Multinorm-Schutzkleidung, Gefährdungsbeurteilung

Multinorm-Schutzkleidung: Gefährdungsbeurteilung nach Paragraph 5 ArbSchG entscheidet

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Arbeitsplatzrisiken legen fest, welche Schutzfunktionen nötig sind; Pflege und mehrlagige Kleidung unterstützen den Erhalt der Schutzwirkung.
Innenansicht einer modernen Industriehalle mit Maschinen und Stahlarchitektur bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In vielen industriellen und handwerklichen Arbeitsumfeldern sind Beschäftigte nicht nur einem einzelnen Gefahrenmoment ausgesetzt, sondern müssen sich gegen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig absichern. Multinorm-Schutzkleidung ist darauf ausgelegt, die Schutzanforderungen mehrerer Normen in einer Textillösung zu bündeln.

Typische Einsatzfelder umfassen kombinierte Gefährdungen durch Hitze und Flammen, elektrische Störlichtbögen, elektrostatische Aufladung, mangelnde Sichtbarkeit sowie den Kontakt mit bestimmten flüssigen Chemikalien.

Gefährdungsbeurteilung als gesetzliche Entscheidungsgrundlage

Die Anschaffung entsprechender Ausrüstung darf sich in Unternehmen nicht an einer möglichst hohen Anzahl an Normzertifikaten orientieren. Maßgeblich für die Auswahl von Multinorm-Schutzkleidung ist vielmehr die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nach Paragraph 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG).

Arbeitgeber sind verpflichtet, die spezifischen Gefahren am jeweiligen Arbeitsplatz präzise zu ermitteln. Erst auf Basis dieses ermittelten Gefahrenprofils wird bestimmt, welche Schutzklassen und normativen Eigenschaften die persönliche Schutzausrüstung tatsächlich aufweisen muss.

Relevante Normen für vielschichtige Gefahrenlagen

Um die Anforderungen verschiedener Risikobereiche abzudecken, greifen Hersteller und Betriebe auf ein Spektrum standardisierter Prüfnormen zurück:

  • DIN EN ISO 11612: Regelt den Schutz gegen Hitze und Flammen.
  • DIN EN 1149-5: Definiert die Anforderungen an Schutzkleidung mit elektrostatischen Eigenschaften, um entzündliche Entladungen zu vermeiden.
  • DIN EN 61482-2: Bestimmt den Schutz gegen die thermischen Gefahren eines elektrischen Lichtbogens. Die Norm differenziert dabei in zwei Prüfklassen: Klasse 1 umfasst einen Schutz bei einem Prüfstrom von 4 kA, während Klasse 2 für bis zu 7 kA ausgelegt ist.
  • DIN EN 13034 und DIN EN 14605: Decken den Schutz gegen flüssige Chemikalien ab.
  • DIN EN ISO 24232: Spezifiziert den Schutz gegen Witterungseinflüsse wie Regen.
  • DIN EN ISO 20471: Definiert die Kriterien für hochsichtbare Warnkleidung im Arbeitsumfeld.
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Ganzheitlicher Lebenszyklus nach dem SUCaM-Prinzip

Die Wirksamkeit von Schutzkleidung endet nicht mit dem Kauf. In der fachlichen Praxis dient das SUCaM-Prinzip gemäß dem technischen Bericht prCEN/TR 15321 als Richtschnur für den gesamten Umgang mit der Ausrüstung. Das Akronym beschreibt vier aufeinander abgestimmte Phasen:

  1. Auswahl (Select): Abgleich der Schutzfunktionen mit der Gefährdungsbeurteilung.
  2. Nutzung (Use): Korrekte Anwendung und Trageweise durch die Beschäftigten im Arbeitsalltag.
  3. Pflege (Care): Fachgerechte Reinigung unter Berücksichtigung der Schutzbeschichtungen und Materialeigenschaften.
  4. Instandhaltung (Maintenance): Regelmäßige Inspektion auf Beschädigungen sowie sachgerechte Reparatur oder Ausscheidung schadhafter Kleidung.

Dieser ganzheitliche Ansatz gewährleistet, dass die Schutzfunktion über die gesamte Nutzungsdauer hinweg erhalten bleibt.

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Mehrlagiger Schutz durch das Zwiebel-System

Über die Beschaffenheit des einzelnen Kleidungsstücks hinaus spielt die Kombination verschiedener Textillagen eine wichtige Rolle. Ein durchdachtes Zwiebel-System aus Ober- und Unterbekleidung kann die resultierende Gesamtschutzleistung über die rechnerische Summe der einzelnen Komponenten hinaus anheben.

Maßgeblich hierfür sind Lufteinschlüsse, die sich zwischen den Textilschichten bilden. Diese Luftpolster wirken wie eine zusätzliche Barriere und verstärken die thermische Isolationswirkung im Ernstfall deutlich.

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