Mobilitätsgeld, NGG

Mobilitätsgeld: NGG fordert 17 Cent pro Kilometer für 20 Millionen Pendler

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die NGG verlangt 17 Cent je Kilometer für Pendler und Mobilitätszuschüsse im Gastgewerbe angesichts hoher Fahrtkosten und vieler Arbeitswege.

NGG fordert 17-Cent-Mobilitätsgeld für alle Berufspendler
Ein leerer Bahnsteig im frühen Morgenlicht, der den Blick auf die Schienen freigibt, die in die Ferne führen. Illustration mit AI erstellt.

**Angesichts steigender Belastungen für Arbeitnehmer schlägt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die Einführung eines staatlichen Mobilitätsgeldes vor.

Die Forderung sieht eine Pauschale von 17 Cent pro Kilometer für alle Pendler vor, die entweder direkt staatlich ausgezahlt oder über den Lohnsteuerabzug verrechnet werden soll. Flankiert wird dieser Vorstoß durch aktuelle Daten zur Pendlerstruktur und laufende Tarifverhandlungen in der Gastronomiebranche.**

In regionalen Vorstößen, unter anderem durch die NGG Nordrhein, die NGG Lüneburg und die NGG Stuttgart, wird die Notwendigkeit einer Entlastung mit den hohen Fahrtkosten begründet. Die Gewerkschaft kritisierte laut Berichten vom 9. und 10. September 2026 das aktuelle Preisgefüge im öffentlichen Verkehr.

Demnach entspreche eine Stunde Fahrt im Fernverkehr der zweiten Klasse preislich etwa vier Stunden Arbeit zum Mindestlohn. Während das Deutschland-Ticket aktuell 63 Euro pro Monat kostet, weisen Branchenbeobachter bereits auf mögliche Preissteigerungen hin.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) kündigte etwa für den 1. Januar 2027 Tariferhöhungen von durchschnittlich 3,72 Prozent an, wobei das Deutschland-Ticket perspektivisch auf 66,40 Euro steigen könnte.

Hohe Pendlerzahlen untermauern Handlungsbedarf

Die Relevanz der Forderung wird durch aktuelle Auswertungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) verdeutlicht. Auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit mit Stichtag zum 30. Juni 2025 gab es bundesweit 20,64 Millionen Berufspendler, was einem Zuwachs von 50.000 gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit pendeln rund 60 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Der durchschnittliche Arbeitsweg liegt bei 17,3 Kilometern.

Regional zeigen sich deutliche Schwerpunkte:
* In Duisburg wurden insgesamt 183.900 Pendler gezählt, aufgeteilt in 89.440 Einpendler und 94.450 Auspendler.
* Im Kreis Ludwigsburg liegt die Zahl bei rund 193.000 Pendlern.
* München bleibt mit 461.400 Einpendlern die Pendler-Metropole Deutschlands, gefolgt von Frankfurt (422.500) und Hamburg (402.100).

Anzeige

Wer sich mit den finanziellen Rahmenbedingungen der Arbeit beschäftigt, sollte auch die korrekte Gestaltung der Vergütungsgrundlagen im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Arbeitgeber und Personalverantwortliche dabei, Zulagen für besondere Arbeitszeiten rechtssicher und lohnsteuerfrei zu gestalten. Gratis-Checkliste für rechtssichere Zuschläge herunterladen

Während in Nordrhein-Westfalen Städte wie Düsseldorf (-1.700) oder Neuss (-1.300) sinkende Pendlerzahlen verzeichneten, gab es in Köln (+2.900) und Münster (+2.800) deutliche Zuwächse. Besonders lange Wege müssen Beschäftigte in Märkisch-Oderland mit durchschnittlich 27,4 Kilometern zurücklegen.

Tarifrunden im Gastgewerbe thematisieren Mobilität

Die Mobilitätskosten spielen auch in den aktuellen Tarifauseinandersetzungen der Gastronomie eine zentrale Rolle. In der Städteregion Aachen sowie im Rhein-Sieg-Kreis stehen Verhandlungen für insgesamt rund 18.000 Beschäftigte an. Die NGG fordert hier neben einer Lohnsteigerung von 6 Prozent explizit Mobilitätszuschüsse für Auszubildende, etwa in Form eines kostenlosen Fahrgeldes oder der Übernahme der Kosten für das Deutschland-Ticket.

Seitens des Arbeitgeberverbandes Dehoga NRW liegt das Angebot bisher bei 1,9 Prozent, was einer Erhöhung von rund 31 Cent pro Stunde entspricht. NGG-Geschäftsführer Tim Lösch warnte in diesem Zusammenhang vor einem realen Kaufkraftverlust für die Beschäftigten, da die Inflation im August bei 2,9 Prozent lag. Die Gewerkschaft kritisierte zudem, dass Küchenhilfen nach dem vorliegenden Angebot lediglich den Mindestlohn erhalten würden.

Anzeige

Neben Mobilitätszuschüssen sind klare vertragliche Regelungen die Basis für faire Arbeitsbedingungen in jeder Branche. Ein aktueller Gratis-Report zeigt auf, welche Klauseln in Arbeitsverträgen heute nicht mehr zulässig sind und wie Unternehmen teure Fehler vermeiden. 19 rechtssichere Muster-Formulierungen kostenlos sichern

Politisches Umfeld und ergänzende Forderungen

Flankiert wird die Debatte um die Mobilitätskosten durch verschiedene politische Initiativen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte basierend auf einer forsa-Umfrage eine Bargeldpflicht an Ticketautomaten, da etwa jeder siebte ÖPNV-Nutzer in den letzten zwölf Monaten Schwierigkeiten bei der bargeldlosen Zahlung hatte. Dorothea Mohn vom vzbv bezeichnete die Barzahlung als eine Frage der Inklusion.

Parallel dazu hat das Bundeskabinett eine Einkommensteuerreform für das Jahr 2027 beschlossen. Diese sieht unter anderem eine Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.230 Euro auf 1.430 Euro vor.

In Schleswig-Holstein fordert die SPD zudem die Einführung eines Sozial- und Azubi-Tickets, das durch Minderzahlungen der Bahn bei Unpünktlichkeit finanziert werden soll. Die NGG Lüneburg geht in ihren Forderungen über die Mobilität hinaus und verlangt zudem die Einführung einer Übergewinnsteuer, die rückwirkend zum Beginn des Iran-Kriegs gelten soll.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70079726 |