GeschÀftszahlen, Westfalen-Gruppe

GeschÀftszahlen 2023 vorgestellt: Westfalen-Gruppe setzt auf Europa

01.07.2024 - 16:29:06

MĂŒnster - Angesichts eines schwachen Marktumfeldes und schwieriger Rahmenbedingungen auf dem deutschen Kernmarkt verstĂ€rkt der Industriegase-Produzent und Kraftstoffe- und Energieanbieter Westfalen seine AktivitĂ€ten in den europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern. Um den Hochlauf von grĂŒnem Wasserstoff im eigenen Portfolio zu beschleunigen, wird die Unternehmensgruppe ihren ersten Elektrolyseur nun in Frankreich realisieren. Auch im Bereich Industriegase steigt das Engagement außerhalb des deutschen Marktes - so wird Westfalen unter anderem in ein neues AbfĂŒllwerk in Österreich investieren und die KapazitĂ€t eines Werks in der Schweiz nahezu verdoppeln. RĂŒckenwind fĂŒr die Investitionen gibt das abgelaufene GeschĂ€ftsjahr 2023, das das Unternehmen trotz aller aktuellen EinflĂŒsse mit dem höchsten Gewinn der Geschichte abschloss.

"Das macht deutlich: Wir verfĂŒgen in vielen Bereichen ĂŒber das richtige GeschĂ€ftsmodell - gerade auch im Hinblick auf unsere beschlossene grĂŒne Transformation und den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energien und das Hineinwachsen in neue, nachhaltige GeschĂ€fte", zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Westfalen-Gruppe, Dr. Thomas Perkmann, sehr zufrieden mit dem abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr bei der PrĂ€sentation der GeschĂ€ftszahlen am heutigen Montag (01. Juli 2024) am Unternehmenssitz in MĂŒnster. "Im Vorausblick auf unsere Westfalen-Vision 2030 wird das GeschĂ€ft mit nachhaltigen Produkten und Lösungen zunehmend wichtiger - und dies ĂŒber alle Bereiche hinweg: Von strombasierter WĂ€rme ĂŒber umweltfreundliche Flaschengase und E-MobilitĂ€t bis hin zu Wasserstoff."

Rahmenbedingungen verzögern Wasserstoff-Hochlauf - Mittelstand benachteiligt

"Doch die volatilen Rahmenbedingungen - insbesondere in Deutschland - spiegeln sich mittlerweile auch in der GeschĂ€ftsentwicklung wider", erklĂ€rt der Vorstandsvorsitzende. So verzögern sich beispielsweise im deutschen Kernmarkt viele PlĂ€ne fĂŒr den Wasserstoff-Hochlauf, auf den das Unternehmen gesetzt hatte, oder sie lassen sich ĂŒberhaupt nicht mehr so umsetzen wie geplant. "Das Urteil des Karlsruher Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds KTF hat natĂŒrlich Spuren in der gesamten Branche hinterlassen. Zusagen zu Förderbescheiden galten einfach von heute auf morgen nicht mehr. So kann man als Unternehmen schwer planen", betonte Perkmann.

"Dagegen sehen wir, dass die europĂ€ischen NachbarlĂ€nder ihre Wasserstoff-BemĂŒhungen deutlich beschleunigen. Dem können wir uns auch als europĂ€isch ausgerichtetes Unternehmen schwer entziehen", erlĂ€uterte der Westfalen-CEO die aktuellen Investitionsentscheidungen und ergĂ€nzt, dass auch der nĂ€chste Wasserstoff-Elektrolyseur des Unternehmens wahrscheinlich im Ausland entstehe. "Deutschland muss aufpassen, dass es seinen Technologievorsprung und seine WettbewerbsfĂ€higkeit beim Wasserstoff nicht einbĂŒĂŸt."

Dass die Industrie fĂŒr den Wasserstoff-Hochlauf bereitsteht, zeigt Westfalen selbst - und zwar in Kooperation mit RWE: So planen die beiden Unternehmen unter dem Namen two4H2 den Aufbau eines H2-Tankstellennetzes in Niedersachsen und NRW, fĂŒr den ein entsprechendes Joint Venture gegrĂŒndet wurde. Perkmann: "Damit machen wir ja deutlich, dass wir als Westfalen in Deutschland eigentlich gerne noch aktiver sein wĂŒrden."

Auch die Bedeutung mittelstĂ€ndischer Unternehmen - Hauptkunden der Unternehmens-gruppe insbesondere im Industriegase-GeschĂ€ft - die ein weiterer wichtiger Treiber des Wasserstoff-Hochlaufs sein könnten, wĂŒrden von der Politik unterschĂ€tzt. "Wir sehen, dass viele unserer mittelstĂ€ndischen Kunden an Wasserstoff interessiert sind, entweder als Produkt oder als Prozessenergie. Doch die hohen Kosten gegenĂŒber den herkömmlichen EnergietrĂ€gern rechnen sich fĂŒr viele Anwendungen gerade fĂŒr kleinere Unternehmen momentan noch nicht", so der Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens. "Daher braucht es sicherlich irgendeine Form von staatlicher UnterstĂŒtzung, um den Mittelstand auf dem Weg in die grĂŒne Transformation zu unterstĂŒtzen." Der eingeschrĂ€nkte finanzielle Rahmen der Politik treffe ganz klar auch das wirtschaftliche RĂŒckgrat der deutschen Wirtschaft.

Solide Eigenkapitalbasis ermöglicht weiteres Wachstum

Im vergangenen Jahr feierte Westfalen sein 100-jĂ€hriges Bestehen. Und in diesem besonderen Jahr kann sich das Unternehmen - trotz aller EinflĂŒsse - ĂŒber einen außergewöhnlichen Erfolg freuen: 2023 wurde mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) in Höhe von 73,5 Millionen Euro das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt. Das Ergebnis lag damit 3,5 Millionen Euro ĂŒber dem Vorjahreszeitraum, in dem bereits eine neue Bestmarke erzielt worden war. Im GeschĂ€ftsjahr 2023 realisierte die Westfalen-Gruppe insgesamt einen Umsatz von 2,25 Milliarden Euro nach 2,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

"Die gesamte Organisation, alle Kolleginnen und Kollegen, haben im vergangenen Jahr einen sehr guten Job gemacht", lobte Westfalen-CFO Jesko von Stechow die Mitarbeitenden der Unternehmensgruppe. "Wir sind in wichtigen Feldern gewachsen und haben eine gute Kostendisziplin bewiesen." Die Verbesserung des EBIT in 2023 sei trotz eines leichten UmsatzrĂŒckganges insbesondere aufgrund laufender Kosten- und Ergebnisverbesserungsprogramme gelungen. Den RĂŒckgang des Umsatzes der Gruppe erklĂ€rte von Stechow vor allem mit den unsicheren konjunkturellen Aussichten, die gerade im vierten Quartal 2023 dazu gefĂŒhrt hatten, dass Kunden vorsichtiger agierten als in den Vorjahren.

"Dazu kommen die erneut sehr milden Wintertemperaturen, die vor allem im Bereich Energieversorgung neben einem MargenrĂŒckgang auch zu einem geringeren Absatz gefĂŒhrt haben. 2023 war das wĂ€rmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, dies haben wir deutlich zu spĂŒren bekommen", so der Westfalen-Finanzvorstand weiter. Aufgrund des gesunkenen Preisniveaus lag im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr auch der Umsatz mit Kraftstoffen des GeschĂ€ftsbereiches Mobility unter dem Niveau des Vorjahres.

"Das wird uns in der Entwicklung des Unternehmens aber nicht bremsen. Wir wollen in unseren relevanten GeschĂ€ftsfeldern weiterwachsen - und peilen eine GeschĂ€ftsentwicklung auf gleichem Niveau an", betonte von Stechow bei der PrĂ€sentation der GeschĂ€ftszahlen. "DafĂŒr werden wir auch weiter Geld in die Hand nehmen." Westfalen verfĂŒge ĂŒber eine gute Eigenkapitalbasis, mit der die geplanten Investitionen weiter verfolgt werden könnten. Wie im JubilĂ€umsjahr 2023 angekĂŒndigt, will Westfalen in einem Zeitraum von fĂŒnf Jahren rund eine halbe Milliarde Euro in die Weiterentwicklung des Unternehmens investieren. Von Stechow: "Nur die Rahmenbedingungen fĂŒr Investitionen in unserem Kernmarkt Deutschland könnten durchaus besser sein."

2023 ein ereignisreiches Jahr fĂŒr Westfalen

Eine tragende Rolle in der zukĂŒnftigen Entwicklung der Westfalen-Gruppe werde weiterhin der Industriegase-Bereich spielen, betonte in diesem Zusammenhang Dr. Meike SchĂ€ffler, Produktions- und Technik-VorstĂ€ndin. Mit einer Produktion von deutlich ĂŒber zwei Millionen Flaschen gehört Westfalen zu den fĂŒhrenden Anbietern von Flaschengasen im Mittelstand und will diese Position weiter ausbauen. "Wir setzen im Gase-GeschĂ€ft zunehmend auf moderne Standorte - sowohl in Deutschland als auch im Ausland. So ist es uns in 2023 gelungen, erstmals in unserer Firmengeschichte zwei Werke in einem Jahr zu errichten."

Neben der Errichtung eines AbfĂŒllwerks im französischen Arzal an der AtlantikkĂŒste sowie in Norddeutschland vor den Toren Hamburgs (Lanken) investierte Westfalen 2023 zur StĂ€rkung des Gase-GeschĂ€fts auch in die Erweiterung der eigenen Wasserstoff-Trailerflotte. Mit einer grĂ¶ĂŸeren Investition in ein Pilotprojekt zur Herstellung von umweltfreundlichem Zement unterstreicht das Unternehmen zudem seine Ambitionen, nachhaltige Industrielösungen durch den Einsatz von Sauerstoff zu ermöglichen. Auch das im vergangenen Jahr aus dem GeschĂ€ftsbereich Industriegase hervorgegangene Respiratory Homecare-GeschĂ€ft zur Sauerstoff-Versorgung von Menschen mit Atemwegserkrankungen entwickele sich mittlerweile sehr erfreulich, so SchĂ€ffler weiter.

Im GeschĂ€ftsbereich Mobility will Westfalen neben dem Shop-GeschĂ€ft vor allem den Bereich alternative Antriebe ausweiten - unter anderem soll die Ladeinfrastruktur fĂŒr die E-MobilitĂ€t deutlich ausgebaut werden. "In diesem Jahr wollen wir erstmals einen Ladeabsatz von mehr als zwei Millionen kWh an den Schnellladestationen von Westfalen generieren", gab SchĂ€ffler als Ziel fĂŒr den Bereich an. DafĂŒr sollen in diesem Jahr 32 weitere Schnelllader installiert werden. Das Unternehmen verfĂŒgt aktuell ĂŒber mittlerweile rund 420 Ladepunkte, von denen ein wachsender Teil schnelles Laden ermöglicht. Zum Ende des vergangenen GeschĂ€ftsjahres 2023 waren es 360 Ladepunkte.

Eine positive Entwicklung verzeichnet auch das strombasierte GeschĂ€ft der neuen WĂ€rmepumpen-Tochtergesellschaft NGC.Tec, das bei Westfalen den Bereich Energieversorgung verstĂ€rkt. SchĂ€ffler: "Die WĂ€rmewende findet nicht nur in EinfamilienhĂ€usern statt, sondern geht ĂŒber MehrfamilienhĂ€user bis hin zu Industriebauten. Dementsprechend verfĂŒgt die NGC.Tec ĂŒber die nötige Erfahrung und Expertise, um Heizsysteme etwa auch als Quartierslösungen zu projektieren. Davon wollen wir weiter profitieren."

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