ROUNDUP, Konflikt

Konflikt im Westjordanland nach Anschlag verschÀrft

07.01.2025 - 06:35:02

Nach einem Anschlag mit drei toten Israelis im nördlichen Westjordanland hat die israelische Luftwaffe in der Nacht eine Gruppe Bewaffneter angegriffen.

Ein Kampfflugzeug habe die "Terroristen" in der Gegend von Tamun im Jordantal attackiert, teilte die Armee in der Nacht auf der Plattform X mit. Details wurden zunĂ€chst nicht genannt. Tamun liegt rund 13 Kilometer von Nablus entfernt. Westlich von Nablus hatten mutmaßlich palĂ€stinensische Angreifer zuvor einen Anschlag auf einen Bus verĂŒbt, bei dem zwei Frauen und ein Mann getötet und acht weitere Menschen verletzt wurden. Ob der Luftangriff mit dem Anschlag zusammenhĂ€ngt, war zunĂ€chst unklar.

UnbestĂ€tigten israelischen Medienberichten zufolge kam es nach dem Anschlag zu Übergriffen israelischer Siedler gegen palĂ€stinensische Bewohner. So sollen sie in einem nördlich vom Tatort gelegenen Dorf ein Auto in Brand gesteckt haben. Aufnahmen zeigten, wie Bewohner versuchen, das Feuer zu löschen, berichtete die "Times of Israel". Demnach gab es keine Berichte ĂŒber Festnahmen der gewalttĂ€tigen Siedler durch israelische SicherheitskrĂ€fte.

Israels Armee kĂŒndigt verstĂ€rkten Kampf gegen Terror an

Die ohnehin gespannte Lage im Westjordanland hat sich seit dem TerrorĂŒberfall der islamistischen Hamas in Israel mit 1.200 Toten am 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg deutlich verschĂ€rft. Seitdem wurden dort nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und AnschlĂ€gen von Extremisten rund 800 PalĂ€stinenser getötet. "Wir fĂŒhren einen intensiven und weitreichenden Kampf gegen den Terrorismus in JudĂ€a und Samaria (hebrĂ€isch fĂŒr Westjordanland)", sagte Israels Generalstabschef Herzi Halevi am Tatort des jĂŒngsten Anschlags.

"Wir werden diesen Kampf intensivieren und fortsetzen", sagte Halevi laut einer Mitteilung der Armee auf ihrem Telegram-Kanal. "FĂŒr die Terroristen, die diesen Anschlag verĂŒbt haben, tickt die Uhr", fĂŒgte der Generalstabschef hinzu. Laut Medienberichten hatte ein mutmaßlich palĂ€stinensischer Angreifer aus einem Fahrzeug heraus den Bus beschossen. Zwei TatverdĂ€chtige seien auf der Flucht. "Wir werden die abscheulichen Mörder finden und mit ihnen und all jenen, die ihnen geholfen haben, die Rechnung begleichen. Keiner wird entkommen", sagte der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu.

WelternÀhrungsprogramm beklagt Beschuss von Fahrzeugen in Gaza

An einem Checkpoint im umkĂ€mpften Gazastreifen wurde nach Angaben des WelternĂ€hrungsprogramms (WFP) ein Hilfskonvoi von israelischen SchĂŒssen getroffen. Die Organisation verurteilte "den schrecklichen Vorfall vom 5. Januar aufs SchĂ€rfste". Der WFP-Konvoi sei deutlich gekennzeichnet gewesen, hieß es. Mindestens 16 Kugeln hĂ€tten die drei Fahrzeuge getroffen. Israels Armee teilte auf Anfrage mit, dem Bericht nachzugehen. Der "Times of Israel" erklĂ€rte sie, man werde Lehren aus der Untersuchung des Falls ziehen.

"Die Sicherheitsbedingungen in Gaza mĂŒssen dringend verbessert werden, damit die lebensrettende humanitĂ€re Hilfe fortgesetzt werden kann", forderte die UN-Organisation. Im Zuge des Gaza-Kriegs sind bereits mehrfach Hilfsarbeiter bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen. In Katar lĂ€uft derzeit eine neue Verhandlungsrunde fĂŒr eine Waffenruhe und die Freilassung israelische Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge.

Doch vorerst gehen die KĂ€mpfe in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen weiter. Bei erneuten Angriffen der israelischen Armee auf WohnhĂ€user in Gaza wurden nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira sechs Menschen, darunter ein Kind, getötet. Insgesamt seien im Verlaufe des Montags mindestens 28 Menschen durch Israels Armee getötet worden, hieß es. Die Angaben des Senders konnten unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒft werden.

USA lockern Sanktionsbedingungen fĂŒr Syrien

Die USA lockern derweil vorĂŒbergehend die Sanktionsbedingungen zur Erleichterung humanitĂ€rer Hilfe in Syrien. Die weitreichenden Sanktionen gegen das Land an sich bleiben jedoch bestehen. Die Maßnahme gelte fĂŒr sechs Monate, teilte das US-Finanzministerium mit. Hilfsorganisationen und Firmen, die lebenswichtige GĂŒter liefern, wird eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Solange unklar ist, in welche Richtung sich die neue FĂŒhrung in dem geschundenen Land bewegt, hĂ€lt Washington vorerst an den Sanktionen fest. Syriens neue Regierung geht aus der islamistischen Rebellengruppe HTS hervor, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wird.

US-Außenminister Antony Blinken bekrĂ€ftigte in einem GesprĂ€ch mit seinem saudi-arabischen Kollegen Prinz Faisal bin Farhan al-Saud die UnterstĂŒtzung der USA fĂŒr einen friedlichen politischen Übergang in Syrien, wie ein Sprecher des US-Außenministeriums mitteilte. Die Rechte und fundamentalen Freiheiten aller Syrer, einschließlich Angehöriger von Minderheiten, mĂŒssten respektiert werden. Zugleich betonte Blinken demnach die Notwendigkeit, dass die internationale Gemeinschaft den Fluss humanitĂ€rer Hilfe in Syrien erleichtert.

Erdogan droht mit Einsatz gegen Kurdenmilizen in Syrien

Derweil drohte der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan indirekt mit einem neuen MilitĂ€reinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien. Man werde Terror in der Region nicht zulassen, sagte Erdogan mit Blick auf die YPG. Seit dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Anfang Dezember rĂŒcken protĂŒrkische KĂ€mpfer weiter in von Kurdenmilizen kontrollierte Gebiete im Norden Syriens vor. Die TĂŒrkei hat dort bereits mehrere MilitĂ€reinsĂ€tze gegen die YPG durchgefĂŒhrt und hĂ€lt mit der UnterstĂŒtzung von Rebellen Grenzregionen besetzt. Ankara sieht die Kurdenmiliz als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - und damit als Terrororganisation.

@ dpa.de