Trump empfÀngt Selenskyj
18.08.2025 - 06:34:58Der Ukrainer wird bei den GesprĂ€chen in Washington ĂŒber Wege aus dem russischen Angriffskrieg von europĂ€ischen Regierungschefs und Spitzenpolitiker begleitet. Darunter sind Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte.
Nach Angaben des WeiĂen Hauses ist auch ein bilaterales GesprĂ€ch zwischen Trump und Selenskyj im Oval Office geplant. Der Tag könnte je nach Verlauf ein Zwischenschritt hin zu einem möglichen dritten Treffen sein - dann zwischen Russland und der Ukraine.
Trump: Beendigung des Kriegs liegt in Selenskyjs HĂ€nden
Stunden vor dem Treffen lagen die Sichtweisen darauf, wer das Kriegsende herbeifĂŒhren könnte, auseinander. Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social: "Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj kann den Krieg mit Russland fast sofort beenden, wenn er will, oder er kann weiterkĂ€mpfen". In der Vergangenheit hatte Trump dem Ukrainer bereits eine Mitschuld - und teils sogar die alleinige Verantwortung - an Russlands 2022 begonnenem Angriffskrieg gegeben. Nur kurz darauf schrieb Selenskyj, der nach eigenen Angaben bereits in Washington angekommen ist, auf X: "Russland muss diesen Krieg beenden, den es selbst begonnen hat."
Ăber was wird gesprochen?
Laut deutscher Bundesregierung wird am Montag (Ortszeit) unter anderem ĂŒber "Sicherheitsgarantien, territoriale Fragen und die fortdauernde UnterstĂŒtzung der Ukraine in der Abwehr der russischen Aggression" gesprochen. Mit Sicherheitsgarantien sind MaĂnahmen zum Schutz eines Landes vor Angriffen gemeint. Und zu den territorialen Fragen: Russland besteht darauf, dass die Ukraine Gebietsverluste anerkennt und fordert angeblich auch den gesamten Donbass. Selenskyj lehnte das kategorisch ab.
Was wird aus dem Donbass?
Seit dem Alaska-Gipfel zwischen Trump und Putin am Freitag mehren sich unbestĂ€tigte Medienberichte, dass der US-PrĂ€sident die Möglichkeit fĂŒr ein schnelles Friedensabkommen sieht, wenn die Ukraine Russland den gesamten Donbass ĂŒberlĂ€sst. Inbegriffen seien auch strategisch wichtige Gebiete, die russische StreitkrĂ€fte bisher nicht unter ihre Kontrolle bringen konnten.
Ohnehin sind Gebietsabtretungen, die die Ukraine dann hinnehmen mĂŒsste, zuletzt immer wieder diskutiert worden. Zum Beispiel verlangt Russland, dass die Ukraine auf eine Vielzahl von Gebieten verzichtet, was Selenskyj kategorisch ablehnt.
Die Schwarzmeer-Halbinsel Krim rĂŒckte kurz vor dem Treffen in den Fokus: Trump hĂ€lt eine RĂŒckgabe der 2014 von Russland annektierten Halbinsel fĂŒr unrealistisch, wie er in seinem Post auf Truth Social deutlich machte. Selenskyj hingegen schrieb, die Krim hĂ€tte nie aufgegeben werden dĂŒrfen.
Sicherheitsgarantien im Mittelpunkt der GesprÀche
Bei den GesprÀchen wird es auch um das Szenario eines Nato-Àhnlichen Schutzversprechens der USA und europÀischer Staaten an die Ukraine gehen. Nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff hat Russland Sicherheitsgarantien nach dem Vorbild des Artikel 5 im Nato-Vertrag zugestimmt - was Putin im Gegenzug von den USA, der Ukraine oder Europa erhalten soll, war zunÀchst unklar.
Artikel 5 des Nato-Vertrags sieht vor, "dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird". Der Nato-Rat stellt den BĂŒndnisfall fest, erklĂ€rt wurde er bisher erst einmal: nach den TerroranschlĂ€gen in den USA vom 11. September 2001. Im Gegensatz zum ursprĂŒnglichen Artikel 5 wĂŒrde im diskutierten Szenario aber nicht das atlantische BĂŒndnis einspringen - die Vereinigten Staaten und europĂ€ische LĂ€nder stĂŒnden stattdessen in der Pflicht.
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron Ă€uĂerte sich skeptisch ĂŒber mögliche FriedensplĂ€ne Russlands. Er glaube nicht, dass Putin nach Frieden strebt. "Denke ich, dass PrĂ€sident Putin Frieden will? Die Antwort ist Nein", sagte Macron. "Ich glaube, dass er die Kapitulation der Ukraine will."
Selenskyj drÀngt auf Sicherheitsgarantien
Selenskyj stimmte sich vor dem Gipfel in Washington mit den europĂ€ischen VerbĂŒndeten in BrĂŒssel ab. Von der Leyen stellte heraus, dass auch die USA zu Schutzversprechen bereit seien. "Wir begrĂŒĂen die Bereitschaft von PrĂ€sident (Donald) Trump, zu Artikel 5-Ă€hnlichen Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine beizutragen", sagte die deutsche Politikerin. Die "Koalition der Willigen", einschlieĂlich der EU, sei bereit, ihren Teil beizutragen.
Der Angriff Russlands auf die Ukraine war kein solcher BĂŒndnisfall, da das Land nicht Mitglied der Nato ist. Selenskyj sagte am Sonntag, auch eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine sei eine Garantie fĂŒr die Sicherheit des Landes.
USA berichten von angeblichem ZugestÀndnis Russlands
Ein Nato-Beitritt der Ukraine ist Russland allerdings ein Dorn im Auge - dies ist nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff nicht diskutierbar. "Wir konnten das sozusagen umgehen und eine Vereinbarung erzielen, dass die Vereinigten Staaten einen Schutz Ă€hnlich dem in Artikel 5 bieten könnten", sagte er. Die Russen hĂ€tten erstmals so einem Szenario zugestimmt. Trump hĂ€lt einen Nato-Beitritt der Ukraine fĂŒr unrealistisch.
Waffenstillstand oder nicht?
Nach seinem Treffen mit Putin war Trump von seiner zentralen Forderung nach einem Waffenstillstand als Bedingung fĂŒr Friedensverhandlungen abgerĂŒckt. Stattdessen will er - im Sinne Putins - direkt ĂŒber eine Friedensvereinbarung sprechen. In der Folge hatte Kanzler Merz zu erkennen gegeben, dass auch er Friedensverhandlungen vorherigen Waffenstillstand fĂŒr vertretbar hĂ€lt- vorausgesetzt, es komme schnell zu einem Abkommen.

