Scholz telefoniert erstmals seit zwei Jahren mit Putin
15.11.2024 - 15:23:14Das GesprĂ€ch hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Stunde gedauert. Ăber die Inhalte wurde zunĂ€chst nichts bekannt. Zuerst hatte die "SĂŒddeutsche Zeitung" darĂŒber berichtet.
Zuletzt hatten Scholz und Putin am 2. Dezember 2022 eine Stunde lang telefoniert. Der Kanzler bemĂŒht sich aktuell um eine zweite Ukraine-Friedenskonferenz nach einem Gipfel in der Schweiz im vergangenen Sommer, an dem dann auch Russland teilnehmen könnte. Bisher ist dafĂŒr aber kein Termin in Sicht.
Der Westen hat wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine, der im Februar 2022 begann, die GesprÀchskanÀle nach Moskau weitgehend stillgelegt.
Letzte persönliche Begegnung kurz vor der Invasion
Zum letzten Mal hatte Scholz Putin gut eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine bei seinem Antrittsbesuch in Moskau persönlich getroffen. Wegen Corona saĂen beide im Kreml an einem riesigen ovalen Tisch meterweit voneinander entfernt. Nach der Invasion gab es noch einzelne Telefonate, die dann aber abbrachen. Das hatte vor allem mit der russischen KriegfĂŒhrung in der Ukraine und fehlender Aussicht auf konkrete Ergebnisse zu tun.
Scholz: "Ich mache das nicht im Alleingang"
Scholz hatte in den vergangenen Monaten immer wieder gesagt, dass er zu einem GesprÀch mit Putin bereit sei. Er wolle nur den richtigen Zeitpunkt finden. In der ARD erklÀrte der Kanzler am Sonntag, dass dieser Zeitpunkt "demnÀchst" gekommen sein könnte. "Ja, ich habe mir vorgenommen, mit dem russischen PrÀsidenten zur richtigen Zeit zu sprechen. Aber ich bin ein verantwortlicher Politiker, ich mache das nicht im Alleingang." Ein GesprÀch mit Putin setze viele Kontakte und GesprÀche mit sehr vielen anderen voraus.
G20-Gipfel dĂŒrfte Anlass des GesprĂ€chs sein
Der Zeitpunkt des GesprĂ€chs dĂŒrfte mit dem bevorstehenden G20-Gipfel im brasilianischen Rio de Janeiro zusammenhĂ€ngen, zu dem Scholz am Sonntag aufbricht. Dort wird auch der russischen AuĂenminister Sergej Lawrow erwartet.
Putin selbst hatte am 18. Oktober seine Teilnahme am Gipfel abgesagt, um nicht "die normale Arbeit des Forums zu stören", das andere Themen habe. Gegen Putin liegt ein internationaler Haftbefehl des Weltstrafgerichts in Den Haag vor wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine. Er wĂŒrde in Brasilien eine Festnahme riskieren.
Die G20 der fĂŒhrenden WirtschaftsmĂ€chte aller Kontinente ist das einzige GesprĂ€chsformat, in dem Russland und die Nato-Staaten noch hochrangig an einem Tisch sitzen. Scholz plant dort kein GesprĂ€ch mit Lawrow. Nach Angaben aus seinem Umfeld wird er aber mit dem chinesischen PrĂ€sidenten Xi Jinping ĂŒber den Ukraine-Krieg sprechen, der als wichtigster VerbĂŒndeter Putins gilt.
Scholz telefonierte vorher auch mit Selenskyj
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj ist nicht zum G20-Gipfel eingeladen. Scholz telefonierte am Mittwochabend mit ihm, um ĂŒber die militĂ€rische und humanitĂ€re Lage in der Ukraine zu sprechen. Gut möglich, dass der Kanzler Selenskyj in dem GesprĂ€ch auf das Telefonat mit Putin vorbereitet hat.
"Der Bundeskanzler bekrĂ€ftigte die anhaltende und unverbrĂŒchliche SolidaritĂ€t mit der Ukraine angesichts der seit nunmehr fast 1.000 Tagen anhaltenden Aggression Russlands", teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit anschlieĂend mit. "Er versicherte, dass Deutschland die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine auch im militĂ€rischen Bereich in enger Abstimmung mit europĂ€ischen und internationalen Partnern fortfĂŒhren werde."
Kurz zuvor hatte Scholz aber im Bundestag bekrĂ€ftigt, dass Deutschland die von der Ukraine gewĂŒnschten Marschflugkörper Taurus mit einer Reichweite von 500 Kilometern nicht an die Ukraine liefern werde.
Kreml sieht NervositÀt im Westen nach Trumps Sieg
Russland hatte nach dem Sieg von Donald Trump bei der US-PrĂ€sidentenwahl erneut grundsĂ€tzliche Bereitschaft zum Dialog ĂŒber die Ukraine signalisiert - auch mit Scholz. Moskau sieht im Westen NervositĂ€t mit Blick auf die Ukraine. Es sei voreilig, nun ĂŒber VerĂ€nderungen der Positionen bei den EuropĂ€ern zu sprechen, hieĂ es. "Aber es gibt offizielle ErklĂ€rungen von europĂ€ischen Vertretern, die von der Fortsetzung ihrer allgemeinen Linie sprechen, alle Arten von UnterstĂŒtzung zu leisten. Und auf Russisch heiĂt das, Waffen in die Ukraine zu pumpen, um diesen Krieg bis zum Ende fortzusetzen", sagte Peskow.
Trump hatte im Wahlkampf angekĂŒndigt, er werde den Ukraine-Krieg binnen kĂŒrzester Zeit durch einen Deal mit Russland beenden. Details nannte er nicht. Putin gratulierte Trump vorige Woche zum Wahlsieg und zeigte sich nach auĂen hin offen fĂŒr einen Dialog. Zugleich betonte er, dass Trump unberechenbar sei und daher abzuwarten bleibe, was auf seine AnkĂŒndigungen folgt.
Moskau dementierte GesprÀch zwischen Putin und Trump
Am Montag wies Kemlsprecher Peskow einen Bericht der "Washington Post" zurĂŒck, nach dem Putin und Trump nach der US-Wahl telefoniert haben sollen. "Es gab kein GesprĂ€ch", sagte Peskow. "Es ist reine Fiktion, es sind einfach falsche Informationen." Russland sei weiter offen fĂŒr GesprĂ€che. Putin wollte aber nicht als Erster anrufen, weil nicht Russland, sondern der Westen den Kontakt abgebrochen habe.

