EU-LĂ€nder: Verbraucher vor ausufernden Strompreisen schĂŒtzen
17.10.2023 - 18:13:26Die EU-LĂ€nder wollen Verbraucher besser vor ausufernden Strompreisen schĂŒtzen. Die Energieminister einigten sich am Dienstag in Luxemburg nach monatelangen Verhandlungen auf eine gemeinsame Position zu VorschlĂ€gen fĂŒr eine Reform des europĂ€ischen Strommarkts.
«Ziel der Reform ist es, die Strompreise unabhĂ€ngiger von den schwankenden Preisen fĂŒr fossile Brennstoffe zu machen, die Verbraucher vor Preisspitzen zu schĂŒtzen, den Einsatz erneuerbarer Energien zu beschleunigen und den Verbraucherschutz zu verbessern», teilten die LĂ€nder mit. Die Einigung ermöglicht nun GesprĂ€che mit dem Europaparlament, um die Reform abzuschlieĂen.
Der Kompromiss sieht vor, Verbraucherinnen und Verbraucher vor stark schwankenden Preisen zu schĂŒtzen, wie sie etwa wĂ€hrend der Energiekrise im vergangenen Jahr vorkamen. Daneben sollen sie sowie die Industrie von einer gĂŒnstigeren Stromproduktion profitieren. Zudem ist geplant, dass Privatleute ein Recht auf FestpreisvertrĂ€ge als auch auf VertrĂ€ge mit dynamischen Preisen haben, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Weiterhin sollen etwa schutzbedĂŒrftige Kunden besser davor bewahrt werden, dass ihnen der Strom abgedreht wird.
Im Mittelpunkt der BemĂŒhungen stehen neue langfristige VertrĂ€ge zwischen Regierungen und Stromerzeugern, sogenannte Contracts for Difference (CfDs). Mit diesen DifferenzvertrĂ€gen garantieren die Staaten Stromerzeugern einen Mindestpreis fĂŒr Strom, wenn sie neue Investitionen tĂ€tigen. Gelten soll dies fĂŒr Investitionen in erneuerbare Energien und in Kernkraft. FĂ€llt der Marktpreis unter einen vereinbarten Preis, springt der Staat ein und gleicht die Differenz aus. Liegt der Preis höher, geht der Ăberschuss an den Staat. Auf diese Weise sollen Anreize fĂŒr die heimische Erzeugung von sauberem Strom geschaffen werden.
Deutschland und Frankreich ĂŒber Kreuz
Die Positionen der LĂ€nder gingen lange teils weit auseinander. Dabei standen sich vor allem Deutschland und Frankreich gegenĂŒber. Berlin befĂŒrchtete, dass eine Bestimmung in der neuen Verordnung, die Subventionen fĂŒr Atomstrom zulĂ€sst, den Wettbewerb in der EU letztlich zum Vorteil von LĂ€ndern mit einer groĂen Atomstromproduktion wie Frankreich verzerren könnte.
Der nun gefundene Kompromiss siehe vor, dass langfristige VertrĂ€ge ĂŒber subventionierte Energiepreise auch fĂŒr bestehende Kernkraftwerke möglich sein sollen, jedoch den Regeln der EuropĂ€ischen Kommission fĂŒr staatliche Beihilfen unterliegen, sagte EU-Energiekommissarin Kadri Simson. Die Kommission werde sicherstellen, dass es nicht zu unangemessenen Wettbewerbsverzerrungen komme, so Simson.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) sagte, Europa habe HandlungsfĂ€higkeit bewiesen. «Die Einigung verbessert den Zugang von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Industrie zu gĂŒnstigen Strompreisen in ganz Europa.» Das Krisenjahr 2022 habe gezeigt, dass der europĂ€ische Strommarkt grundsĂ€tzlich funktioniere. Trotz groĂer Belastungen sei es geschafft worden, die Stromversorgung in einer der gröĂten Stromkrisen der europĂ€ischen Geschichte zu gewĂ€hrleisten. «Mit dem neuen Strommarktdesign stĂ€rken wir das Stromsystem jetzt weiter.»
Wegen extrem gestiegener Strompreise im vergangenen Jahr waren Rufe nach einer Reform des europĂ€ischen Strommarktes laut geworden. Grund fĂŒr die hohen Preise war unter anderem, dass zeitweise rund die HĂ€lfte der französischen Atomkraftwerke ausfiel. Zudem war der Anstieg eine Folge explodierender Gaspreise wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Der Strommarkt in der EU funktioniert nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip. Dies bezeichnet die Einsatzreihenfolge der an der Strombörse anbietenden Kraftwerke. Kraftwerke, die billig Strom produzieren können, werden zuerst herangezogen, um die Nachfrage zu decken. Das sind zum Beispiel Windkraftanlagen. Am Ende richtet sich der Preis aber nach dem zuletzt geschalteten, also teuersten Kraftwerk - oft Gaskraftwerke.
Grundlage fĂŒr den Kompromiss ist ein Gesetzesvorschlag der EU-Kommission aus dem FrĂŒhjahr. Das Parlament einigte sich bereits Mitte September auf eine gemeinsame Position.





