Kita-EinschrÀnkungen, BeschÀftigte

Kita-EinschrÀnkungen setzen BeschÀftigte unter Druck

29.01.2025 - 05:01:35

Nachricht in der Kita-App! Wenn so etwas auf dem Handy aufpoppt, ist das nicht immer Grund zur Freude. Denn manchmal folgt die Info, dass die Kita morgen zuhat. FĂŒr Eltern ist das zum Haareraufen.

Weil KindergĂ€rten wegen personeller EngpĂ€sse immer mal wieder ihr Betreuungsangebot einschrĂ€nken, kommen erwerbstĂ€tige Eltern einer Studie zufolge stark unter Druck. In einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung gaben rund 44 Prozent der befragten 1023 MĂŒtter und VĂ€ter im Dezember an, dass ihre Betreuungseinrichtung in den drei Monaten zuvor zeitweise geschlossen war. Es ging vor allem um KindergĂ€rten und Tagespflegeeinrichtungen fĂŒr Kleinkinder, aber auch - im geringeren Maße - um Ganztagsschulen.

Die Betroffenheit war unterschiedlich: 15,1 Prozent aller Befragten gaben an, die kurzfristig angekĂŒndigte Schließung ihrer Einrichtung sei in dem Drei-Monats-Zeitraum an einem Tag geschehen und bei 21,8 Prozent waren es zwei bis fĂŒnf Tage. Bei 3,9 Prozent waren es sechs bis zehn Tage und bei 3,6 Prozent - also etwa bei jedem 28. Befragten - waren es sogar mehr als zehn Schließungstage.

Hinzu kam das Problem der eingeschrĂ€nkten Betreuung - etwa wenn die Eltern ihre Kinder frĂŒh abholen mĂŒssen, weil die Kita wegen Personalmangels kĂŒrzer offen ist als ĂŒblicherweise. Davon berichtete ebenfalls knapp die HĂ€lfte der Befragten in der Umfrage. Vielen Eltern passierte beides - an manchen Tagen war eine Betreuungseinrichtung ganz zu und an anderen Tagen nur kurz geöffnet.

Appell zu Investitionen

Der Staat stehe vor einer doppelten Aufgabe, sagt Bettina Kohlrausch vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Böckler-Stiftung. «Er muss einerseits Betreuungsangebote ausbauen und andererseits die QualitÀt und ZuverlÀssigkeit der bestehenden Angebote sicherstellen», so die wissenschaftliche Direktorin des WSI. «Ganz offensichtlich ist schon die personelle Ausstattung der bereits existierenden Angebote nicht ausreichend.»

Unter den Befragten, deren Kinder anderweitig betreut werden mussten, sagten gut ein Drittel, dass sie deswegen ihre Arbeitszeit reduziert haben. Knapp die HĂ€lfte sagte, sie habe sich Urlaub nehmen mĂŒssen oder sie habe Überstunden abgebaut. Am besten lief es fĂŒr diejenigen Eltern, bei denen sich kurzfristig Verwandte oder Freunde um die Kinder kĂŒmmern konnten.

MĂŒtter springen hĂ€ufiger ein als VĂ€ter

AuffĂ€llig ist, dass deutlich hĂ€ufiger Frauen kĂŒrzertreten als MĂ€nner: Von den betroffenen VĂ€tern sagten 64 Prozent, ihre Partnerin sei eingesprungen. Umgekehrt sagten nur 48 Prozent der MĂŒtter, ihr Partner sei eingesprungen. Auch in anderen Umfrage-Antworten wurde die Diskrepanz deutlich: Frauen reduzierten hĂ€ufiger kinderbedingt ihre Arbeitszeit oder nahmen sich Urlaub als MĂ€nner. 

Die Soziologin Kohlrausch warnt, dass dadurch die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt vertieft werden könne. Immer wieder AusfĂ€lle in der Kinderbetreuung ausgleichen zu mĂŒssen, könne Konsequenzen fĂŒr die Karrierechancen haben. Große Investitionen in das Betreuungsangebot und eine FachkrĂ€fte-Offensive seien nötig - das wĂ€re «gut angelegtes Geld».

@ dpa.de