Bundeswehr-General, DurchhaltefÀhigkeit

Bundeswehr-General: DurchhaltefÀhigkeit der Russen 'nicht so gesehen'

29.12.2023 - 08:08:17

Nach EinschÀtzung des Bundeswehr-Generalmajors Christian Freuding sind beim Blick auf den Ukraine-Krieg manche russische FÀhigkeiten anfangs nicht erkannt worden.

Man habe "die DurchhaltefĂ€higkeit der Russen am Anfang nicht so gesehen, wie wir sie heute beurteilen", sagte der Leiter des Ukraine-Lagezentrums im Verteidigungsministerium der "SĂŒddeutschen Zeitung". "Wir haben auch nicht gesehen, dass ihnen gelingen wird, was wir jetzt klar beobachten: Dass sie ihren militĂ€risch-industriellen Komplex hochfahren, ausbauen, ProduktionskapazitĂ€ten, trotz des drakonischen Sanktionsregimes, steigern."

Man habe vielleicht nicht gesehen oder nicht sehen wollen, dass sie in der Lage seien, von VerbĂŒndeten weiterhin versorgt zu werden. "Sei es Nordkorea, sei es China, auch Staaten aus dem globalen SĂŒden. Und wenn diese Staaten nur KĂŒhlschrank-Beleuchtungen liefern, die dann zu militĂ€rischen Zwecken verwendet werden können."

Die Erwartung, dass die Ukrainer bei ihrer Gegenoffensive schnell möglichst große militĂ€rische Erfolge erzielen, sei "in der RĂŒckschau sicherlich ĂŒberhöht" gewesen. Zugleich betonte Freuding, aus seinem militĂ€rischen Blickwinkel betrachtet hĂ€tten die ukrainischen StreitkrĂ€fte Erfolg. "80 Prozent der Ukraine sind immer noch frei, und das nach zwei Jahren gegen eine angebliche militĂ€rische Großmacht. 50 Prozent der Gebiete, die sie verloren hatten, haben sie wiedergewonnen. Die Schwarzmeerflotte der Russen ist de facto aus dem westlichen Schwarzmeer verdrĂ€ngt." Der Ukraine gelinge es zunehmend, "SchlĂ€ge auch mit selbstgebauten Waffensystemen in der Tiefe hinter den russischen Linien zu fĂŒhren".

Freuding betonte, die russischen Verluste an Mensch und Material seien enorm. "Wir gehen davon aus, dass sie im hohen vierstelligen Bereich Verluste an Kampfpanzern und SchĂŒtzenpanzern zu verzeichnen haben."

Mit Blick auf die Bundeswehr sagte Freuding, der auch den Planungsstab im Verteidigungsministerium leitet, eine wichtige Lehre aus dem Krieg in der Ukraine sei die völlig neue Bedeutung von Drohnen-KriegsfĂŒhrung. "Wir haben jetzt eine Task Force Drohne eingerichtet. Sie soll uns rasch ermöglichen, unterschiedliche Drohnen-Typen und auch Systeme zur Drohnen-Abwehr in die Truppe einzufĂŒhren, damit wir auch mit Ausbildung, mit Experimentieren beginnen können." Das werde nicht nur fĂŒr mechanisierte VerbĂ€nde des Heeres relevant sein. "Einsatz und Abwehr von Drohnen wird in StreitkrĂ€ften eine "Jedermann"-Aufgabe werden", kĂŒndigte er an.

@ dpa.de