US-Kongress billigt milliardenschwere Ukraine-Hilfen
24.04.2024 - 06:00:04Der Gesetzentwurf, der unter anderem Hilfen im Umfang von rund 61 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro) fĂŒr Kiew enthĂ€lt, muss nun noch von US-PrĂ€sident Joe Biden unterschrieben werden, was als Formalie gilt. Das ReprĂ€sentantenhaus hatte bereits am Samstag dem Gesetzentwurf zugestimmt, der auch UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel beinhaltet.
79 der 100 Senatorinnen und Senatoren votierten bei der Abstimmung am spĂ€ten Dienstagabend (Ortszeit) dafĂŒr, 18 dagegen. Die Zustimmung in der Parlamentskammer, in der die Demokraten eine Mehrheit haben, galt als sicher. Biden hatte bereits angekĂŒndigt, das Gesetz unmittelbar nach Billigung durch den Senat zu unterschreiben.
Die Ukraine dĂŒrfte nun zeitnah die dringend benötigten Hilfen aus den USA erhalten. Im mehr als zwei Jahre dauernden Angriffskrieg Russlands gelten die USA als wichtigster VerbĂŒndeter der Ukraine. Das Pentagon hat ĂŒbereinstimmenden US-Medienberichten zufolge bereits ein erstes Paket mit umfassenden MilitĂ€rhilfen vorbereitet, um der Ukraine die Hilfen nach Unterzeichnung des Gesetzes durch den PrĂ€sidenten so schnell wie möglich zur VerfĂŒgung zu stellen. Pentagon-Sprecher Pat Ryder sagte am Dienstag, man sei in der Lage "innerhalb weniger Tage" neue MilitĂ€rhilfe zu liefern.
Das Paket sieht unter anderem Mittel fĂŒr die Aufstockung des US-MilitĂ€rbestands vor. Dieses Geld geht somit nur indirekt an die Ukraine, da die USA das von Russland angegriffene Land in der Regel mit AusrĂŒstung aus eigenen BestĂ€nden ausstatten. Der Rest ist fĂŒr weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung und Finanzhilfe auch in Form von Darlehen vorgesehen. Der Text dringt auĂerdem auf die Lieferung der weittragenden Raketensysteme vom Typ ATACMS. Bisher haben die USA ATACMS mit einer Reichweite von 165 Kilometern geliefert. Die Ukraine wĂŒnscht sich aber Systeme mit einer Reichweite von 300 Kilometern.
Neben der Hilfen fĂŒr die Ukraine billigte der Senat gut 26 Milliarden US-Dollar an UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel. Damit sollen zum Beispiel Israels Raketenabwehr und die laufenden MilitĂ€roperationen der USA in der Region finanziert werden. Rund neun Milliarden US-Dollar sind fĂŒr humanitĂ€re UnterstĂŒtzung gedacht, darunter fĂŒr die Menschen im Gazastreifen. In dem Paket sind zudem rund acht Milliarden US-Dollar an UnterstĂŒtzung fĂŒr Taiwan und den Indopazifik-Raum enthalten.
Am Montag hatten Biden und der ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymr Selenskyj miteinander telefoniert. Nach Angaben des WeiĂen Hauses versprach Biden Selenskyj in dem GesprĂ€ch, schnell neue Sicherheitshilfen bereitzustellen, "um den dringenden Bedarf der Ukraine auf dem Schlachtfeld und in der Luftverteidigung zu decken". Selenskyj sagte im Anschluss, es seien Details zur Lieferung neuer reichweitenstarker Raketen vom Typ ATACMS "finalisiert" worden. Selenskyj machte noch keine Angaben dazu, welches Modell ATACMS die USA liefern wollen.
Die bisherigen US-Hilfen fĂŒr die Ukraine waren ausgelaufen. Kiew ist auf die UnterstĂŒtzung der USA angewiesen. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 hat die Regierung von PrĂ€sident Biden militĂ€rische Hilfe im Umfang von mehr als 44 Milliarden US-Dollar fĂŒr Kiew bereitgestellt. Hinzu kommen noch weitere Milliarden an nichtmilitĂ€rischer Finanzhilfe.
Der Abstimmung im ReprĂ€sentantenhaus vorausgegangen war eine monatelange Blockade, weil in der von den Republikanern dominierten Kammer ein parteiinterner Machtkampf tobte. Der Vorsitzende Mike Johnson stand unter groĂem Druck vom rechten Rand seiner Partei und verhinderte die Abstimmung in seiner Kammer lange Zeit. Die Hardliner drohten ihm mit einem Misstrauensvotum. Sie lehnen weitere US-Hilfen fĂŒr die Ukraine vehement mit der Argumentation ab, Steuergelder sollten zuallererst fĂŒr den Schutz der eigenen Grenze ausgegeben werden und nicht fĂŒr den Schutz anderer LĂ€nder./trö/DP/zb

