HDE, Inflation

Wegen der hohen Inflation wird weniger gekauft

04.07.2023 - 13:09:01

Nach einer aktuellen Prognose dĂŒrften die UmsĂ€tze im Einzelhandel in diesem Jahr inflationsbereinigt noch etwas stĂ€rker sinken als bisher erwartet. Besonders hart trifft es den stationĂ€ren Handel.

Die hohe Inflation macht dem Einzelhandel in Deutschland außerordentlich zu schaffen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht in einer am Dienstag veröffentlichen neuen Prognose davon aus, dass die UmsĂ€tze der Branche in diesem Jahr real - also preisbereinigt - um vier Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen werden. Bisher war der Handel von einem realen Minus von drei Prozent ausgegangen. Nominal dĂŒrften die UmsĂ€tze der jĂŒngsten Prognose zufolge um drei Prozent auf gut 650 Milliarden Euro steigen.

HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth verwies auf eine Verbandsumfrage, nach der ein Viertel der Verbraucher in Deutschland Angst haben, nicht mehr mit dem Geld auszukommen. «Oft kaufen sie weniger, in vielen FĂ€llen weichen sie auf gĂŒnstigere Produkte aus», sage Genth. Insgesamt gĂ€ben 45 Prozent der Bevölkerung an, sich in irgendeiner Weise einzuschrĂ€nken.

Wie hart die Inflation den Handel trifft, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Reale Umsatzeinbußen verzeichnete die Branche zuletzt in der Finanzkrise 2009. Damals fiel der Einbruch der UmsĂ€tze mit inflationsbereinigt 3,4 Prozent allerdings noch etwas geringer aus, als es fĂŒr dieses Jahr erwartet wird. Einen Einbruch in vergleichbarer Höhe habe es mindestens seit der Jahrtausendwende nicht mehr gegeben.

Besonders stark trifft die Konsumflaute der HDE-Prognose zufolge den stationĂ€ren Handel. Hier sollen die UmsĂ€tze inflationsbereinigt in diesem Jahr sogar um fĂŒnf Prozent schrumpfen. Das hat Folgen. Der Handelsverband geht davon aus, dass in diesem Jahr rund 9000 GeschĂ€fte fĂŒr immer ihre TĂŒren schließen werden. Das wĂ€ren fast doppelt so viele wie in einem «normalen» Jahr vor der Corona-Krise.

Online sieht es deutlich besser aus

Vor allem langlebige Produkte wie Möbel, Bau- und Heimwerkerbedarf oder FahrrĂ€der wĂŒrden zurzeit deutlich seltener gekauft als in den vergangenen Jahren, berichtete HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen.

Im Onlinehandel soll es dagegen in diesem Jahr nach einem deutlichen RĂŒckschlag 2022 zumindest wieder ein leichtes reales Wachstum von zwei Prozent geben. In den kommenden Jahren rechnet der HDE dann wieder mit krĂ€ftigeren ZuwĂ€chsen im Internethandel.

Die insgesamt schwierige Lage der Branche spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer aktuellen HDE-Umfrage unter rund 900 Handelsunternehmen. Demnach rechnen 35 Prozent der HĂ€ndlerinnen und HĂ€ndler fĂŒr das zweite Halbjahr mit UmsatzrĂŒckgĂ€ngen. FĂŒr das Gesamtjahr geht nur gut jeder dritte HĂ€ndler von im Vergleich zum Vorjahr steigenden Erlösen aus.

LieferengpÀsse sind seltener geworden

Neben der KaufzurĂŒckhaltung vieler Konsumentinnen und Konsumenten machen den Unternehmen der HDE-Umfrage zufolge auch die Preisentwicklung im Einkauf und die hohen Energiekosten zu schaffen. Mit Sorgen blickt die Branche außerdem auf den FachkrĂ€ftemangel und den AttraktivitĂ€tsverlust der InnenstĂ€dte.

Doch gibt es laut von Preen auch einige Lichtblicke fĂŒr die Branche. Die Inflation habe offenbar ihren Höhepunkt ĂŒberschritten und auch LieferengpĂ€sse seien seltener geworden, sagte der Branchenkenner. In der zweiten JahreshĂ€lfte rechnet der HDE deshalb mit zumindest stabilen oder sogar besseren Rahmenbedingungen fĂŒr den Einzelhandel in Deutschland.

@ dpa.de