landstriche besetzt.
Das Format eines solchen Gipfels wĂŒrde den vier Friedensformel-Konferenzen folgen, die seit dem FrĂŒhjahr 2023 in DĂ€nemark, Saudi-Arabien, Malta und am Sonntag in Davos abgehalten worden waren. Daran waren in Davos 83 LĂ€nder und internationale Organisationen beteiligt. Russland war bisher nie eingeladen und kritisiert die Treffen als realitĂ€tsfern.
Der Ukraine geht es nach eigenen Angaben um die Grundvoraussetzungen fĂŒr einen Frieden, die Selenskyj in einem Zehn-Punkte-Plan formuliert hat. Dazu gehören unter anderem der Abzug russischer Truppen aus allen Landesteilen, Strafen gegen russische Kriegsverbrecher und Reparationen. Der Machtapparat in Moskau hingegen weist immer wieder darauf hin, dass es einen Frieden nur bei Verhandlungen mit Russland geben könne.
Selenskyj wĂŒrdigt die Schweiz als wichtige UnterstĂŒtzerin
Selenskyj lobte die Schweiz, die trotz ihrer NeutralitĂ€t fest an der Seite der Ukraine stehe und etwa auch die Sanktionen gegen Russland mittrage. Die Schweiz gehöre zu den LĂ€ndern, die sich fĂŒr Gerechtigkeit und einen fairen Frieden einsetzten, sagte Selenskyj. Er dankte dem Land fĂŒr ein neues langfristiges Programm zur UnterstĂŒtzung des Wiederaufbaus in der Ukraine. Er will in persönlichen GesprĂ€chen mit ranghohen Politikern in Davos um weitere Milliardenhilfen und Waffenlieferungen werben. Selenskyj hatte immer wieder betont, dass die UnterstĂŒtzung fĂŒr das schon vor dem Krieg stets klamme Land ĂŒberlebenswichtig sei.
Bei seinem Besuch in der Schweiz hob Selenskyj hervor, dass die Ukraine etwa auch bei der Entminung von Gebieten auf internationale Hilfe angewiesen sei. Die Schweiz gehöre dabei zu den groĂen UnterstĂŒtzerinnen. "Heute sind 174 000 Quadratkilometer unseres Gebiets mit russischen Minen und nicht detonierten Geschossen kontaminiert. Es wĂ€re schwierig fĂŒr irgendein Land allein, mit dieser Aufgabe fertig zu werden", sagte Selenskyj. Das Land brauche Freunde, die bei der Beseitigung der Gefahr hĂŒlfen.
Russland: Drei ukrainische Drohnen ĂŒber Woronesch abgewehrt
Russland wehrte unterdessen laut dem Verteidigungsministerium in Moskau in der Nacht zum Dienstag erneut einen ukrainischen Drohnenangriff ĂŒber der Stadt Woronesch im Grenzgebiet im SĂŒdwesten des Landes ab. Drei Geschosse seien von der Luftabwehr zerstört worden, teilte das Ministerium auf Telegram mit. Dabei sei ein Kind leicht verletzt worden, nachdem Fragmente einer abgeschossenen Drohne in eine Wohnung eingeschlagen waren, schrieb der Gouverneur des Gebiets, Alexander Gussew, ebenfalls bei Telegram. Das 2013 geborene MĂ€dchen habe Schnittwunden an Armen, Beinen und Hals. Mehrere Wohnblöcke und PrivathĂ€user wurden laut Gussew beschĂ€digt.
Bei der Verteidigung der Ukraine kommt es immer wieder auch zu Angriffen auf russischem Gebiet. Die russischen SchÀden oder Opferzahlen stehen dabei allerdings in keinem VerhÀltnis zu den schweren Kriegsfolgen in der Ukraine.
Was am Dienstag wichtig wird
Im Kriegsgebiet dauern die KÀmpfe ungeachtet der winterlichen VerhÀltnisse an. Die ukrainischen StreitkrÀfte konzentrieren ihre KrÀfte nach MilitÀrangaben vor allem darauf, Verteidigungsanlagen zu befestigen, um russische Angriffe abzuwehren.
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