Bahn-Schlichter legen Kompromissvorschlag vor
26.07.2023 - 18:14:01Im Schlichtungsverfahren ĂŒber neue Tarife bei der Deutschen Bahn haben die Vermittler einen Kompromissvorschlag prĂ€sentiert. Er sieht unter anderem eine stufenweise Einkommenserhöhung um insgesamt 410 Euro pro Monat sowie eine Laufzeit von 25 Monaten vor, wie die beiden Schlichter - die Arbeitsrechtlerin Heide Pfarr (SPD) und der frĂŒhere Verteidigungs- und Innenminister Thomas de MaiziĂšre (CDU) - in Potsdam mitteilten. Sollten die Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dem Vorschlag zustimmen, könnten FahrgĂ€ste aufatmen, Streiks gĂ€be es dann nicht.
Der Vorschlag im Detail
Konkret haben die beiden Schlichter eine stufenweise Erhöhung der Entgelte um 410 Euro vorgeschlagen. Die erste Stufe in Höhe von 200 Euro soll noch im Dezember dieses Jahres kommen, die zweite im August 2024. AuĂerdem soll es im Oktober eine Einmalzahlung in Höhe von 2850 Euro geben. Als Laufzeit schlagen Pfarr und de MaiziĂšre 25 Monate vor. Hinzu kommen strukturelle Entgelterhöhungen fĂŒr bestimmte Berufsgruppen. Laut EVG könnten damit rund 70 000 BeschĂ€ftigte pro Monat noch einmal 100 Euro zusĂ€tzlich erhalten.
Wie es nun weiter geht
Ăber den Vorschlag mĂŒssen nun beide Seiten in ihren Gremien entscheiden. Bei der Bahn gilt die Zustimmung als Formsache. Bei der EVG ist es komplizierter. ZunĂ€chst ist fĂŒr kommenden Freitag ein Treffen des Bundesvorstands geplant. Er soll noch am selben Tag eine Empfehlung abgeben, ob die EVG den Schlichterspruch akzeptiert oder nicht. Dann geht es in die Urabstimmung. Rund 180 000 Bahn-BeschĂ€ftigte sind dabei aufgerufen, ĂŒber den Kompromissvorschlag abzustimmen. Um das Votum des Bundesvorstands zu ĂŒberstimmen, brauchen die Mitglieder eine Dreiviertelmehrheit. Andersherum bedeutet das: Folgen mehr als ein Viertel der Teilnehmer der Empfehlung des Vorstands, gilt dieser. Die Urabstimmung ist bis Ende August angesetzt.
Was das fĂŒr die FahrgĂ€ste bedeutet
FĂŒr die FahrgĂ€ste Ă€ndert sich erst einmal nichts. Die EVG hat Warnstreiks fĂŒr die Dauer der Urabstimmung, also bis Ende August, zunĂ€chst ausgeschlossen. Der Beschluss des Bundesvorstands voraussichtlich an diesem Freitag dĂŒrfte die weitere Richtung vorgeben. Stimmen er und die Mitglieder zu, gibt es eine Tariflösung und die Kundinnen und Kunden mĂŒssen auch ĂŒber den August hinaus keine AusstĂ€nde mehr befĂŒrchten. Stimmt die EVG gegen den Vorschlag, sind ab Ende August unbefristete Streiks möglich.
Gewinner und Verlierer
Der Kompromiss verlangt beiden Seiten einiges ab: Statt einer prozentualen Erhöhung muss die Bahn nun um FestbetrĂ€ge aufstocken. Diese liegen in der Höhe deutlich unter der ursprĂŒnglichen Forderung der EVG. Die Gewerkschaft hatte mindestens 650 Euro mehr pro Monat oder zwölf Prozent bei den oberen Einkommensgruppen gefordert sowie eine Laufzeit von zwölf Monaten. Die Bahn wiederum hatte zuletzt acht Prozent mehr fĂŒr die oberen, zehn Prozent fĂŒr die mittleren und zwölf Prozent fĂŒr die unteren Entgeltgruppen angeboten. Als Laufzeit wollte der Konzern 27 Monate durchsetzen.


