ROUNDUP, Kiew

Kiew hofft auf baldige Lieferung von MilitĂ€rhilfe - Nacht im Überblick

22.04.2024 - 06:35:02

Nach der Zusage von MilliardenunterstĂŒtzung aus den USA und neuer Flugabwehrsysteme von den Nato-Mitgliedern schöpft die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion neue Hoffnung.

Allerdings bat PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj die UnterstĂŒtzer seines Landes, die Zeitspanne zwischen Zusagen militĂ€rischer Hilfe und der tatsĂ€chlichen Lieferung möglichst kurz zu halten. "Die Zeit zwischen den politischen Entscheidungen und den tatsĂ€chlichen Verlusten des Gegners an der Front, zwischen der Verabschiedung des Pakets und der StĂ€rke unserer Jungs sollte so kurz wie möglich sein", sagte Selenskyj am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache.

Das US-ReprĂ€sentantenhaus hatte am Samstag die Freigabe eines Hilfspakets im Umfang von 61 Milliarden US-Dollar (rund 57 Mrd Euro) fĂŒr die Ukraine gebilligt, das dringend benötigte Waffenlieferungen zur Verteidigung gegen Russland enthĂ€lt. Davor hatte die Nato am Freitag beschlossen, die Ukraine mit weiteren Flugabwehrsystemen zu stĂ€rken. Ein Zeitrahmen fĂŒr die Lieferung wurde in beiden FĂ€llen nicht genannt. Lediglich in US-MilitĂ€rkreisen verlautete, die benötigten Waffensysteme und Munition könnten schon in KĂŒrze ĂŒbergeben werden.

Der demokratische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Senat, Mark Warner, machte Hoffnung auf eine rasche Lieferung weittragender Raketensysteme vom Typ ATACMS. Er setze darauf, dass diese sofort losgeschickt wĂŒrden, wenn das Gesetz endgĂŒltig verabschiedet sei. Der US-Senat muss dem Paket noch zustimmen, ehe PrĂ€sident Joe Biden das Gesetz unterzeichnen kann. Seine Zustimmung gilt als sicher.

"Jeder Tag ist jetzt wichtig - wichtig in der Kommunikation, in der Politik, in der Logistik", unterstrich Selenskyj die Bedeutung möglichst schneller Lieferung. "Gemeinsam mĂŒssen wir den russischen Terror stoppen, Russlands Kriegspotenzial begrenzen und Putin zwingen, das Offensichtliche zu erkennen - nĂ€mlich, dass dieser Krieg ihm nichts bringen wird."

Kurz zuvor hatte Selenskyj in einem Beitrag auf den Plattformen X (ehemals Twitter) und Telegram auf die Nutzlosigkeit von Waffensystemen in Regalen und Lagerhallen hingewiesen. "Patriots können nur Flugabwehrsysteme genannt werden, wenn sie funktionieren und Leben retten, statt irgendwo unbeweglich in Lagern herumstehen, schrieb er. Moderne Kampfflugzeuge könnten entscheidend daran mitwirken, wenn es darum gehe, "ob Kinder oder Enkel der heutigen Generation in Frieden und Sicherheit leben können".

US-Hilfen nicht zu spÀt

Die US-Hilfen in Milliardenhöhe kommen nach Auffassung von Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg nicht zu spĂ€t. Die Verzögerung habe aber reale Folgen fĂŒr die Ukraine gehabt, sagte Stoltenberg am Sonntag dem US-Sender MSNBC. "Die Ukrainer sind jetzt seit Monaten waffentechnisch unterlegen (...) Die Russen hatten viel mehr Munition und die Ukrainer waren gezwungen, ihre Munition zu rationieren", sagte Stoltenberg. "Aber es ist noch nicht zu spĂ€t. Die Ukrainer haben bei der Verteidigung ihres Landes enorme FĂ€higkeiten bewiesen."

Tschassiw Jar in der Ostukraine schwer umkÀmpft

Die zuletzt schwer umkĂ€mpfte Kleinstadt Tschassiw Jar im Osten der Ukraine bleibt trotz starker russischer Angriffe nach Berichten weiter unter der Kontrolle des ukrainischen MilitĂ€rs. "Tschassiw Jar hĂ€lt", sagte am Sonntag der Sprecher der dortigen TruppenverbĂ€nde, Nasar Woloschyn, im ukrainischen Fernsehen. "Der Feind drĂŒckt zwar, aber die Lage ist unter Kontrolle, es gibt keine russischen Truppen in der Stadt." Die russischen Bodentruppen versuchten erfolglos, mit ArtillerieunterstĂŒtzung vorzudringen. Mindestens 13 russische Angriffe seien bis zum Abend abgewehrt worden, teilte der Generalstab in Kiew am Abend mit. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Die Kleinstadt Tschassiw Jar gilt als nÀchstes Ziel der russischen Armee. Die Front verlÀuft wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Ort liegt unweit der vor knapp einem Jahr von den Russen nach schweren KÀmpfen eingenommenen Stadt Bachmut. Erst vor wenigen Tagen hatte Selenskyj Tschassiw Jar besucht und die Verteidigungsanlagen inspiziert.

Kiew berichtet von starkem Druck russischer Truppen

Das russische MilitĂ€r hat die ukrainischen Verteidiger an verschiedenen Frontabschnitten im Osten und SĂŒden des Landes am Sonntag schwer unter Druck gesetzt. Der Generalstab in Kiew sprach am Sonntagabend in seinem tĂ€glichen Frontbericht von 37 Luftangriffen und schwerem Beschuss durch Mehrfachraketenwerfer. Eine Reihe von Angriffen russischer Einheiten an diversen Abschnitten sei abgeschlagen worden.

Berichte: Russisches Kriegsschiff in Sewastopol schwer beschÀdigt

Das ukrainische MilitĂ€r reklamierte am Sonntag die BeschĂ€digung eines Schiffs der russischen Marine fĂŒr sich. Demnach wurde das Schiff "Kommuna" in einem Hafen von Sewastopol auf der von Russen besetzten Halbinsel Krim getroffen und schwer beschĂ€digt, wie ukrainische Medien unter Berufung auf fĂŒhrende MilitĂ€rs in Kiew berichteten. Zuvor war in russischen sozialen Medien am Sonntag von einer Explosion auf einem Schiff berichtet worden, die möglicherweise auf den Einschlag einer Rakete oder einer Kampfdrohne zurĂŒckzufĂŒhren sei. Eine offizielle ErklĂ€rung dazu von russischer Seite lag zunĂ€chst nicht vor. Die ukrainischen StreitkrĂ€fte haben in den vergangenen Monaten wiederholt russische Schiffe rund um die Krim mit verschiedenen Waffensystemen angegriffen.

Bei dem Schiff handle es sich um das U-Boot-Bergungsschiff "Kommuna", verlautete am Nachmittag aus MilitÀrkreisen in Kiew. Der bereits 1912 auf Stapel gelegte Katamaran ist das wohl Àlteste aktive Schiff der russischen Marine.

Das wird am Montag wichtig

Die Außen- und Verteidigungsminister der EU-Staaten wollen sich an diesem Montag bei einem Treffen in Luxemburg mit ihren Kollegen aus der Ukraine austauschen. Im Zentrum der Beratungen soll die Frage stehen, wie die Ukraine stĂ€rker bei ihrem Abwehrkampf gegen Russland unterstĂŒtzt werden kann.

@ dpa.de