ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj fordert vom Westen mehr Flugabwehr - Die Nacht im Überblick

Veröffentlicht am: 05.04.2024 um 06:35 Uhr | dpa.de

Nach dem Tod mehrerer RettungskrĂ€fte bei einem russischen Angriff in der ukrainischen Stadt Charkiw hat PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj das Zögern vieler Staaten bei der MilitĂ€rhilfe fĂŒr sein Land als völlig inakzeptabel kritisiert.

"Ein neues Flugabwehrsystem könnte die Lage fundamental verĂ€ndern", sagte Selenskyj in seiner am Donnerstag in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Er sei jedem Land dankbar, das nach Möglichkeiten suche, der Ukraine zu helfen. Zugleich sagte er: "Es ist völlig inakzeptabel, dass so viele LĂ€nder in der Welt noch immer darĂŒber nachdenken, wie sie dem Terror entgegenwirken können, obwohl es nur ein paar politische Entscheidungen braucht."

Die Ukraine fordert fĂŒr einen besseren Schutz ihrer StĂ€dte vor russischen Angriffen fast tĂ€glich noch mehr Flugabwehrsysteme etwa vom US-Typ Patriot. Eine stĂ€rkere Luftverteidigung fĂŒr Charkiw und die gleichnamige Region sowie das Gebiet Sumy und die sĂŒdlichen Regionen der Ukraine sei "absolut dringende Notwendigkeit", sagte Selenskyj.

Der PrÀsident erinnerte daran, dass am Donnerstag bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Wohngebiet ein Mensch getötet worden sei - und als die RettungskrÀfte eintrafen, habe es einen zweiten Luftschlag gegeben. Drei Nothelfer starben. "Das ist eine widerliche russische Taktik", sagte Selenskyj, der im sozialen Netzwerk X (vormals Twitter) den Angehörigen der Opfer sein Beileid aussprach.

Die Diplomaten der Ukraine seien aufgerufen, im Ausland um Flugabwehrsysteme zu werben, sagte der Staatschef. In seiner Videoansprache sagte Selenskyj auch, dass sich die Lage am Boden stabilisiere. Es gelinge, die Besatzer an einem weiteren Vordringen zu hindern. "Angesichts des Mangels an Munition und der erheblichen Verlangsamung der Lieferungen sind diese Ergebnisse wirklich gut."

Selenskyj sagte zudem, dass die Ukraine bei der Produktion von Drohnen und Mitteln der elektronischen KriegsfĂŒhrung stĂ€rker werde. Gearbeitet werde auch an einem Raketenprogramm, um die MilitĂ€rhandlungen der StreitkrĂ€fte in diesem Bereich zu stĂ€rken. Das Land verteidigt sich seit mehr als zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

Nato-GeneralsekretÀr warnt vor Scheitern der Ukraine

Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg warnte mit deutlichen Worten vor einem Scheitern der UnterstĂŒtzungsbemĂŒhungen fĂŒr die Ukraine. Wenn es nicht gelinge, mehr Hilfe zu mobilisieren, bestehe die reale Gefahr, dass Russland noch mehr ukrainisches Territorium erobere, sagte Stoltenberg am Donnerstag nach einem Außenministertreffen in BrĂŒssel. Und dann werde auch die Nato in eine noch gefĂ€hrlichere Lage geraten. Er spielte damit darauf an, dass russische StreitkrĂ€fte dann noch weiter westlich stehen wĂŒrden und das Risiko von Angriffen auch auf Nato-Staaten steigen könnte.

Tatsache sei, dass der einzige Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine darin bestehe, dort starke StreitkrĂ€fte zu garantieren, fĂŒgte der Norweger hinzu. Denn nur so könne der russische PrĂ€sident Wladimir Putin davon ĂŒberzeugt werden, dass er auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen werde.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hatte zuvor bei einer Sitzung des Nato-Ukraine-Rats eindringlich um mehr Patriot-Flugabwehrsysteme fĂŒr sein Land gebeten. Diese seien deshalb so wichtig, weil sie ballistische Raketen abfangen könnten. Kulebas Angaben zufolge hat es allein im MĂ€rz 94 russische Angriffe mit ballistischen Raketen auf die Ukraine gegeben.

WHO: Zahlreiche Angriffe auf Nothelfer in der Ukraine

In der Ukraine ist es nach Darstellung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Angriffen auf medizinische HilfskrĂ€fte in Krankenwagen und bei anderen Gesundheitstransporten gekommen. "Viele Notfallteams geraten entweder auf dem Weg zu einem Einsatz oder an ihren StĂŒtzpunkten unter Beschuss", wurde Halyna Saldan, Leiterin des Zentrums fĂŒr medizinische Notfallversorgung und Katastrophenmedizin der Regionalverwaltung des Gebiets Cherson, in einer Mitteilung der WHO am Donnerstag zitiert. Damit hĂ€tten diese Helfer ein signifikant höheres Risiko verletzt oder getötet zu werden als anderes Gesundheitspersonal.

Laut WHO wurden im ersten Quartal 68 Angriffe auf Einrichtungen des Gesundheitswesens gezÀhlt, davon hÀtten zwölf Attacken den Rettungsdiensten gegolten. Es seien vier Helfer verletzt und zwei getötet worden. "Das ist ein erschreckendes Muster", sagte Emanuele Bruni, WHO-Vorfallmanager in der Ukraine. In den Monaten Januar und MÀrz habe es fast einen Angriff pro Tag gegeben, meist unter Einsatz schwerer Waffen.

Die WHO bekrĂ€ftigte ihre Forderungen nach dem Schutz von Gesundheitspersonal und Patienten. Seit der Invasion Russlands im Februar 2022 hat die WHO 1682 Angriffe auf das Gesundheitswesen in der Ukraine bestĂ€tigt, die demnach zu 128 TodesfĂ€llen und 288 Verletzungen von medizinischem Personal und Patienten fĂŒhrten.

Die WHO definiert einen Angriff auf die Gesundheitsversorgung als jeden Akt verbaler oder physischer Gewalt, Behinderung oder Androhung von Gewalt, der die VerfĂŒgbarkeit, den Zugang oder die Bereitstellung von heilenden oder prĂ€ventiven Gesundheitsdiensten in NotfĂ€llen beeintrĂ€chtigt.

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