Mittelstand, Krise

Mittelstand in Krise: 44% berichten von restriktiver Kreditvergabe

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Restriktive Banken, längere Zahlungsziele und bekannte Insolvenzfälle setzen den Mittelstand unter Druck. Experten fordern frühzeitiges Krisenmanagement.

Mittelstand in Not: Kreditklemme und Zahlungsverzug treiben Insolvenzen hoch
Ein moderner, leerer Konferenztisch in einer Industriehalle mit Finanzdokumenten als Symbol für Unternehmenssanierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die wirtschaftliche Lage im deutschen und österreichischen Mittelstand verschärft sich zunehmend. Restriktive Kreditvergaben, längere Zahlungsziele und Branchenkrisen treiben Unternehmen in die Insolvenz.

Banken verschärfen Kreditvergabe an Autozulieferer

Besonders die Automobilzulieferindustrie spürt die harte Haltung der Finanzinstitute. Eine Umfrage des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zeigt: 44 Prozent der befragten Unternehmen bewerten das Verhalten der Banken als restriktiv, 22 Prozent berichten sogar von kompletter Kreditverweigerung.

Die Kennzahlen der Branche spiegeln den Druck wider. 2025 verzeichneten Zulieferer mit über 10 Millionen Euro Umsatz 59 Insolvenzen – nach 56 im Vorjahr. Insgesamt summiert sich die Zahl zwischen 2020 und 2025 auf 257 Fälle. Da die EBIT-Margen häufig unter fünf Prozent liegen, erwarten Experten für 2026 keine Entspannung.

Zahlungsziele dehnen sich aus: Liquidität wird zum Engpass

Die angespannte Lage verschärft sich durch verändertes Zahlungsverhalten. Eine Creditreform-Studie mit rund vier Millionen analysierten Rechnungen zeigt für das erste Halbjahr 2026 ein durchschnittliches Zahlungsziel von 32,21 Tagen – eine Ausweitung um 0,75 Tage gegenüber dem Vorjahr.

Große Abnehmer mit über 250 Beschäftigten lassen sich mit durchschnittlich 35,51 Tagen besonders viel Zeit. In der Chemie- und Kunststoffbranche liegt das Zahlungsziel sogar über 40 Tagen. Das belastet vor allem kleinere Zulieferer mit geringen Kapitalreserven.

Dass Liquiditätslücken auch große Akteure treffen können, zeigt die PANDION AG: Das Unternehmen kündigte an, eine am 5. August fällige Zinszahlung auf eine Unternehmensanleihe vorerst nicht leisten zu können.

Prominente Namen melden Insolvenz an

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Die Zahlen sind alarmierend: 44 Prozent der Autozulieferer erleben restriktive Banken, 22 Prozent sogar komplette Kreditverweigerung. Wer jetzt nicht gegensteuert, riskiert Liquiditätsengpässe – und im schlimmsten Fall die Insolvenz. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Frühwarnsignale erkennen und mit Schutzschirmverfahren, StaRUG und Bürgschaftsprogrammen gegensteuern. Jetzt kostenlosen Krisen-Leitfaden anfordern

Mehrere bekannte Unternehmen mussten in den vergangenen Tagen den Gang zum Insolvenzgericht antreten:

  • Adenauer & Co.: Die Modekette meldete am 3. August Insolvenz an, nachdem bereits am 1. August ein Eigenverwaltungsverfahren eröffnet worden war. Als Ursache nannte die Geschäftsführung einen Betrugsschaden in einer ausländischen Produktion. Betroffen sind 59 Filialen und rund 200 Mitarbeiter.
  • Depot: Der Dekorationshändler stellte im August 330 Mitarbeiter frei. Das Filialnetz schrumpft von 155 auf nur noch 50 Standorte, da die Insolvenzmasse für Gehälter nicht ausreicht.
  • Sono Motors: Die GmbH stellte ihr operatives Geschäft zum 31. Juli ein. Das IP-Portfolio für Solartechnologie steht zum Verkauf.
  • Karl Mayer Kartonagenfabrik: Das Traditionsunternehmen meldete am 29. Juli ein vorläufiges Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Tübingen an. Rund 110 Mitarbeiter sind betroffen.
  • Café Engländer: In Wien wurde am 3. August ein Sanierungsverfahren beantragt. Nach dem Tod des Geschäftsführers im Juli führte unter anderem der Abfluss von Vermögenswerten zu Verbindlichkeiten von rund 1,1 Millionen Euro.

Frühzeitiges Krisenmanagement als Schlüssel

Sanierungsexperten betonen angesichts der steigenden Fallzahlen die Bedeutung eines frühen Krisenmanagements. Insolvenzgefahr entstehe oft durch Unwissenheit, erklärt ein Fachberater. Zu den gesetzlichen Insolvenzgründen zählen neben Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung auch die drohende Zahlungsunfähigkeit.

Instrumente wie das Schutzschirmverfahren, die Eigenverwaltung oder das StaRUG bieten Unternehmen Möglichkeiten zur Sanierung. Förderinstitute reagieren ebenfalls: Die Bürgschaftsbank Sachsen bietet eine „24-Stunden-Bürgschaft“ an, bei der über Kreditbürgschaften bis 375.000 Euro innerhalb eines Werktages entschieden wird.

Österreichs Insolvenzfonds droht Finanzierungslücke

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Längere Zahlungsziele, knappe Kredite: Die Creditreform-Studie zeigt, dass große Abnehmer sich im Schnitt 35,51 Tage Zeit lassen – ein Liquiditätsrisiko für Zulieferer. Erfahren Sie in unserem Report, wie Sie mit staatlichen Bürgschaften und klugen Sanierungsinstrumenten Ihre Zahlungsfähigkeit sichern, bevor die nächste Welle rollt. Liquiditäts-Report jetzt sichern

Die Zunahme an Großinsolvenzen belastet auch staatliche Sicherungssysteme. In Österreich droht dem Insolvenzentgeltfonds (IEF) ein massives Defizit. Die Rücklagen sanken von 888 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 385 Millionen Euro Ende 2024. Für 2027 wird ein Fehlbetrag von 160 Millionen Euro erwartet.

Die Politik diskutiert verschiedene Optionen zur Stabilisierung: eine Erhöhung der Beiträge, die 2022 von 0,2 auf 0,1 Prozent halbiert wurden, den Rückgriff auf Kammer-Rücklagen oder eine staatliche Kreditaufnahme. Arbeitnehmervertreter plädieren für eine Beitragserhöhung. Eine Klärung ist für die Verhandlungen im September vorgesehen.

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